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Ein Missionar für das Alte


Nachricht von: Das Gelbe Blatt
Bad Tölz - Wolfratshausen, 06.11.2011 12:00


Der Alte und der Neue: Stefan Hirsch (links) wurde in den Ruhestand verabschiedet, sein Nachfolger ist Norbert Göttler.
Von FRIEDERIKE WOLFERMANN, Benediktbeuern - Über 22 Jahre hinweg war Stefan Hirsch als Bezirksheimatpfleger in Amt und Würden. Und als nun Schluss war, wünschte er sich zum Abschied keine langen Reden, kei- ne Aufmärsche von Abordnungen der Trachtenvereine oder Böllerschützen, sondern den Auftritt der „Biermösl Blos’n“ in Benediktbeuern. Diesen Wunsch erfüllte er sich mit der Organisation eben dieses Gastspiels sinnigerweise gleich selber. Ganz ohne offiziellen Anstrich kam Hirsch aber dann noch nicht davon, als er von Bezirkstagspräsident Josef Mederer gewürdigt und sein Nachfolger Norbert Göttler im Maierhof des Klosters Benediktbeuern vorgestellt wurde.
Mederer erinnerte daran, dass Hirsch mit „missionarischem Eifer“ gegen die „Anpassung von Neubauten und Renovierungen alter Bausubstanzen an den Geschmack der Baumärkte vorging“ und jährlich allein in der Denkmalpflege rund 250 Förderprojekte betreut habe. „Er hat nach Paul Ernst Rattelmüller schnell seine eigene Linie gefunden“, sagte Mederer. Darüber hinaus könne Hirsch auf eine „imponierende Liste“ an Veröffentlichungen und Vorträgen zurück- blicken.
Durch das Münchner Residenztheater hatte der Bezirkstagspräsident dann die zündende Idee für ein Abschieds- und Antrittsgeschenk: Er überreichte Stefan Hirsch und Norbert Göttler je ein Plakat mit der Aufschrift „Heimat ist das größte Hindernis“, und meinte dass „man auch im Ruhestand viel für die Heimatpflege tun kann“.
Im Festvortrag „Oberbayern-Heimat im Wandel kultureller Identitäten“ wies Ferdinand Kramer vom Institut für Bayerische Geschichte der Ludwigs-Maximilians-Universität in München darauf hin, dass das Schlagwort „Laptop und Lederhose“ inzwischen den Schwerpunkt sehr auf Laptop verlagert habe. Von den 4,4 Millionen Bewohnern Oberbayerns seien nur noch zwei Prozent in der Landwirtschaft tätig, dafür seien hier die meisten Akademiker zu Hause. Habe Rattelmüller in seiner Zeit noch aus dem weiß-blauen Idyll, den schönen Seiten Oberbayerns mit Trachten und Brauchtum geschöpft, musste Hirsch das alles aus einer anderen Warte betrachten, denn die Globalisierung sei wie eine Welle durch die Heimat geschwappt. „Heimat gilt als Argument beider Seiten, egal ob es um den Bau des Altstadtrings oder des Flughafens ging. Und Heimatpfleger wurden oft als rückständig erklärt, wenn sie für den Erhalt der alten Innenstädte und gegen einen Bankenneubau argumentierten“. Doch viele hätten sich zum Glück durchgesetzt. Seit der Jahrtausendwende, so Kramer, werde gerade bei jungen Menschen, die seit der Kindheit international unterwegs sind, „die Hinwendung zum Heimatlichen festgestellt“.
Stefan Hirsch dankte schließlich seinen Mitarbeitern für die Unterstützung in all den Jahren und stellte fest, dass seine Aufgabe unter anderem darin bestand habe, „alles Greifbare zu sichern und dann quellenpflegende Arbeit zu leisten“. Feste Wertvorstellungen seien in dieser Zeit ins Wanken geraten, doch die Suche nach den Wurzeln müsse auch die nach dem Samen beinhalten. „Die Lebendigkeit des Kulturlebens und neue Akzente sind sehr wichtig“, sagte er. Die Umwelts- und Mobilitätsproblematik finde aktuell durch Biogasanlagen, Windräder, die Diskus- sion um die dritte Startbahn am Münchner Flughafen und Autobahnneubauten einen besonderen Schwerpunkt. „Doch wie schon König Ludwig I. sagte: nach vorne, vorne sollen wir schauen“ bat Hirsch die um Unterstützung seines Nachfolgers

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