Schwarzbau wäre besser gewesen
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Nachricht von:
Das Gelbe Blatt
Bad Tölz - Wolfratshausen, 03.02.2012 12:00 |
 Er versteht die Welt nicht mehr: Johann Specker will auf seinem Bauernhof in Achmühl eine Photovoltaikanlage bauen, darf dies aber nicht, obwohl der Denkmalschutz andernorts großzügiger ist. Von WOLFGANG BREITWIESER, Bad Heilbrunn - Vor dem Gesetz sind alle gleich: Diesen landläufig bekannten und von Politikern wie Juristen immer wieder gerne hervor gehobenen Spruch mag der Bad Heilbrunner Landwirt Johann Specker aber nicht mehr so recht glauben. Specker will auf seinem Bauernhof im Ortsteil Achmühl eine Photovoltaikanlage errichten, um sein Einkommen als Nebenerwerbslandwirt etwas aufzubessern. Doch das ist gar nicht so einfach. Vielmehr hat dieses Vorhaben sogar das Zeug, sich zur unendlichen Geschichte zu entwickeln.
Wohl wissend, dass sein Wohnhaus unter Denkmalschutz steht, hat Specker einen Antrag auf Genehmigung einer Photovoltaikanlage gestellt, und zwar für das Dach seines angebauten Wirtschaftsgebäudes, nicht aber für das Wohnhaus. Der Heilbrunner Gemeinderat hatte dem Gesuch denn auch zugestimmt, das Landratsamt Bad Tölz die Sache hingegen mit Hinweis auf den Denk- malschutz abgelehnt. Specker zog daraufhin vor das Verwaltungsgericht, das sich nach Achmühl begab, um die Angelegenheit „in Augenschein zu nehmen“, wie es in der Fachsprache heißt.
Doch auch vom Gericht bekam der Landwirt keine Unterstützung. Mit dem Hinweis, die Photovoltaikanlage würde auf dem Gebäude als Fremdkörper erscheinen und das Bild des Einfirsthofes massiv beeinträchtigen, selbst wenn das denkmalgeschützte Wohnhaus frei von Modulen bleibe, wurde die Klage abgelehnt. Denn der Denkmalschutz, hieß es seinerzeit, habe mehr Gewicht als die privaten Belange des Klägers.
Das Argument würde Johann Specker ja sogar einleuchten, wenn nicht im nahen Benediktbeuern ein ähnlich gelagerter Fall offenbar ganz anders beurteilt wird. Wie Specker jüngst bei der Bürgerversammlung im Kursaal berichtete, habe das Kloster, dessen Gebäude bekanntlich auch denkmalgeschützt sind, auf einem Dach ebenfalls eine Photovoltaikanlage montiert und dafür auch die erforderliche Genehmigung erhalten. Zudem könne er weitere sechs Fälle nennen, „bei denen auf denkmalgeschützten Gebäuden eben die Module für eine Photovoltaikanlage erlaubt wurden“, wie Specker sagte.
Diese Ungleichbehandlung will dem Nebenerwerbslandwirt einfach nicht in den Kopf gehen. Und noch zwei andere Punkte in dieser Angelegenheit will Specker nicht verstehen. Ihm sei nämlich erst bei der Gerichtverhandlung mitgeteilt worden, dass nicht nur das aus dem 16. Jahrhundert stammende Wohngebäude unter Denkmalschutz stehe, sondern auch das Wirtschaftsgebäude in die Liste der schützenswerten Gebäude aufgenommen worden sei. „Mir wurde das weder mündlich noch schriftlich jemals mitgeteilt“, sagte Specker in einer Mischung aus Erstaunen und Verägerung.
Und noch eine weitere Sache stößt dem Landwirt sauer auf. Der Vorsitzende Richter des Verwaltungsgerichts hatte bei der Verhandlung durchklingen lassen, dass der Antragsteller weitaus besser Chancen gehabt hätte, wenn er die Anlage einfach auf dem Dach montiert, also „schwarz gebaut“ hätte, um dann nachträglich eine Genehmigung einzuho- len. In so einem Fall könne man über eine Duldung reden, wurde ihm gesagt. Specker glaubt, dass all diese Argumente deutlich für ihn sprächen. Er geht deshalb in die nächste Instanz und hat Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof eingereicht.
Der stellvertretende Landrat Werner Weindl, im Rahmen der Bürgerversammlung auf all diese Ungereimtheiten angesprochen, konnte Specker zwar wenig Hoffnung machen, in zweiter Instanz doch noch zu siegen. Denn das Landratsamt müsse sich nun mal an die Fachbehörden, in diesem Fall an das Landesamt für Denkmalschutz, wenden und sich auch an Gerichtsentscheide halten. Er versprach Specker aber, der Sache nachzugehen, warum das Kloster im Gegensatz zu ihm eine Genehmigung erhalten habe. Auch wolle er ein neues Gespräch mit dem Denkmalschutz und den Baujuristen anregen, sagte Weindl. |
 Vize-Landrat Werner Weindl will dem Nebenerwerbslandwirt nun helfen. |
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