Bürger gedenken des Fünfjährigen

Nach Bluttat in Asylunterkunft: Andacht für getötetes Kind

Für den Fünfjährigen, der in einer Flüchtlingsunterkunft in Arnschwang erstochen wurde, gibt es am Freitag eine Andacht. Der Bub wurde getötet, weil er zu laut war.

Arnschwang – Der tödliche Angriff eines Asylbewerbers auf ein Kind in einer Flüchtlingsunterkunft hat im oberpfälzischen Arnschwang (Landkreis Cham) große Betroffenheit ausgelöst. In der katholischen Kirche St. Martin ist an diesem Freitag ein Gedenkgottesdienst geplant. „Die Leute sind sehr traurig“, sagte Pfarrer Joseph Kata am Mittwoch.

Am Samstag war der Fünfjährige von einem 41-jährigen Mitbewohner erstochen worden. Zudem verletzte der Mann die Mutter des Kindes schwer, der sechsjährige Bruder erlitt einen Schock. Nach Angaben der Mutter soll sich der Mann durch die Kinder in seiner Ruhe gestört gefühlt haben.

Familie des getöteten Jungen war in Arnschwang integriert

Pfarrer Kata besuchte den Kindergarten der Gemeinde im Kreis Cham und sprach mit den Mädchen und Buben über die Tat. Mutter und Bruder des Fünfjährigen befänden sich weiterhin im Krankenhaus, sagte Kata. Jedoch sei der sechsjährige Bub von einer Kindergärtnerin am Mittwoch für ein paar Stunden abgeholt worden, um sich beim Spielen abzulenken.

Nach Angaben des Bürgermeisters Michael Multerer lebt die Familie seit drei Jahren in Arnschwang und ist gut integriert. Sie stamme aus Russland und sei muslimisch, sagte Kata. Mit dem mutmaßlichen Täter habe er mehrmals zu tun gehabt. An Weihnachten habe er ihn zuletzt in der Kirche gesehen. Ansonsten sei der 41-Jährige immer wieder gekommen, um nach Geld zu betteln. Das habe zu Streit geführt, der Mann sei aggressiv aufgetreten. „Aber dass er so etwas tut, habe ich nicht gedacht“, sagte der Pfarrer.

Flüchtlingsunterkunft in Arnschwang ist noch geschlossen

Die Flüchtlingsunterkunft war am Mittwoch wegen der Ermittlungen weiterhin gesperrt. Die Bewohner wurden auf Unterkünfte im Landkreis verteilt. Wann sie zurück dürfen – und ob sie das überhaupt wollen – sei unklar, sagte Multerer. „Sie durften auch ihre Sachen noch nicht holen.“ Der Bürgermeister hofft, das die Einrichtung am Wochenende freigegeben wird.

Der mutmaßliche Täter war ein Konvertit und hatte sich nach eigenen Angaben im Falle einer Abschiebung nach Afghanistan bedroht gesehen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte am Dienstag eine genaue Prüfung von zum Christentum konvertierten Asylbewerbern. Der Glaubenswechsel dürfe nicht dazu missbraucht werden, einer bevorstehenden Abschiebung zu entgehen.

Flüchtlinge, die konvertieren wollen, werden oft drangsaliert 

Nach Angaben von Gabriela Grunden, in der Erzdiözese München und Freising für den Bereich Glaubensorientierung zuständig, ist ein schneller Übertritt zum Christentum nicht möglich. Gerade bei fremdsprachigen Interessenten dauere der Prozess mindestens zwei Jahre. „Das schreckt viele ab.“ Zudem müssten muslimische Flüchtlinge, die konvertieren wollen, in ihren Unterkünften mit starken Repressionen rechnen. „Physisch und psychisch.“

Auf dem Weg zur Taufe würden die Interessenten intensiv geschult, sagte Grunden. Die Mitarbeiter in den Gemeinden spürten, ob ein Interessent dahinter stehe oder sein erlerntes Wissen nur abspule. Auf dem Programm stehen unter anderem eine Einführung in das Christentum, die Grundlagen der Bibel, das Alte und das Neue Testament, ethische Lebensführung, der Ablauf des Kirchenjahres und der Liturgie.

Messerstecher von Arnschwang bei Polizeieinsatz getötet

Während des Polizeieinsatzes hatte ein Beamter acht Schüsse auf den Täter abgegeben, er wurde tödlich getroffen. Als verurteilter Straftäter und trug der Mann eine elektronische Fußfessel. Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz hätte er abgeschoben werden sollen. Doch er hatte sich rechtlich dagegen gewehrt, so dass 2014 ein Abschiebeverbot ausgesprochen worden war.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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