15.000 Fälle in Bayern

Betrug durch falsche Polizeibeamte steigt rapide an

Sie geben sich am Telefon als Polizisten aus und erbeuten so Millionen: In Bayern kam es dieses Jahr schon zu mehr als 1500 solcher Betrugsfälle - ein immenser Anstieg. Vor allem Senioren sind beliebte Opfer.

München - Es ist ein Notfall, sagt der Polizist am Telefon. Die Rentnerin am anderen Ende der Leitung ist entsetzt. Ihre Adresse soll auf einer Liste von Einbrechern stehen? Die 74-Jährige schließt sofort alle Fenster und Türen. In den nächsten Stunden und Tagen ruft der Polizist immer wieder an. Jedes Mal hat er eine neue Horrorgeschichte. Die Einbrecher hätten sogar schon einen Raubmord begannen, erzählt er.

Voller Panik befolgt die Rentnerin jeden Rat des angeblichen Polizisten: Sie räumt ihr Bankschließfach aus und packt ihren Schmuck und das Gold in einen orangefarbenen Schuhkarton. In Absprache mit dem Mann vom Telefon stellt die Münchnerin den Karton vor ihrer Haustüre ab und verbarrikadiert sich in ihrer Wohnung. Erst ihr Sohn erkennt den Betrug. Aber zu dem Zeitpunkt ist es schon zu spät - die Rentnerin hat mehrere Zehntausend Euro verloren.

Betrugsmeldungen fast täglich

„Jeden Tag werden bei uns solche Betrügereien gemeldet. Eben erst waren es sieben Fälle innerhalb von ein paar Stunden“, sagt Florian Hirschauer von der Polizei München. „Zum Glück bleibt es meistens nur bei einem Versuch.“ Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) kam es in diesem Jahr in Bayern schon zu mehr als 1500 Vorfällen, bei denen falsche Polizisten ihr Glück versucht haben. Mehr als 2,8 Millionen Euro haben die Täter dabei erbeutet.

„Die Anrufe falscher Polizeibeamter haben seit Mitte 2016 sehr stark zugenommen“, sagt Alexander Groß, Sprecher des LKA. Vergangenes Jahr hat die Behörde 900 sogenannte „Callcenter-Betrüge“ verzeichnet, dieses Jahr sind es bereits mehr als 2300. Dazu zählen Anrufe falscher Polizeibeamter ebenso wie Gewinnversprechen, wenn das Opfer angebliche Zoll- oder Transaktionsgebühren bezahlt. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich deutlich höher. Viele schämen sich, auf den Betrug hereingefallen zu sein und melden den Anrufer nicht.

„Die angeblichen Polizisten sitzen häufig in der Türkei, die errichten da regelrechte Callcenter“, sagt Alexander Groß vom LKA. Eine falsche Telefonnummer besorgen sich die Täter im Internet. Das Gefährliche daran: Die Täter rufen unter der 110 an oder besorgen sich sogar die Telefonnummer der örtlichen Polizeidienststelle. „Wenn diese Nummer auf dem Display erscheint, wirkt das sehr glaubwürdig“, sagt der LKA-Sprecher. „Es ist auch schon passiert, dass die Nummer unserer Dienststelle angegeben wurde.“

Senioren beliebte Opfer

Die Polizei würde aber nie über die Notrufnummer 110 anrufen. „Bleiben Sie misstrauisch“, rät Polizeisprecher Florian Hirschauer. Denn gerade Senioren sind oftmals gutgläubig, wenn sich am anderen Ende der Leitung ein Polizist meldet. Die Betrüger suchen im Telefonbuch deshalb gezielt nach Personen mit altdeutschem Namen. „Da wird dann einfach jede Mathilde und Hildegard angerufen“, sagt der Polizeisprecher.

Sobald das Opfer Vertrauen gewonnen hat, kommt es zur Übergabe des Geldes. Meistens klingelt ein Polizist mit gefälschtem Dienstausweis an der Haustür. Wenn der Täter in der Wohnung ist, nutzt er jede Unaufmerksamkeit der Bewohner. Den Diebstahl bemerken die Betroffenen oft zu spät. Denn wer den Betrügern einmal auf den Leim gegangen ist, bekommt in den seltensten Fällen sein Geld zurück.

So liegt die Akte im Fall der 74-Jährigen aus München immer noch auf dem Schreibtisch der Ermittler. Ihren Schmuck und das Gold wird die Rentnerin wohl nie wieder bekommen. Mehrere Zehntausend Euro sind weg.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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