Zusammengepfercht im Laderaum

Illegale Einwanderung durch Garmisch: Schleuserjagd auf neuer Route

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Seit dem Sommer entdeckt die Polizei im Raum Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen immer mehr Schleusungen.

Die Schleuser haben sich eine neue Route nach Bayern gesucht. Immer mehr Migranten werden bei Mittenwald über die Grenze transportiert – meist unter lebensgefährlichen Bedingungen.

Rosenheim/Mittenwald – Es ist nicht das erste Mal, dass die Schleuser die Route geändert haben, über die sie Migranten nach Bayern transportieren. „Aber so deutlich wie gerade haben wir das noch nie gespürt“, sagt Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizei Rosenheim. In der ersten Jahreshälfte gab es im Raum Mittenwald nur vereinzelt Aufgriffe. Seit August steigt die Zahl jedoch rapide. 150 Migranten haben die Beamten der Rosenheimer Inspektion insgesamt von August bis Oktober zwischen Chiemsee und Zugspitze aufgegriffen – allein 80 bei Mittenwald. Die Bundespolizei hat darauf längst reagiert und setzt mehr Beamte an den mobilen Kontrollstellen entlang der B2 ein.

Weil auf der A 93 bei Kiefersfelden die Bundespolizei kontrolliert, weichen die Schleuser auf die Region rund um Mittenwald aus.

Eine feste Kontrollstelle wie in Kiefersfelden, am Walserberg oder bei Passau gibt es bei Mittenwald nicht. Kontrolliert wurde auch dort schon immer. In unregelmäßigen Abständen und auch auf den Nebenstrecken, wie Scharf betont. Genau diese stichpunkthaften Kontrollen seien seit August „deutlich intensiviert“ worden, sagt er. Die Rosenheimer Bundespolizisten, in deren Dienstbereich auch Mittenwald noch gehört, arbeiten dafür eng mit der Bundespolizei aus Kempten zusammen. Der Ermittlungsdienst läuft aber nach wie vor über die Rosenheimer Dienststelle. Alle aufgegriffenen Schleuser werden dorthin gebracht. Das werde sich auch nicht ändern, wenn Garmisch-Partenkirchen kommendes Jahr ein eigenes Revier bekommt, kündigt Scharf an. „Aber das wird vieles einfacher machen.“

Neue Route über Garmisch-Partenkirchen: Lebensgefährliche Bedingungen

Denn auch im Rosenheimer Bereich gibt es nach wie vor Aufgriffe. „Wir kontrollieren die A 93 noch immer 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche“, sagt Scharf. An den anderen festen Kontrollstationen wird genauso gearbeitet. Insgesamt hat die Bundespolizei von Januar bis September gut 7800 Migranten an der 820 Kilometer langen deutsch-österreichischen Grenze aufgegriffen. Ein Drittel davon in Zügen, ein Drittel in Reisebussen und ein Viertel in Autos oder Lastwagen. Etwa 50 bis 60 Prozent von ihnen wurden zurückgeschickt. 400 Schleuser wurden in den ersten neun Monaten des Jahres verhaftet. „Das bekommen natürlich auch die Schleuser-Organisationen mit“, erklärt Scharf. „Wenn sie merken, dass ihre Männer auf einer bestimmten Strecke nicht zurückkehren, weichen sie auf andere Routen aus.“ Deshalb setzt die Bundespolizei viele Kräfte flexibel ein – nicht nur an den drei Hauptkontrollstellen. Die Migranten, die sie zusammengepfercht auf Rücksitzen oder im Laderaum von Transportern entdecken, sind oft in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Und haben für den lebensgefährlichen Transport mehrere tausend Euro an die Schleuser gezahlt.

Seit Anfang Juli wird die Bundespolizei bei der Kontrolle der Grenze von der neu eingerichteten Grenzpolizei unterstützt. Seit diesen viereinhalb Monaten haben die Beamten der Bundespolizei neun Migranten übergeben, berichtet Scharf. Die niedrige Zahl erklärt das Innenministerium damit, dass die Kontrolle im unmittelbaren Grenzgebiet nur einen kleinen Teil der Aufgaben der Bayerischen Grenzpolizei ausmache. Im Landesinneren habe die Grenzpolizei im Zuge der Schleierfahndung in den ersten drei Monaten rund 200 illegal eingereiste Personen aufgegriffen, sagt ein Ministeriumssprecher. Die Zahl der Fahndungstreffer, der Verkehrsdelikte und aufgedeckten Rauschgiftstraftaten und Urkundenfälschungen liege deutlich darüber.

Katrin Woitsch

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