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„Wir können nur gewinnen“


Nachricht von: Das Gelbe Blatt
Miesbach, 21.10.2011 13:00


Die Straße zum Margarethenhof führt nicht mehr ins Landschftsschutzgebiet. Foto: Thanner
Von FRIDOLIN THANNER, Miesbach – Nur eine schmale Straße führt von Marienstein zum Steinberg, sie führt durch einen Wald. Wer da zum ersten Mal entlang fährt, könnte durchaus erwarten, auf dem Weg zu unberührter Natur zu sein. Die Warnungen vor fliegenden Golfbällen irritieren dann jedoch – ein kurzes Stück später ist der Margarethenhof erreicht. Statt inmitten eines Waldes findet sich der Besucher zwischen kurz geschnittenen Rasenflächen und vor einem Hotel wieder – dort, wo ein Lanserhof entstehen soll.
Das Gelände war bis vergangenen Mittwoch Landschaftsschutzgebiet. Doch der Kreistag hat gegen elf Stimmen die Herausnahme der Fläche aus der Egartenlandschaft beschlossen. „Das wurde doch damals mit der Bebauung faktisch schon vollzogen“, sagte SPD-Sprecher Martin Walch. „Ein Hotel und ein Golfplatz haben nichts zu tun mit einem Landschaftsschutzgebiet“, betonte er. „Es handelt sich hier nicht um unberührte Natur“, plädierte auch Landrat Jakob Kreidl dafür, der damals versäumten Herausnahme zuzustimmen. Starkes Argument für Kreidl ist auch die geplante Investition in Höhe von 50 Millionen Euro. „Das zieht Aufträge für unsere mittelständischen Betrieb nach sich und sichert wohnortnahe Arbeits- und Ausbildungsplätze“, sagte der Landrat. Und: „Das Investitionsklima im Landkreis hat in der Vergangenheit schon stark gelitten!“ Dass der Lanserhof eine Bereicherung für die Region ist, daran gibt es auch für Josef Bichler keine Zweifel. Auf „ein Juwel für unsere touristisch geprägte Gegend“ freut sich der CSU-Sprecher. Der jetzige Margarethenhof und der Golfplatz ohne Entwicklungsmöglichkeit hingegen seien nicht lebensfähig. Arnfried Färber (FW) nannte den Bestand eine „bebaute Fläche, die jahrelang vor sich hingedümpelt ist“. Das geplanten Projekt sei „ein Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität des Landkreises“. Neue Gebäude störten nicht. Denn das Areal sei „abgeschieden, versteckt und nicht auf dem Präsentierteller von weitem sichtbar“, machte Färber klar.
Sein Fraktionskollege Michael Lechner hingegen prangerte die „Massivität der Bebauung“ an. Eine „Naturverträglichkeit ist nicht mehr gegeben“, sagte er. Auch das Argument der entstehenden Arbeitsplätze gilt für ihn nicht. „In dem Bereich (Pflege/Medizin, Anm.d.Red.) haben wir hier keine Arbeitslosen“, sagte er. Ulrike Küster (Grüne) vermutet, dass ein wesentlicher Teil der immer genannten 150 Arbeitsplätze wohl ohnehin nur Teilzeitstellen sein werden. „Da stehen 70 Betten gegen 10,3 Hektar Landschaft“, zeigte sie sich entsetzt. „Bei einer maßvollen Erweiterung wären wir dabei gewesen“, sagte Küster. Dass 80.000 Kubikmeter Erde bewegt werden sollen, ist für sie nicht zu verstehen. Doch das Gelände am Steinberg wurde schon früher stark verändert, wie Volker Herden, der Naturschutzbeauftragte des Landkreises, bestätigte. Dem stimmte Marinus Weindl (CSU), langjähriger Waakirchner Gemeinde- und Kreisrat, zu und machte er sich für einen Lanserhof stark: „Wir können nur gewinnen.“
Ob das Gesundheitshotel gebaut werden darf, entscheiden die Waakirchner am 6. November. Michael Lechner und Paul Fertl (SPD) – letzterer votierte für die Herausnahme – hätten lieber erst nach diesem Termin im Kreistag abgestimmt. „Das wäre ehrlicher“, sagte Lechner. Und Fertl betonte: „Der Souverän ist das Volk!“ Daran ändert auch die Herausnahme nichts.

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