Publikumsrunde bei der Podiumsdiskussion

Ein fader Abend

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Penzberg - Viel Neues brachte die Publikumsrunde bei der Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten nicht hervor.

Oh, Du glückliches Penzberg. Da hat die Stadt in diesem Jahr auf einmal fast 15 Millionen Euro weniger an Gewerbesteuer im Beutel - und keinen interessiert’s. Die Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten, eigentlich als politische Weichenstellung erwartet, hätte fader nicht sein können. Da gab es in der jüngeren Vergangenheit nicht nur eine Bürgerversammlung, die mehr Zündstoff geboten hat. Den drei Kandidaten Zehetner, Kreuzer und Sacher ist dabei der allerwenigste Vorwurf zu machen. Die konnten nur auf das antworten, was gefragt wurde. Und das war in der Publikumsrunde genauso harmlos wie zuvor bei den Fragen von Moderator Thomas Schustereder. Als hätte man die Stadthalle weich gespült, ging es zunächst darum, wie man die Situation der Radfahrer in der Stadt sicherer machen könne. Wolfgang Sacher wiederholte in diesem Zusammenhang seine Forderung nach Errichtung einer auf das Wochenende beschränkten Fußgängerzone in der Bahnhofstraße, was Richard Kreuzer mit Blick auf den Einzelhandel als „nicht durchsetzbar“ bezeichnete. Der CSU-Mann will das Problem mit den Fahrradfahrern stattdessen im Rahmen eines Stadtleitbildes „im Dialog mit den Menschen ein für allemal lösen“. Die von Max Kapfer aufgeworfene Frage, weshalb sich die Stadt nicht das Vorkaufsrecht für 36 Wohnungen am Rathausplatz gesichert und stattdessen dem Verkauf an zwei private Investoren zugestimmt habe, konnte keiner beantworten: Elke Zehetner nicht, weil sie noch nicht dem Stadtrat angehört. Wolfgang Sacher nicht, weil er damals im Trainingslager war. Und Richard Kreuzer nicht, weil er sich bei jährlich mehr als 300 Beschlüssen im Stadtrat aus dem Stegreif beim besten Willen nicht an jeden einzelnen Punkt erinnern könne. Kreuzer aber gab Kapfer Recht, dass man in Penzberg künftig mehr Augenmerk als bisher auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum legen müsse, was von Sacher und Zehetner natürlich umgehend auch so gesehen wurde. Auch beim Stadtplatz zeigte sich keiner der Kandidaten mit dem status quo zufrieden und erklärte, dass man die Brache aus Granitsteinen mit Open-air-Kino (Zehetner) oder weiteren Märkten (Kreuzer) beleben und die Verbesserungsvorschläge der Bürger berücksichtigen müsse (wieder Kreuzer). Ein wenig Stimmung kam dann noch auf, als es um die Belebung der Innenstadt und eine Nachfolgeregelung für den Rewe-Markt in der Bahnhofstraße ging. Elke Zehetner betonte, dass sie nach ih- rem gescheiterten Versuch mit der Ansiedlung der Feneberg-Gruppe „weiter dranbleiben“ wolle. Wolfgang Sacher betonte, dass es nicht die Aufgabe der Stadt sein könne, hier für eine dauerhaft erfolgreiche Lösung zu suchen, weil die Penzberger mit ihrem Einkaufsverhalten selbst es in der Hand hätten, ob sich in den ehemaligen Rewe-Räumen wieder ein Nahversorger ansiedelt. Richard Kreuzer wiederum sagte, dass die CSU derzeit noch im Verborgenen an einer Lösung des Problems arbeite, man derzeit aber noch nicht sagen könne, ob das letztlich auch zum Erfolg führe. Und Elke Zehetner meinte im Hinblick auf die fortwährende Diskussion über zu wenig vorhandene Parkplätze noch: „Es kann nicht sein, dass wir die Innenstadt für Autos passend machen.“ Das wird ihr wohl Minuspunkte beim Einzelhandel eingetragen haben, für eine definitive Wahlentscheidung aber war dieser Abend wenig angetan. Dafür blieb das Interesse des Publikums viel zu sehr im Ungefähren. Nicht eine einzige Frage bezüglich der Finanzsituation, auf welche die BfP scheinbar ihren gesamten Wahlkampf aufgebaut haben und weshalb Sacher einen „Neustart für Penzberg“ fordert. Ein intimer Kenner der Penzberger Volksseele erklärt warum: „Wir wissen doch mittlerweile, dass die Gewerbesteuerzahlungen von Roche immer wieder schwanken. Jetzt haben wir ein schlechtes Jahr, aber auf ein schlechtes folgt immer ein gutes Jahr.“ Jetzt kann sich jeder aussuchen, was er am 16. März eher geneigt ist zu glauben. la (mehr in der Printausgabe am Mittwoch)

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