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Corona-Inzidenz bei Bayerns Kindern und Jugendlichen schießt auf über 2000 - ganz Kleine besonders betroffen

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Von: Tanja Kipke, Katharina Haase, Thomas Eldersch

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Die Corona-Zahlen in Bayern steigen weiter sprunghaft an. Für Ministerpräsident Söder kein Grund zur Sorge. Der News-Ticker.

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Update vom 24. Januar, 15.23 Uhr: Die Corona-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen in Bayern steigt rasant. Für die vergangenen sieben Tagen liegt sie in der Altersgruppe sechs bis elf Jahre bei 2187, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Montag mitteilte. Das ist mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zur vor einer Woche ausgewiesenen Inzidenz und der mit Abstand höchste je in Bayern gemeldete Wert.

Den größten relativen Anstieg gab es bei Kindern bis fünf Jahren. Hier sprang die Inzidenz von 376 vor einer Woche auf 1204. Das ist mehr als eine Verdreifachung. Auch die Altersgruppen der Zwölf- bis 15-Jährigen mit 1565 und der 15- bis 19-Jährigen mit 1596 weisen Werte weit über dem Durchschnitt auf. Das Wachstum fällt hier allerdings geringer aus.

Die niedrigsten Inzidenzen gibt es in den Altersgruppen ab 80 sowie 60 bis 79 mit Werten von 193 und 270. Auch hier stiegen die Zahlen aber deutlich an. Über alle Altersgruppen hinweg ermittelte das LGL einen Inzidenzwert von 929. Die leichte Abweichung zum RKI-Wert von 922,2 ergibt sich durch einen etwas späteren Stichzeitpunkt für die Zählung. Zu den hohen Werten bei Kindern und Jugendliche könnte auch beitragen, dass es in Schulen sowie bei Kindergartenkindern eine Verpflichtung zu regelmäßigen Tests gibt. Symptomlose Infektionen werden dadurch leichter entdeckt.

Bayerns Corona-Inzidenz macht 100er Satz zum Samstag

Update vom 24. Januar, 8.33 Uhr: Die Inzidenz in Bayern machte am Wochenende noch einmal einen ordentlichen Sprung nach oben. Während sie am Samstag noch bei 822 lag, stieg sie am heutigen Montag auf 922. Die deutschlandweite Inzidenz liegt laut RKI bei 840,3. Im Freistaat haben sich in den vergangenen 24 Stunden 14.847 Menschen mit Corona infiziert - fünf sind gestorben.

Der Landkreis in Bayern mit der höchsten Inzidenz ist laut RKI Erding mit 1473,1. Er liegt damit auf Platz elf in Deutschland. Als Nächstes kommt der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (1431,2) gefolgt von Ebersberg (1408,1). Die Landeshauptstadt München liegt auf Platz vier mit 1406,9. Trotz steigender Infektionszahlen und Inzidenzen hat Ministerpräsident Markus Söder angekündigt, auf der heute stattfindenden MPK in Berlin für Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen zu kämpfen.

Kabinettssitzung in Bayern - Pressekonferenz
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern © Sven Hoppe/dpa

Wegen einrichtungsbezogener Impfpflicht: Immer mehr Jobanzeigen tauchen auf

Update vom 23. Januar, 15.49 Uhr: Die einrichtungsbezogene Impfpflicht soll ab Mitte März gelten. Bis zum 15. März muss sich dann das Personal in Einrichtungen mit besonders schutzbedürftigen Menschen wie Kliniken, Arztpraxen und Pflegeheimen gegen das Coronavirus impfen lassen. Den ungeimpften Beschäftigen droht dann der Jobverlust. In mehreren Zeitungen häufen sich aktuell die Jobanzeigen von ungeimpften Pflegekräften, die nach einer neuen Arbeit suchen. Auch bayerische Tageszeitungen sind betroffen.

