Verstopfte Zufahrtsstraßen in Südbayern

Schlangestehen vor der Bergbahn bei steigenden Corona-Zahlen: Wieder Ausflugschaos in den Alpen

Wanderer stehen Schlange vor der Brauneckbahn.
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Viel Geduld mussten die Ausflügler am Sonntag an der Brauneckbahn mitbringen. Rund 2300 Bergfahrten verkaufte die Bahn an dem sonnigen Herbsttag.

Das spätsommerliche Wetter hat am Wochenende tausende Ausflügler in die Berge gelockt. Mit einem Online-Ticker wollte die Staatsregierung die Besucherströme lenken. Doch davon war wenig zu spüren.

  • Die Herbstsonne hat am Sonntag wieder tausende Ausflügler in die Berge gelockt.
  • Auf den Straßen in den Alpenregionen kam es mitunter zu langen Staus - trotz Corona*-Krise.
  • Ein Ausflugsticker sollte die Besucher eigentlich besser verteilen. Doch Touristiker hoffen langfristig auf bessere digitale Lösungen.

München/Grainau – Für die Menschen in Grainau* ist es das gewohnte Bild zum Wochenende. Eine langsam bis gar nicht rollende Blechlawine bis zum Eibseeparkplatz. Immer wieder mussten am Sonntagnachmittag Autofahrer abgewiesen werden auf dem Weg zur Zugspitzbahn. Der Rundweg um den Eibsee war so voll, dass manche Wanderer zur Sicherheit lieber die Maske aufsetzten. Und wer den Ausblick genossen hatte, auf den wartete Blockabfertigung am Farchanter Tunnel. Auch der Schleichweg durch Farchant ist längst keiner mehr. Dort sperrte die Feuerwehr innerorts Straßen, damit die Ausflügler nicht quer durchs Dorf kurven.

Auf dem Eibsee-Rundweg setzten die Wanderer teilweise ihre Masken auf, weil der Andrang am Fuße der Zugspitze so groß war.

Nicht nur am Fuße der Zugspitze staute es sich. An der Herzogstandbahn mussten die Besucher am Sonntagmittag bis zu einer Stunde lang Schlange stehen, um eine Fahrkarte zu ergattern. Die vorab zu reservierenden Talfahrten waren schon am Mittag ausverkauft. Das Tölzer Land sei am Sonntag wieder aus allen Nähten geplatzt, sagt der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher. Im Tegernseer Tal staute es sich ebenfalls kilometerlang an den Zufahrtsstraßen.

„Der Ausflugsticker hat uns keinen Zentimeter weitergebracht“

Dabei sollte eigentlich der an Pfingsten gestartete Ausflugsticker Abhilfe schaffen. Dort stellen die Kommunen online aktuelle Hinweise zur Verkehrsbelastung ein. Für die Zugspitzregion wurde dort etwa schon am Freitag vor „sehr hohem Tagesausflügler-Verkehr“ am Sonntag gewarnt. Genauso im Tegernseer Tal, wo Besucher gebeten wurden, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Gebracht haben die Appelle offenbar wenig. „Die Situation hat sich speziell an sonnigen Wochenenden nicht spürbar verbessert“, zieht Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) Bilanz über die vergangenen Monate. „Der großmundig angekündigte Ausflugsticker hat uns bisher jedenfalls keinen Zentimeter weitergebracht“, kritisiert sie. Aus ihrer Sicht wäre schon viel gewonnen, wenn nicht der Großteil der Tagesausflügler mit dem Auto anreisen würde. „Aber dafür wären überregional angelegte Konzepte nötig.“

Künftig könnten Touristen schon an der Autobahnausfahrt gewarnt werden

Der Ausflugsticker geht auf eine Initiative des Tourismusverbands Tegernsee/Schliersee zurück. Dort füllen die Mitarbeiter derzeit noch jedes Wochenende per Hand die Online-Übersicht, wie Vorstand Harald Gmeiner erklärt. Nachdem Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) den Ausflugsticker öffentlich bewarb, waren die Zugriffe auf bis zu 15 000 am Tag nach oben geschnellt, sagt er. „Doch mittlerweile ist das Interesse wieder abgeflaut.“ Und bei bis zu 70 000 Ausflüglern, Einheimische, wie Auswärtige, die sich an einem sonnigen Sonntag allein auf den Straßen im Landkreis Miesbach bewegen, ist der Anteil derer, die sich zuvor über den Ausflugsticker informieren, immer noch sehr gering.

Gmeiner sagt, der Ticker kann nur Teil einer größeren Strategie sein. Er hofft deshalb auf die Ergebnisse der im Wirtschaftsministerium angesiedelten Arbeitsgruppe Besucherlenkung. Dort wird etwa untersucht, wie künftig ein brauchbarer Algorithmus entwickelt werden kann, der mithilfe von Mobilfunk- und Wetterdaten in Echtzeit angibt, wann welcher Parkplatz voll ist. „Ideal wäre es, das den Ausflüglern dann schon an der Autobahnausfahrt über Radio, Navi oder App mitzuteilen, sodass sie noch spontan umplanen können“, sagt Gmeiner.

In den Alpenregionen steigt die Angst vor der Verbreitung des Coronavirus

Doch das bleibt – noch – Zukunftsmusik. Mit den anstehenden Herbstferien wartet bereits das nächste Wanderwochenende. Der Bürgermeister von Gaißach (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), Stefan Fadinger, sieht einen gewissen Widerspruch: Jeder fahre mit dem Auto, um sich im Zug nicht anzustecken. Aber auf so manchem schmalen Steig ist es am Wochenende mittlerweile so eng, dass sich die Leute kaum noch aus dem Weg gehen können. Auch im Landratsamt Miesbach sorgt das für Unmut: Die Mitarbeiter arbeiteten weit über der Belastungsgrenze, um die Infektionsketten überhaupt noch unterbrechen zu können, sagt eine Sprecherin. Und draußen? Da reihen sich die Staus der Ausflügler „bis an den Horizont“.

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zeigte sich ein ähnliches Bild, genauso an Tegernsee und Schliersee.

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