Eberls ziehen Klagen zurück
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Das Gelbe Blatt
Bad Tölz - Wolfratshausen, 02.12.2011 12:00 |
 „Die NeuroKom fügt sich in die Gemengelage ein“: Richter Volker Berberich (r.) bei der mündlichen Verhandlung mit Thomas und Georg Eberl (3. und 4.v.r.) sowie NeuroKom-Chef Eberhard Bahr (l.). Foto: Fastner Von THOMAS KAPFER-ARRIGNTON, Bad Tölz – „Unsere Gästeklientel verträgt sich nicht mit den Patienten von NeuroKom“, meint Hotelbetreiber Georg Eberl. Das muss sie aber. Denn Richter Volker Berberich vom Verwaltungsgericht München hat bei einem Ortstermin mit klaren Worten angedeutet, wohin sein Urteil führen würde. Doch so weit kam es erst gar nicht: Hotelier Georg Eberl und sein Sohn Thomas zogen ihre Klagen gegen die Reha-Klinik zurück. Damit ist der Rechtsstreit beendet, der zuletzt vom Verwaltungsgerichtshof zurück ans Verwaltungsgericht verwiesen wurde.
Das Interesse am Gerichtstermin war groß: Anwohner, (ehemalige) Patienten der NeuroKom und Pressevertreter fanden sich am Donnerstagmorgen an der Buchener Straße 21 ein. Dem Ort, den Richter Berberich zusammen mit seiner Kammer nun genauer inspizieren wollte. Ein Rückblick: Vor eineinhalb Jahren zog Neuropsychologe Eberhard Bahr von der Rehaklinik Isarwinkel aus, eröffnete in der ehemaligen – von der Insolvenz geschröpften – Rehaklinik Albrecht die „NeuroKom Isarwinkel“. Hier werden seither Menschen mit Hirnverletzungen behandelt, „mit dem Ziel, sie wieder zurück in die Gesellschaft, bestenfalls in den Arbeitsmarkt zu bringen“. 80 Prozent der Patienten sind Unfallopfer, dazu gesellen sich Schlaganfallopfer.
Richter Berberich verwies vor Ort auf die Klagen von Thomas und Georg Eberl. Und er fasste die Beanstandungen dieser Klagen so zusammen: „Die gesuchte heile Welt der Hotelgäste stößt auf die, des körperlich und geistig beeinträchtigten Personenkreises: Der Urlaubsgenuss wird beeinträchtigt.“ Und: „Der Kläger befürchtet eine Milieu-Verschlechterung.“ Was Michael Beisse, der Anwalt der Eberls, später im Verlauf der mündlichen Verhandlung unter freiem Himmel ergänzte: Demnach sei der Betrieb des Hotels Eberl unzumutbar beeinträchtigt, „mein Mandant hat wirtschaftliche Einschränkungen“. Eberl selbst betonte, dass einige Gäste bereits angekündigt hätten, nicht wieder zu kommen. Denn sie seien großteils selbst pflegende Angehörige, suchen eine Auszeit von ihren Strapazen. „Da wollen sie nicht hier auch noch solche Schicksalsschläge sehen.“ Sohn Thomas monierte etwa, dass Rehabilitanden der NeuroKom-Klinik unerlaubt ins Hotel gekommen seien „und dort Zigaretten aufs Buffet geworfen haben“. Auch hätten die Patienten die Hotel-Azubis nachts angesprochen. Und im Sommer befänden sich die Patienten auf der direkt angrenzenden Freifläche. Was Richter Berberich nicht groß beeindruckte.
Nach einer Bestandsaufnahme der im Umfeld ansässigen Reha- und Pensionsbetriebe stellte er fest: „Ich erkenne hier keine Beeinträchtigungen.“ Zur Kenntnis genommen hat er da bereits bei einem kleinen Rundgang auf dem Gelände, dass auch Wohnbebauung ans Hotel Eberl angrenzt. Sodann erläuterte Berberich: „Der Eindruck hat sich mir bestätigt, dass es sich hier um eine Gemengelage handelt, in die sich die NeuroKom einordnet.“ Er sehe nicht, weshalb sich die Klinik nicht ins Umfeld einfügen sollte.
Nachdem NeuroKom-Anwältin Alice Fertig in ihrer Stellungnahme „keine messbaren Beeinträchtigungen“ gegenüber dem Hotel ins Feld führte, empfahl Richter Berberich eine kurze Bedenkzeit. Die nutzten die Eberls, um sich mit ihrem Anwalt zum Rückzug zu entscheiden. „Die Klagen werden zurückgezogen“, verkündete der Rechtsvertreter, der Eberls noch vor der Verhandlung geäußerte Vermutung („eigentlich ist das ja eh schon alles gegessen“) dadurch vorab bestätigte.
Erleichterung bei den NeuroKom-Vertretern. Bahr reichte mit tränenden Augen Eberl die Hand, sagte wenig später: „Wir wollen eine Nachbarschaft, die nicht feindlich ist.“ Jetzt wolle man sich wieder der eigentlichen Arbeit widmen: „Den Patienten.“ Bahr wertete den Ausgang der Verhandlung als großen Erfolg, „auch für unsere 118 Mitarbeiter“. Bei einem anderen Ausgang wären zudem 16 Jahre Arbeit zunichte gemacht worden.
Georg Eberl kritisierte im Nachklang die grundsätzliche Bauleitplanung der Stadt. „Was hier passiert, ist eine Gebietsveränderung.“ Derzeit eine Renaissance der Tölzer Hotelkultur zu etablieren, sei ein totaler Widerspruch. |
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