150. Todestag

Otto I.: Bayerns tragischer Griechen-König

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Otto von Wittelsbach, Sohn von Bayerns König Ludwig I., wurde im Alter von 17 Jahren zum König von Griechenland ernannt.

1832 machten die Griechen den bayerischen Prinzen Otto zu ihrem König, 30 Jahre später vertrieben sie den Wittelsbacher wieder. Spuren seiner Regentschaft sind bis heute sichtbar. Heute jährt sich König Ottos Tod zum 150. Mal.

München – Was macht einen König zum guten Herrscher? Gewonnene Kriege, Gebietsvergrößerungen, untertänige Untertanen? Das alles bietet die Biografie von Otto von Griechenland (1815-1867), geborener Prinz von Bayern, nicht. „In Bayern wird das immer als gescheitertes Abenteuer gesehen“, sagt Jan Murken, Gründer des Otto-König-von-Griechenland-Museums in Ottobrunn im Landkreis München. Nachdem Griechenland unabhängig vom Osmanischen Reich geworden war, wurde Ioannis Graf Kapodistrias erster Präsident. Ein Jahr nach dessen Ermordung 1831 ernannte die Nationalversammlung Otto von Bayern zum ersten griechischen König – und das Land wurde zur Monarchie.

Außenpolitisch erfolglos

Der Sohn des Griechenland-Bewunderers Ludwig I. verließ 1832 als 17-Jähriger seine Heimat. „Sehr jung und unvorbereitet“, urteilt Murken. Doch was die Griechen sich wohl erhofften, nämlich das Land zu vergrößern, konnte Otto nicht erfüllen. Abhängig von Schutzmächten wie Großbritannien und immer wieder konfrontiert mit Aufständen, blieb er in dieser Hinsicht erfolglos. „Außenpolitisch hat er nichts geschafft“, urteilt Murken. Nach 30 Jahren auf dem Thron zog er sich schließlich nach einem erneuten Aufstand ins bayerische Exil zurück. Das könne man als Weichheit sehen, meint Murken, aber dadurch sei Blutvergießen verhindert worden. Am 26. Juli 1867 starb Otto in Bamberg, sein Sarg steht in der Münchner Theatinerkirche. Mit einer Gedenkfeier wird heute an ihn erinnert.

„Außenpolitisch hat er nichts erreicht“, sagt Jan Murken, Gründer des Otto-König-von-Griechenland-Museums in Ottobrunn. Doch Ottos Gang ins bayerische Exil habe ein Blutvergießen verhindert. Spuren hat König Otto in Griechenland trotzdem hinterlassen

Auch in Griechenland erinnert man sich bis heute an den Bayern auf dem Thron. Nach seinem Wahlsieg 2015 habe Ministerpräsident Alexis Tsipras das Ergebnis unter einem Bild Ottos verkündet, erzählt Murken. „Das hat einen ungeheuren Symbolwert.“ Denn neben der außenpolitischen Pleite hat Ottos Herrschaft dennoch Bleibendes hervorgebracht: „Die Staatsgründung schlechthin“, lobt Murken.

„Da kommt man nicht drum rum“, sagt auch Ioannis Zelepos, Dozent am Institut für Byzantinistik, Byzantinische Kunstgeschichte und Neogräzistik der Universität München. „Institutionelle Grundlagen“ seien unter Otto geschaffen worden. „Als Nationalheld eignet er sich nicht, aber zum Antihelden taugt er auch nicht.“ 1837 gründete der junge Bayer die Athener Otto-Universität. „Es gab in der ganzen Region nichts Vergleichbares.“ Repräsentationsbauten wie das heutige Parlament entstanden. Auch der Aufbau der Rechtsprechung, des Medizin-, Schul- und Bankwesens gehe auf seine Regentschaft zurück, hebt Murken hervor.

Bayerisches Bier gibt‘s in jedem Supermarkt

Und was bleibt sonst von dem kinderlosen Monarchen, der kurz vor seinem Tod gegenüber seiner Frau den Wunsch geäußert haben soll, in griechischer Tracht aufgebahrt zu werden? Gerade mal ein Ottodenkmal, berichtet Zelepos, gibt es in Griechenland. Selten gebe es noch Kinder, die Otto heißen. Zweisprachige Gesetzbücher hätten immerhin noch bis in die 1960er-Jahre gegolten, sagt Murken.

Bierlokale werben mit bayerischem Bier, hat Zelepos beobachtet, „Löwenbräu gibt’s in jedem Supermarkt“, und am griechischen Nationalfeiertag werde im Münchner Konsulat neben der Nationalhymne auch die bayerische Landeshymne gesungen. Bayerisch-griechische Kulturvereine tragen die Verbindung in das 21. Jahrhundert, Schulklassen kommen ins Ottobrunner Museum.

Und Ottos Nachfahren? „Der Herzog von Bayern und das Haus Bayern begleiten seit König Ludwig I. die Entwicklung Griechenlands mit wohlwollendem Interesse und Sympathie“, heißt es von Herzog Franz von Bayern, dem aktuellen Familienoberhaupt. Er erinnert an tausende Bayern, die mit Otto nach Griechenland kamen – Beamte, Architekten, Wissenschaftler. Es sei „nicht so sehr das Verdienst einer einzelnen Person, sondern vieler Bayern, dass nicht nur die Begeisterung für die Antike in Bayern Spuren hinterlassen hat, sondern auch Bayern einige Spuren in Griechenland“.

Ottos Büste bei der Münchner Kunstmesse. 

Die Wittelsbacher sind Griechenland bis heute verbunden

Die Verbundenheit hält bis heute an: „Das Haus Bayern und besonders Herzog Franz von Bayern haben eine besondere Affinität zu Griechenland, die über das Persönliche hinausgeht.“ So sammelte der Herzog Spenden für griechische Kinder, und Priester der griechisch-orthodoxen Gemeinde nehmen an besonderen Gottesdiensten und familiären Feiern teil.

„Weder eindeutig positiv noch eindeutig negativ“ könne man Otto bewerten, urteilt Zelepos. Die deutsch-griechische Wahrnehmung sei mehr von der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg geprägt. Aber eine „Kontinuität deutscher Unterdrückungspolitik von Otto bis zu Schäuble“, davon könne man auch nicht sprechen. Nicht als Despot, sondern als tragische Gestalt werde man ihn in Erinnerung behalten. Murken dagegen sagt: Die Griechen sähen Otto als jemanden, „dem sie unheimlich viel verdanken“. Und hat man nicht Otto Rehagel, den Fußballeuropameister-Trainer, König Otto II. genannt?

Der Festakt zum Gedenken findet heute ab 17 Uhr in der Theatinerkirche und ab 19 Uhr in der Salvatorkirche statt. Nach Gedenkstunde und Gebet werden Politiker und Geistliche aus Bayern und Griechenland sprechen, Jan Murken hält zudem einen Vortrag über „Ottos Wirken in Hellas“.

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