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Endlich wieder daheim


Nachricht von: Das Gelbe Blatt
Penzberg, 16.12.2011 12:00


Wortloser Ortstermin: Während überall im Rathaus gepackt wurde, inspiziert der Bürgermeister den neuen Sitzungssaal mit den vielen Mikrofonen.
Von ANDRÉ LIEBE, Penzberg - Wer Hans Mummert lange genug kennt, der weiß, dass er einer ist, der seine Freude über ein bestimmtes Ereignis nicht für sich behält. Er strahlt und jubelt und steckt mit seiner aufgeräumten Stimmung die Menschen an. An diesem Freitag aber bleibt er seltsam stumm. Die Arme verschränkt, verharrt er regungslos unterm Dach des wieder aufgebauten Rathauses und blickt wortlos in den menschenleeren Sitzungssaal. Man glaubt seine Gedanken lesen zu können: tiefe Erleichterung darüber, dass die schwerste Stunde seiner Amtszeit, der verheerende Brand vom 18. August 2009, nun endlich überstanden ist. Und Zufriedenheit darüber, dass die Wiederherstellung dieses beinahe letzten Zeugen der einst stolzen Bergwerkstradition in dieser Stadt so gelungen ist.
Am Wochenende schwärmten dann die Leute aus der Verwaltung aus wie die Bienen, um Kladden, Ordner und all das, was ein Büro persönlich macht, aus den Kartons zu packen, die am Freitag von den Ausweichquartieren in der Rathauspassage herübergeschleppt worden waren. Ab sofort ist das Rathaus nicht länger eine Brandruine, sondern ein mit Leben erfüllter Verwaltungsbau. Und ganz egal, mit wem man auch spricht, es herrscht fast so etwas wie Euphorie über die alten neuen Räume, deren Zuschnitt und Gestaltung das Werk des Penzberger Büros B3-Architekten ist. Clever haben sie die strittige Brandschutzfrage mit einer Fluchttreppe über den Innenhof gelöst, wovon man im Gebäude selbst fast nichts mitbekommt, wenn man von dem trennenden Glaselement im Foyer einmal absieht. Das Glanzstück des Wiederaufbaus aber ist der neue Sitzungssaal, der vom ersten Stock unters Dach verlegt wurde und ein beredtes Zeugnis davon abliefert, dass moderne und zurückhaltende Architektur trefflich mit historischer Bausubstanz harmonieren kann.
Am Dienstag hat der Stadtrat dort erstmals getagt, in ungewohnter Atmosphäre, weil der Saal plötzlich so groß geworden ist und sich beinahe vor jedem Platz ein Mikrophon befindet wie im Bundestag. „Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich nicht geglaubt, dass wir rechtzeitig fertig werden“, strahlt Thomas Mügge, der sich im Bauamt vorzugsweise mit dem Wiederaufbau des Rathauses beschäftigt hat. Januar oder wohl doch eher Februar habe er als realistische Termine für die erste Sitzung in dem neuen Saal unterm Dach ins Auge gefasst. Doch dann haben die Handwerker noch einmal die Ärmel aufgekrempelt und das Unmögliche möglich gemacht. Und auch der Bürgermeister ist zufrieden: „Das ist schon richtig gut geworden“, entfährt es ihm, als er durch den Sitzungssaal blickt. Und neben ihm strahlt Tom Sendl, der im Rathaus unter anderem für die Kultur verantwortlich ist. Man bringe in dem neuen Sitzungssaal wohl an die hundert Leute unter, hat Sendl ausgerechnet und deshalb den Raum schon mal für die nächste Verleihung des Kulturpreises reserviert. „Zusammen mit dem Foyer vor dem Saal bildet dies einen wunderbaren Rahmen, um offizielle Veranstaltungen hier durchzuführen“, sagt Sendl.
Am Montag ist dann fast schon wieder Normalität eingekehrt. Zwar ist Thomas Mügge wieder unterwegs, weil da ein Schloss klemmt und dort noch eine Leitung angeschlossen werden muss. Der Bürgermeister aber hat wie die meisten anderen aus dem Rathaus bereits sein Büro bezogen. Noch ist es etwas ungewohnt in der gewohnten Umgebung. Aber auch wenn da und dort noch Kartons und Sackkarren auf den Fluren stehen, ist es eigentlich wie immer. Geschäftsführer Roman Reis schaut auf einen Sprung vorbei, letzte Einzelheiten für die Stadtratssitzung besprechen. Im Vorzimmer von Hans Mummert ist das Gewusele so groß, als hätte es nie gebrannt und drunten im Bürgerbüro sieht es ohnehin aus wie immer, weil dieser Bereich von Feuer und Löschwasser nahezu verschont blieb.
Jetzt kommt erst mal Weihnachten, und dann geht es eh weiter, als sei nichts geschehen. Im Frühjahr aber will Hans Mummert bei einem Tag der offenen Tür mit allen Penzbergen das alte, neue Rathaus feiern und zeigen, dass es jetzt ei- gentlich viel schöner ist.


Wortloser Ortstermin: Während überall im Rathaus gepackt wurde, inspiziert der Bürgermeister den neuen Sitzungssaal mit den vielen Mikrofonen.



Wortloser Ortstermin: Während überall im Rathaus gepackt wurde, inspiziert der Bürgermeister den neuen Sitzungssaal mit den vielen Mikrofonen.



Normalität: Der Bürgermeister regiert in gewohnter Umgebung.



Drunten im Foyer stellen Irmgard Hofmann und Evi Mummert die Krippe auf.


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