Besondere Ehrung

Bayerische Naturschützer erhalten Deutschen Umweltpreis 

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Kai Frobel ist einer der Preisträger.

Drei Naturfreunde erkannten früh das Potenzial des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens für die Umwelt. Auch ein Unternehmer und sein Sohn werden ausgezeichnet.

Osnabrück  - Der Deutsche Umweltpreis 2017 geht an drei Naturschützer sowie die Unternehmer Bernhard und Johannes Oswald aus Bayern. Für ihre Beiträge zu Umweltschutz und Energieeffizienz erhalten sie die mit jeweils 245.000 Euro verbundene Auszeichnung, wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Dienstag in Osnabrück mitteilte. Der im August verstorbene frühere Außenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum, werde posthum mit dem Ehrenpreis und 10.000 Euro für sein Engagement im Klimaschutz ausgezeichnet. Den nach DBU-Angaben höchstdotierten Umweltpreis Europas soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 29. Oktober in Braunschweig übergeben.

Jahrzehntelanges Engagement

„Nur durch die Liebe engagierter Naturfreunde konnte die rund 1400 Kilometer lange ehemalige innerdeutsche Grenze für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden“, würdigte der stellvertretende DBU-Generalsekretär Werner Wahmhoff die Naturschützerin Inge Sielmann, den BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger und den Geoökologen Kai Frobel. Die drei hätten das Grüne Band, einen 50 bis 200 Meter breiten Geländestreifen entlang der früheren innerdeutschen Grenze, mit ihrem Engagement maßgeblich für die Natur gesichert.

Kai Frobel gelte als Initiator und Namensgeber des „Grünen Bandes“. Mit seinen Kartierungen und seiner Diplomarbeit habe der Nürnberger Geoökologe in den 70ern und 80ern das Naturpotenzial und die Bedeutung des Grenzstreifens für einen 140 Kilometer langen Bereich belegt.

Der 58-Jährige freute sich, dass sein jahrzehntelanges Engagement auf diese Weise gewürdigt werde. Der Preis sei dadurch ein wichtiges Signal und Motivation für viele andere Naturschützer in Deutschland, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Für die Umweltstiftung hat Frobel zusammen mit dem Vorsitzenden des BUND, Hubert Weiger, den völkerverbindenden Charakter des Projektes vorangetrieben. Der Fürther habe über die Grenzen Deutschlands hinaus gedacht und den Anstoß zur Initiative „Grünes Band Europa“ gegeben, den nach DBU-Angaben mit 12.500 Kilometern längsten Lebensraumverbund des Kontinents.

Das Engagement der 87-jährigen Inge Sielmann sei untrennbar mit dem ihres verstorbenen Mannes Heinz Sielmann verbunden, hieß es weiter. Nach dessen Tod habe die Münchnerin die Ideen konsequent weiterverfolgt und Neues in der Umweltbildung initiiert. „Wir haben die Chance für den Naturschutz gesehen, im Schatten der Grenze gab es noch intakte Lebensräume, Refugien der Natur mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt“, sagte sie der dpa.

Sielmann sprach von einem „verlockenden Ziel für ein gemeinsames Naturschutzprojekt von Ost und West“. Deshalb habe die Heinz Sielmann Stiftung seit Mitte der 90er Jahre mit viel Geld etwa die Flächensicherung im Grünen Band umgesetzt. Mit dem Film „Tiere im Schatten der Grenze“ machte das Ehepaar 1988 auf den herausragenden Stellenwert des Grenzgebietes aufmerksam. Die 150 Naturschutzgebiete entlang des Grünen Bandes seien ein Alleinstellungsmerkmal, sagte der stellvertretende DBU-Chef Wahmhoff.

Technologie-Trendsetter

Als Technologie-Trendsetter haben sich laut DBU Bernhard Oswald und sein Sohn Johannes mit ihrem Unternehmen im bayerischen Miltenberg erwiesen. Ihre Elektromotoren ohne Getriebe hätten die Energieeffizienz und Produktivität von Anlagen wie industriellen Zerkleinerern und Pressen deutlich erhöht.

Die Idee, Torquemotoren (torque, englisch: Drehmoment) als Hauptantriebe in der Direktantriebstechnik einzusetzen, revolutioniere den Elektromotorenbau. Der Energieverbrauch sinke um bis zu 50 Prozent, der Einsatz von Getriebeöl falle weg. Die Maschinen würden leichter, benötigten weniger Platz, produzierten geringere Betriebskosten und seien leiser, zählte Wahmhoff die Vorteile auf. Das 1909 gegründete Familienunternehmen habe sich in diesem Technologiefeld zu einem Weltmarktführer entwickelt.

An der Spitze steht die Firma laut DBU auch bei einer weiteren Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts: Bernhard Oswald forciere seit vielen Jahren die Hochtemperatur-Supraleiter-Technologie (HTS). Eine Zukunftsversion sei es, hybride Verkehrsflugzeuge mit supraleitenden Synchronmotoren anzutreiben, um ihren Energieverbrauch drastisch zu senken.

„Durch unsere Arbeit sparen wir jährlich etwa 1,5 Terawattstunden Energie“, sagte Johannes Oswald der dpa. Das entspreche dem Privatverbrauch von etwa 350 000 Haushalten oder von knapp einer Million Menschen in Deutschland.

Vorbildliche Umweltentlastung

Den früheren Außenminister Tony de Brum bezeichnete die DBU als engagierten Vertreter der pazifischen Inselstaaten. Er habe maßgeblich zum Erfolg der Klimaverhandlungen in Paris 2015 beigetragen. De Brum war dort als Sprecher einer „Koalition der Ehrgeizigen“ aufgetreten.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt vergibt den Umweltpreis seit 1993 jährlich. Gewürdigt werden Leistungen, die für Schutz und Erhalt der Umwelt vorbildlich sind oder in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden.

dpa

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