Ein Anker in der Not
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Das Gelbe Blatt
Bad Tölz - Wolfratshausen, 12.11.2011 12:00 |
 Organisierten die Ausstellung „Das Leben ist eine Kunst“: Kathrin Sperber, Rimma Weiß und Britta Grewe (von links) mit einem potenziellen Besucher der Bahnhofsmission aus Pappmaché. Von ALEXANDER KRAUS, Benediktbeuern - „Das Leben ist eine Kunst“ ist der Titel der Wanderausstellung der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahn- hofsmissionen, die bis 30. November im ersten Stock der Katholischen Stiftungsfachhoch- schule (KSFH) zu sehen ist. Die Ausstellung gehört zum Programm der Veranstaltungen anlässlich des 40-jährigen Bestehens der KSFH, das in der vergangenen Woche gefeiert wurde.
Verzweifelte, Einsame, Arme, Hoffnungs- oder Wohnungslose, Menschen in verzweifelter Lebenslage, das ist das Klientel, das in der Regel eine Bahnhofsmission aufsucht. „Die Bahnhofsmission ist für viele ein wichtiger Anker“, berichtet Hedwig Gappa-Langer vom Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft der Bahnhofsmissionen in Deutschland. Mehr als 100 dieser Einrichtungen gibt es bundesweit, in Bayern sind es 13. Als Träger fungieren die Caritas oder das Diakonische Werk, daneben sorgen Zuschüsse durch die Kommunen und Spenden für die Finanzierung.
Drei Benediktbeurer Studentinnen der Sozialen Arbeit haben sich um die Organisation der Ausstellung an der KSFH gekümmert. Rimma Weiß, Kathrin Sperber und Britta Grewe sorgten sich im Rahmen des Praxisprojekts um den Transport und den Aufbau der Ausstellungselemente und um den reibungslosen Ablauf der Vernissage. Noch vor kurzem war „Das Leben ist eine Kunst“ in München zu sehen.
„Wir sind eine niederschwellige Anlaufstelle für alle Menschen“, verdeutlichte Hedwig Gappa-Langer bei der Ausstellungseröffnung - „und das seit über 100 Jahren“. Aufgabe der Mitarbeiter der Bahnhofsmissionen sei es, Vertrauen aufzubauen, Hilfe anzubieten und den Weg in andere Hilfseinrichtungen zu ebnen. „Wir sind eine soziale Einrichtung an sozialen Brennpunkten“, erklärt die Landesvorsitzende zur geographischen Lage der Missionen, die sich entweder direkt am Bahnhof oder im Bahnhofsviertel befinden. Die Einrichtungen in den größeren Städten bieten auch Kreativprojekte für die Hilfesuchenden an, die in diesem Rahmen etwa Kunstwerke anfertigen. Einige dieser Exponate, darunter bemalte Stühle und Bilder, werden im Rahmen der Ausstellung gezeigt. Aufgabe der Bahnhofsmissionen sei es aber auch, ein Begegnungsraum für die Gäste zu sein, „wo das Gefühl entsteht, sie sind ein Teil der Gesellschaft“, betonte Hedwig Gappa-Langer.
Die Ausstellung präsentiert die Ergebnisse unterschiedlicher Kreativaktionen von Gästen bayerischer Bahnhofsmissionen. Häufig leben die Besucher isoliert am Rande der Gesellschaft. Wie ein kurzer Film zeigt, den die Studenten und Dozenten der KSFH bei der Vernissage zu sehen bekamen, wehren sich die Gäste der Bahnhofsmissionen gegen die soziale Ausgrenzung. Besonders schätzen die Besucher wenn sie Zuflucht finden, dass sie in der Bahnhofsmission eine warme Mahlzeit bekommen, telefonieren können oder eine Decke für die Nacht bekommen. Für Frauen gibt es einen speziellen Schutzraum. Einen weiteren Vorteil von Bahnhofsmissionen präsentierte Hedwig Gappa-Langer am Schluss ihrer Ausführungen. „Wir haben zu Zeiten geöffnet, wo andere Hilfseinrichtungen geschlossen sind.“ Und die Mitarbeiter kümmern sich um die Gäste ohne Anmeldung, gratis und anonym. |
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