Mehrere Medien und Journalisten berichteten über eine bemerkenswerte Häufung dieser sehr ähnlichen Anzeigen. Der Verdacht liegt daher nahe, dass es sich zumindest teilweise um Falsch-Anzeigen beziehungsweise abgesprochene Aktionen von Gegnern der Corona-Impfung handeln könnte. Ein Journalist der RBB versuchte einige der Annoncen-Aufgeber zu erreichen und so die Echtheit der Anzeigen zu überprüfen. Sein Ergebnis war ernüchternd.

Update vom 23. Januar, 8.39 Uhr: Die Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern liegt am Sonntag bei 836,9. Dies geht aus den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) von 3.26 Uhr hervor. Am Vortag hatte sie bei 822 gelegen. Den bundesweiten Schnitt von 806,8 überschreitet der Freistaat damit deutlich. Binnen 24 Stunden wurden 15.925 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Bayern registriert. Zehn Menschen starben an oder mit dem Virus.

Corona in Bayern: Inzidenz steigt weiter sprunghaft - Söder verspricht dennoch Lockerungen

Die Liste der höchsten Inzidenzen wird angeführt vom Landkreis Erding (1473,1), gefolgt vom Landkreis Ebersberg (1339,4) und dem Stadtgebiet der Landeshauptstadt München (1336). Doch auch die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau und Freising liegen weit über der 1000er-Marke. Insgesamt überschreiten bayernweit 20 Städte und Landkreise die Inzidenz, bei der bis vor wenigen Monaten noch eine Lockdown-Pflicht angesetzt war. Der Chefarzt Clemens Wendtner der Infektiologie am Klinikum Schwabing hält bei hohen Infektionszahlen Einschränkungen weiter für notwendig und plädiert für ein Beibehalten der Regelung zu regionalen Lockdowns ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1000.

Jedoch betonte Ministerpräsident Markus Söder bereits im Vorfeld auf die am Montag (24. Januar) anstehende Ministerpräsidenten-Konferenz, dass man die Omikron-Variante nicht mit den Maßnahmen bekämpfen könne, die für die Delta-Variante entwickelt worden seien. Bayern werde, so Söder, am Montag keine Verschärfung von Maßnahmen mittragen und sogar in einigen Bereichen baldige Lockerungen vornehmen. Die plötzliche Abkehr von der harten Linie des „Teams Vorsicht“, zu dem Söder sich seit Anfang der Pandemie zählte, hatte bereits in den vergangenen Tagen für Aufsehen gesorgt.

Erstmeldung vom 22. Januar

München - Seit Wochen streiten Experten und Politiker, wie man mit der Omikron-Welle umgehen sollte. In England hat man sich jetzt für die Variante „Alles öffnen“ entschieden. In Deutschland zögert man noch. Obwohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag auf einer Pressekonferenz nach einer CSU-Vorstandssitzung noch von kleinen Lockerungen gesprochen hat. So sollen bald wieder mehr Menschen Kulturveranstaltungen besuchen dürfen. Auch Fans sollen wieder in die Stadien gelassen werden. Man müsse auf die Corona-Variante mit „Augenmaß“ reagieren, so der Landeschef. Ein gefährlicher Weg, findet der Münchner Virologe Oliver Keppler.

Corona in Bayern: Omikron führt seltener zu schweren Verläufen, ist aber wesentlich ansteckender

Da die Inzidenz bei vielen Entscheidern und Wissenschaftlern ausgedient hat, setzt man jetzt voll auf die Nicht-Überlastung des Gesundheitssystems. Gut, dass die sich immer weiter durchsetzende Omikron-Variante seltener schwere Verläufe nach sich zieht. Die Krankenhäuser können nach Delta erst einmal ein wenig entspannen. Der Virologe Keppler, von der Ludwig-Maximilian-Universität München*, sieht allerdings schon eine neue Welle anrollen. „Eine Verharmlosung von Omikron wäre daher fatal, die häufig zu lesende Einordnung als ‚mild‘ halte ich für brandgefährlich“, sagte er der dpa. Deutschland stünde aufgrund des hohen Altersdurchschnitts und der vielen Ungeimpften schlechter da, als andere Länder.

