Führerschein, Kennzeichen, Kosten

Neue Regeln für Piloten: Das müssen Drohnen-Besitzer nun beachten 

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Diese Spezialdrohne von Michael Radeck kann schwere Filmkameras heben und wird häufig von Filmteams angemietet. 

Seit Sonntag gilt für viele Drohnenpiloten eine Führerscheinpflicht. Und selbst Profis müssen für die Prüfung büffeln. Auch für Hobbyflieger gibt es eine Neuerung: Ihr Fluggerät braucht jetzt ein Kennzeichen.

München – Allzu lange ist es nicht mehr bis Weihnachten. Und auch in diesem Jahr wird bei vielen Technikbegeisterten wieder ein ganz besonderes Fluggerät unter dem Christbaum liegen: die Drohne. Bis zum Jahresende rechnet die Deutsche Flugsicherung mit knapp einer Million unbemannten Fluggeräten in deutschen Privathaushalten und Unternehmen. Und weil es mit den kleinen Wunderfliegern immer häufiger zu Zwischenfällen gekommen ist, hat das Verkehrsministerium in diesem Jahr eine neue Verordnung erlassen – zwei wichtige Punkte daraus gelten seit dem 1. Oktober.

Eine Neuerung betrifft den Großteil der Drohnenpiloten – nämlich alle, die ein Gerät mit einem Gewicht ab 250 Gramm steuern wollen. Für sie gilt ab sofort die Kennzeichnungspflicht. Das heißt, die Fluggeräte müssen mit einer Art Nummernschild ausgestattet sein. Dabei muss es sich um eine dauerhaft angebrachte, feuerfeste und sichtbare Plakette handeln, auf der Name und Adresse des Halters verzeichnet sind. „Solche Plaketten gibt es im Internet oder beim Schlüsselmacher schon ab fünf Euro“, sagt Peter Nieland, Drohnenexperte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Wie schwer ist der Führerschein? „Man muss schon pauken“

Die zweite Neuerung betrifft alle Piloten, die Fluggeräte mit mehr als zwei Kilogramm Gewicht steuern wollen. Das sind in der Regel gewerbliche Anbieter, aber auch Privatleute, die komplexere Drohnen und Multicopter nutzen. Sie müssen seit Sonntag einen sogenannten Kenntnisnachweis – umgangssprachlich Drohnen-Führerschein – erbringen. Auf der Webseite des Luftfahrtbundesamtes (www.lba.de) sind alle Anbieter aufgelistet, die diesen Nachweis ausstellen dürfen. Einer von ihnen ist Michael Radeck aus Kranzberg im Landkreis Freising. Der 52-Jährige schult seit Jahren Drohnen- und Multicopter-Piloten und bietet jetzt auch die Prüfung zum Drohnen-Führerschein an. Am Samstag ist der erste offizielle Prüfungstag. „Wir haben einen Katalog aus 255 Fragen erstellt und beim Luftfahrtbundesamt eingereicht“, erklärt er. Aus diesem Katalog muss der Prüfling 51 Fragen bearbeiten. Die Fragen sind in die drei Unterkategorien „Luftrecht“, „Meteorologie“ und „Flugbetrieb und Navigation“ eingeteilt. In jeder Unterkategorie müssen mindestens Dreiviertel der Fragen richtig beantwortet werden, um zu bestehen. Dann gilt der Schein für fünf Jahre.

Ohne Vorbereitung ist es auch für Drohnenprofis schwierig, den Test zu bestehen. „Man muss schon pauken“, sagt Radeck. Nur die Prüfung kostet bei ihm 149 Euro, wer sich gezielt darauf vorbereiten will, kann unterschiedliche Kurse hinzubuchen. Voraussetzung: Man muss mindestens 16 Jahre alt sein und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Drohnenführerschein soll auch online angeboten werden 

Das Gesetz sieht die Möglichkeit vor, dass der Drohnenführerschein künftig auch mit einem Online-Test erlangt werden kann. Bislang gibt es allerdings noch keinen Anbieter dafür. Die dazu eingereichten Anträge seien nicht genehmigungsfähig gewesen, heißt es beim Luftfahrtbundesamt auf Nachfrage.

Die Einführung des Führerscheins hält Radeck für richtig. „Der Markt mit den Drohnen wird explodieren“, sagt er. Umso wichtiger sei es, dass die Nutzer auch wissen, wie ihr Gerät funktioniert und wo sie überhaupt fliegen dürfen. Als Überblickskarte empfiehlt Radeck auch die Internetseite map2fly.flynex.de.

Allerdings wird der Drohnenführerschein den Großteil der privaten Piloten nicht betreffen – weil unter ihnen viele mit leichteren Geräten unterwegs sind, für die kein Kenntnisnachweis erforderlich ist. Peter Nieland vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd hofft, dass sich diese Piloten selbst informieren, sodass keine weitere Verschärfung notwendig wird. So muss etwa jeder Pilot beachten, dass Drohnen nur in Sichtweite und bis maximal 100 Meter Höhe gesteuert werden dürfen. Zudem ist die Verwendung an Einsatzorten der Polizei, über Krankenhäusern oder Menschenansammlungen verboten. Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeiten und werden mit Bußgeldern von bis zu 50 000 Euro bestraft.

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