Mit Feuerwehrkonzept günstiger fahren
|
Nachrichten von
Das Gelbe Blatt
Bad Tölz - Wolfratshausen, 29.07.2010 17:06 |
 Ein zweites Drehleiterfahrzeug benötigt die Feuerwehr Geretsried, um auch im Süden Einsatzsärke beweisen zu können. Von THOMAS KAPFER-ARRINGTON, Geretsried - Die Stadt ist gut beraten, ihre drei Standorte für ihre Freiwilligen Feuerwehren (Wache Nord, Süd und Gelting) beizubehalten. Außerdem steht eine große Investition ins Haus: Ein zweites Drehleiterfahrzeug. Das sagt zumindest das Feuerwehrgutachten aus, das kürzlich im Stadtrat vorgestellt wurde.
„Wie müssen wir uns richtig aufstelen?“ Bürgermeisterin Cornelia Irmer wiederholte die Kernfrage zum Gutachten. Und sie betonte, dass die Stadt und der Stadtrat Klarheit darüber haben müssten, wie der Weg in die Zukunft ausschauen soll. Die Antworten lieferte Ingenieur Stefan Rudolph. Er prüfte die Feuerwehrstruktur in Geretsried auf Herz und Niere. Und dass sich ein Abgleich des Soll-Ist-Zustands durchaus lohnen kann, macht sich an den Rücklagen, die sich im Jahresetat der Stadt finden, ebenso bemerkbar, wie bei den stattlichen Anschaffungskosten moderner Feuerwehrfahrzeuge.
Rudolph verdeutlichte, dass es womöglich keinen Sinn mache, bloßen Ersatz für in die Jahre gekommene Fahrzeuge zu schaffen. Hinter solch einer Entscheidung müsse klar die Frage stehen, „gibt ein solches Gerät überhaupt noch Sinn?“
Um das abschließend zu klären, analysierte Rudolph im Detail die Beschaffenheit der Stadt und ermittelte ein Gefährdungspotenzial. Gefahren ergeben sich laut dem Fachmann vor allem in einer häufig anzutreffenden „geschlossenen Wohnbebauung“ mit „typisch städtischen Strukturen“. Und aus dem Umstand, dass die Bebauung aus den 60er und 70er Jahren stammt, bedingt sich der teils schlechte Brandschutz. „Es gibt hier viele Tiefgaragen und die entwickeln sich immer mehr zum Problemfall“, so Rudolph. Denn für die Einsatzkräfte sei oft unklar, wo denn der Brandherd überhaupt liegt. Auch sei hier gefährlich, dass diese unterirdischen Garagen zu verschiedenen Wohnobjekten führten.
Weiteres Manko sind die „Sonderbauten“. So gebe es etwa für das Seniorenheim in Schwaigwall keine ausreichende Löschwasserversorgung. Und eine „sehr beachtliche Situation“ erkannte der Gutachter wegen des hohen Gewerbeaufkommens. Gelting klammerte er hier aus. Minuspunkte gab es aber für die Gewerbeansiedlungen im Norden und Süden der Stadt mit ihrer Nähe zur Wohnbebauung. Gerade weil es sich hier teils um chemische Industrie handele, „müssen die Einsatzkräfte hier ganz anders handeln“. Hier sei die Evakuierung der Bevölkerung oberste Prämisse.
Kaum Gefahr gehe in Geretsried von Gewässern aus, dafür aber seien die Straßen teilweise sehr beengt – das ist ein wesentlicher Aspekt in der Anschaffung von Fahrzeugen, wo es mittlerweise sehr schlanke Modelle gibt.
Sehr komplex zeigten sich die Untersuchungen zu den Ausrückzeiten. Und hier kam Rudolph zu der klaren Ansage, dass das Stadtgebiet durchaus abgedeckt werden könne: „Mit den drei vorhandenen Standorten.“ Sprich: Daran ist kein rütteln.
Kritisch hingegen ist die Ausrückzeit des Drehleiterfahrzeugs. Die Sicherheit für Geretsried-Süd könne nicht vollends abgedeckt werden. Die Fahrzeit alleine liege bei derzeit über acht Minuten.
Weiter empfahl Rudolph die Anschaffung eines Gerätewagens Gefahrgut, „denn der nächste wäre in Penzberg stationiert“ – und ein zweites Drehleiterfahrzeug im Süden. Mehr Flexibilität könnte man in Zukunft durch zwei Gerätewagen erhalten, die mit verschiedenen Modulen (Gefahrstoffe/Atemschutz sowie Sonderlöschmittel) bestückt werden könnten. Ersatz sollte es indes für ein Tanklöschfahrzeug in Gelting geben. Auch benannte Rudolph Fahrzeuge, für die sich keine Neubeschaffung mehr rechne.
Insgesamt legte der Experte einen Bedarfsplan vor, der Planungssicherheit für die nächsten zehn Jahre bringen soll. Sonach würde die Stadt um 600.000 Euro günstiger fahren, als bei einer reinen „1:1-Ersatzbeschaffung“ des jetzigen Fahrzeugbestands. In den kommenden fünf Jahren sollten jeweils 175.000 Euro im Haushalt eingestellt werden, so seine Empfehlung. Derzeit ist im Jahresetat der Stadt etwa die Hälfte davon vorgehalten. |
weitere Nachrichten Bad Tölz - Wolfratshausen |