Der Münchner Virologe Oliver Keppler warnt davor, Omikron als „mild“ abzustempeln.
Der Münchner Virologe Oliver Keppler warnt davor, Omikron als „mild“ abzustempeln. © MvP-Institut/dpa

In Amerika würde man sehen, was Omikron anrichte, so Keppler, der auch Vorstand des Max-von-Pettenkofer-Instituts ist. „In den USA sehen wir ein monströses Infektionsgeschehen mit bis zu einer Million neuer Infektionsfälle am Tag. Dort sind mehr Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern als jemals zuvor in der Pandemie, und auch die Todesfallzahlen nehmen in den letzten Wochen wieder deutlich zu. Das ist nun alles andere als ‚mild‘.“ Vorläufige Untersuchungen aus Großbritannien und den USA deuteten darauf hin, dass Omikron-Infektionen in der Breite etwa zwei bis dreimal seltener zur Einweisung ins Krankenhaus führten als Delta-Infektionen. „Aber diese neue Variante erzeugt ja eine viel höhere Infektionsdynamik mit Neuinfektionszahlen, die zehn- bis zwanzigfach höher liegen als in der Delta-Welle zu einem vergleichbaren Zeitpunkt.“ Weiter gibt Keppler zu bedenken, dass die Langzeitfolgen von Omikron noch nicht ausreichend untersucht worden sind. Es könnten beispielsweise mehr Fälle von Long-Covid auftreten.

Corona in Bayern: Hat Deutschland bald 400.000 Neuinfektionen am Tag?

Noch habe Deutschland Zeit, auf die Situation zu reagieren, so der Virologe. In den USA* und Großbritannien sei die Omikron-Welle vier bis fünf Wochen voraus. „Auch in Deutschland werden wir bald 200.000 bis 400.000 Neuinfektionen am Tag sehen. Das wird ohne Zweifel unsere Normalstationen in den Kliniken stark belasten und den Regelbetrieb einschränken.“ Keppler weiter: „Wir haben etwa 17 Millionen Ungeimpfte, die meisten davon sind wahrscheinlich auch ungenesen. Davon sind etwa 2,5 Millionen über 60, haben also ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe, die eine Behandlung auf der Intensivstation zur Folge haben können. Das unterscheidet uns von anderen Ländern.“ 

Der Münchner Virologe warnt auch vor Menschen, die die Pandemie* schon für beendet erklären. „Basierend auf den Erkenntnissen der letzten zwei Jahre müssen wir aber davon ausgehen, dass Menschen, die sich jetzt mit Omikron infizieren und eine Impfung ablehnen, im Herbst bereits fast keinen Immunschutz gegen eine neue SARS-CoV-2-Variante mehr haben werden.“

Froh ist der Experte allerdings über die Kooperationsbereitschaft der Bürger. „Da ist Deutschland zum Glück eher auf der vorsichtigen Seite, mit Regeln, die ständig an die Infektionsdynamik und die Belastung des Gesundheitssystems angepasst werden. Auch die Disziplin in der Bevölkerung hinsichtlich des Tragens von Masken ist bei uns im Verhältnis zu anderen Ländern sehr gut.“

Corona in Bayern: Inzidenz steigt über 800

Die aktuellen Infektionszahlen geben dem Virologen recht. Bayern ist am Samstag bei der Inzidenz über die 800er-Marke gerutscht und liegt jetzt bei 822 (Angaben vom 22. Januar, RKI). Demnach gab es in den vergangenen 24 Stunden im Freistaat 20.500 Neuinfektionen und 32 Tote. Die Landkreise mit den höchsten Inzidenzen liegen alle in Oberbayern. Auf Platz eins liegt Dachau (1393), gefolgt von Erding (1341) und Bad Tölz-Wolfratshausen (1290). München liegt nicht mehr weit dahinter mit 1237,7. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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