Branche in der Corona-Krise

Friseur versinkt im Lockdown in Anfragen - und bekommt sogar unmoralische Angebote

Die Friseure dürfen noch nicht öffnen, der Lockdown wird fortgesetzt. Ein Handwerker aus der Nähe von München erklärt, was die Corona-Politik für ihn bedeutet.

Ismaning - Tom Schweiger, 36, ist seit 2009 Inhaber eines Friseursalons in Ismaning, einem Vorort nordöstlich von München. Der Handwerker sieht sich für den zu erwartenden Ansturm nach Beendigung des Corona-Lockdowns* gewappnet. 

Wie haben Sie auf den Beschluss reagiert, dass Sie erst am 1. März öffnen dürfen?
Erst einmal schockiert. Bei uns im Landkreis München kommen auf 340.000 Einwohner aktuell nur 243 Infizierte. Am liebsten würden wir sofort öffnen. Ich möchte aber sowieso noch abwarten, ob es jetzt wirklich so kommt. Oder ob sie in der letzten Februarwoche den Lockdown für Friseure nicht doch noch mal bis 14. März verlängern. Die Politik ist bei ihren Aussagen ja immer sehr sprunghaft.

Der Corona-Lockdown wurde am 10. Februar verlängert: Hier der Überblick über die aktuell gültigen Regeln.

Corona-Lockdown in Bayern: Friseur spricht von unmoralischem Angebot

Wie viele Anfragen erhalten Sie aktuell, trotz Verbot zu schneiden?
Unfassbar viele. Ein Kunde hat mir kürzlich für einen Herrenhaarschnitt 100 Euro angeboten, aber ich bin hart geblieben. Wenn wir sicher wieder aufmachen dürfen, gebe ich das auf unserer Internetseite und in den sozialen Medien bekannt. Dann mache ich in der Woche vor der Öffnung Telefondienst, um Termine zu vergeben.
Und wer kommt dann zuerst dran?
Wer zuerst anruft, mahlt zuerst. Wenn aber langjährige Stammkunden sich melden und wir voll sind, dann kommen meine Angestellten und ich auch mal früher oder bleiben länger, um sie zu bedienen. Uns gibt es schon lange, und das haben wir auch ihnen zu verdanken. Das ist unser kleines Dankeschön.
Friseure in Deutschland dürfen ab 1. März wieder ihre Geschäfte öffnen.

Friseurbesuch nach Corona-Lockdown: Großer Ansturm oder laues Lüftchen?

Haben Sie Angst vor dem Andrang, der jetzt auf sie zukommt?
Sorgen macht man sich immer. Auch nach dem ersten Lockdown gab es viele Kunden, die einfach vorbeigeschaut haben, aber wir hatten das jederzeit unter Kontrolle. Wahrscheinlich haben sich inzwischen viele Frauen die Haare selbst gefärbt, Männer waren beim Privatschneiden. Die sechs Wochen im ersten Lockdown konnte man frisurentechnisch überbrücken. Die zehn Wochen, die es jetzt sind, warten die wenigsten.
Ändert sich etwas am Hygienekonzept?
Wir haben von der Berufsgenossenschaft die neuen Auflagen bekommen. Dort heißt es, dass nur eine Person pro zehn Quadratmeter im Laden sein darf. Für einen 90-Quadratmeter-Salon wie meinen bedeutet das Schichtarbeit, damit nicht zu viele Angestellte vor Ort sind und es so keinen Platz mehr für Kunden gibt.
Ist die Nachfrage nach Friseurbesuchen derzeit sogar noch größer als die nach Impfdosen?
Aktuell wohl schon. Impfstoff gibt es aber natürlich auch nicht genug.

Der Corona-Impfstoff in Deutschland ist knapp. Das Impfen geht langsam voran. Nun bremst das Wetter-Chaos - und der Ethikrat warnt. Alles News im Ticker. *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Rubriklistenbild: © Armin Weigel/dpa

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