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Impfpflicht und Kontaktverfolgung: Bayerns Gesundheitsämter gehen in Arbeit unter

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Von: Thomas Eldersch

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Viele Gesundheitsämter arbeiten am Limit und kommen kaum mit der Kontaktaufnahme nach.
Viele Gesundheitsämter arbeiten am Limit und kommen kaum mit der Kontaktaufnahme nach. © Daniel Bockwoldt/dpa/Symbolbild

Nicht nur in den Krankenhäusern, sondern auch in den Gesundheitsämtern ächzt man unter Belastung der Corona-Pandemie. Viele Ämter gehen jedoch unterschiedlich damit um.

München/Regensburg/Landshut - Seit Beginn der Corona-Pandemie* vor knapp über zwei Jahren herrscht Ausnahmezustand in den Gesundheitsämtern in Bayern. Sie müssen Corona-Infizierte sowie ihre Kontaktpersonen betreuen und Infektionsketten nachverfolgen. Jetzt kommt bald (Mitte März) auch die Durchsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht auf sie zu. Die Arbeit reißt nicht ab.

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Corona in Bayern: Omikron bringt die Gesundheitsämter an ihr Limit

Schon früh in der Pandemie und vor allem während der großen Corona-Wellen gab es jede Menge zu tun, für die Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern im gesamten Freistaat. Schnell wurden Mitarbeiter aus anderen Abteilungen abgezogen, um zu unterstützen. Später kamen noch Angehörige der Bundeswehr dazu. In den Hochphasen der Corona-Wellen reichte aber selbst das nicht mehr. Häufig wurden Infektionszahlen zu spät ans Robert Koch-Institut* gemeldet oder Infektionsketten konnten nicht mehr nachvollzogen werden.

Jetzt kommt mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht eine neue Aufgabe auf die Ämter zu. Diese stecken aber gerade noch mitten in der Bewältigung der Omikron-Welle. Und wie genau sie die Impfpflicht umsetzen beziehungsweise kontrollieren sollen, ist ebenfalls noch nicht klar. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) betonte am heutigen Donnerstag (10. Februar) noch einmal, dass Bayern hinter dem Gesetz steht. Am Vollzug werde es aber hapern. „So wird dieses Gesetz nicht funktionieren, so wird es im Chaos enden.“

Gesundheitsämter in Bayern: Umstieg von Telefon auf E-Mail

Noch bevor das Problem mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht angegangen werden kann, kämpfen die Mitarbeiter der Gesundheitsämter mit Infektionszahlen in nie dagewesenen Höhen. Das bringt erneut viele von ihnen ans Limit. Der BR sprach stichprobenartig mit Ämtern in Niederbayern und der Oberpfalz*. Es zeigte sich, dass der Umgang mit der Kontaktnachverfolgung, der Ausstellung der Quarantänebescheinigungen und generell das Kontaktmanagement von Landkreis zu Landkreis recht unterschiedlich gehandhabt wird.

Klassisch ist die Kontaktaufnahme per Telefon. So verfährt man auch noch im Landkreis Straubing-Bogen. Hier werden aber nur noch vulnerable Gruppen, bei denen mehr als 50 Prozent der Personen infiziert sind - beispielsweise Schulklassen - angerufen. Das würde Kapazitäten freisetzen, so ein Sprecher des Landratsamts gegenüber dem BR. Zehn Mitarbeiter würden so für Nachfragen zur Verfügung stehen. Wartezeiten seien dennoch nicht ausgeschlossen.

In Landshut setzt man aufgrund der hohen Infektionszahlen bei der Quarantäne-Mitteilung inzwischen auf E-Mail-Kontakt. Auch in Amberg-Sulzbach oder Tirschenreuth ist man vom Telefon weggekommen. Hier werden Fragen nur noch per Mail beantwortet. In Cham musste man das Personal aufstocken, um der Flut an SMS und E-Mails Herr zu werden. In Regen will man wohl bald vom Telefon auf E-Mail umstellen, denn seit Dienstag sei es nicht mehr möglich, alle betroffenen Personen noch am selben Tag telefonisch zu kontaktieren, so ein Landratsamtssprecher zum BR.

In Regensburg werden Infizierte noch per Brief informiert

Licht und Schatten liegen in Niederbayern und der Oberpfalz nah beieinander. In Rottal-Inn und Freyung-Grafenau setzt man auf E-Mails oder SMS, die direkt von der jeweiligen Teststelle, an der die Person, die positiv getestet wurde, versendet werden. Dort geben die Infizierten dann Informationen zu ihrer Person und ihrer Gesundheit an. Diese Daten werden automatisch erfasst und erst anschließend geschieht die Kontaktaufnahme.

In der oberpfälzischen Metropole Regensburg* ist man hingegen noch analog unterwegs. Hier werden betroffene per Brief informiert. Das könne bis zu einer Woche dauern, so ein Sprecher der Stadt gegenüber dem BR. Grund sei die hohe Arbeitsbelastung der Labore bei der Auswertung der PCR-Tests. In Deggendorf gelingt es derzeit noch, die betroffenen Personen am selben Tag zu kontaktieren. Sollten diese aber nicht erreicht werden, kann auch schon mal die Polizei vor der Tür stehen und die Quarantäne persönlich verhängen.

Aber egal, ob die Kontaktaufnahme per Brief, Mail, SMS, Telefon oder Polizei geschieht, das Verhalten bei einem positiven Test ist immer gleich. Man muss sich sofort in Isolation begeben und auf weitere Anweisungen des Gesundheitsamts warten. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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