Umstrittenes Thema

Pilotprojekt: Mehr Elektroschocker für bayerische Polizisten

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Mehr Elektroschockpistolen für Polizei in Bayern

Elektroschockpistolen werden seit über zehn Jahren bei den SEKs eingesetzt. Mitte 2018 startet ein Pilotprojekt, bei dem weitere Polizisten in Bayern damit ausgestattet werden. 

Nürnberg - Weitere Polizisten in Bayern sollen im nächsten Jahr mit Elektroschockpistolen ausgerüstet werden. In einem einjährigen Pilotversuch sollen die 13 Unterstützungskommandos bei der Bereitschaftspolizei und bei den Polizeipräsidien in München und Mittelfranken die sogenannten Taser bekommen, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in Nürnberg sagte. Am selben Tag überwältigte die Polizei einen Geiselnehmer in Pfaffenhofen an der Ilm mit Hilfe eines Tasers.

„Die heutige Geiselnahme hat erneut unter Beweis gestellt, dass der Einsatz von „Tasern“ in bestimmten Situationen eine sehr sinnvolle Ergänzung zu den schon jetzt vorhandenen Einsatzmitteln der bayerischen Polizei ist“, sagte Herrmann. Ein 28 Jahre alter Mann hatte zuvor eine Sachbearbeiterin des Jugendamts als Geisel genommen.

Der Pilotversuch mit den „Distanz-Elektroimpulsgeräten“ soll Mitte 2018 starten. Herrmann rechnet mit Kosten von etwa 90 000 Euro - ein Taser kostet etwa 1400 Euro. Seit 2006 werden Taser bereits bei den Spezialeinsatzkommandos eingesetzt.

Gute Alternative zu Pfefferspray und Co.

In bestimmten Situationen seien Taser eine gute Alternative zu Pfefferspray, Einsatzstock und Schusswaffe, sagte Herrmann. Mit einem Baseballschläger bewaffnete Randalierer oder Menschen, die Rauschmittel genommen haben und eine Gefahr für sich oder andere seien, könnten so für fünf Sekunden außer Gefecht gesetzt werden. Der Einsatz der Taser sei jedoch nur in Vier-Mann-Teams und mit spezieller Schulung sowie regelmäßigem Training möglich - die anderen Polizisten im Team müssen den Täter überwältigen, solange er sich nicht bewegen kann. Normale Wach- und Streifenbeamte sollen auch künftig nicht mit Elektroschockern arbeiten.

Taser kann Schusswaffe nicht ersetzen

In lebensbedrohlichen Notwehr-Situationen können Taser nicht eingesetzt werden, weil sie nicht immer funktionieren - etwa wenn die Elektroden die Kleidung des Angreifers nicht durchdringen. Nach Angaben des leitenden Polizeidirektors Manfred Jahn ist der Taser-Einsatz in rund 80 Prozent der Fälle erfolgreich. Wenn ein Angreifer eine Schuss- oder Stichwaffe gegen Beamte richte, müssten diese auch „künftig grundsätzlich zur Schusswaffe greifen, um schnellstmöglich ihr eigenes Leben oder das von bedrohten Personen zu schützen“, sagte Herrmann. In allen bislang rund 40 Fällen habe sich der Taser bewährt. Bisher sei es zu keinen schweren Verletzungen gekommen - weder bei den Beamten noch bei den Betroffenen.

Umstrittenes Thema

Mit den Elektroschockern kann ein Mensch für kurze Zeit handlungsunfähig gemacht werden - und das aus einer Distanz von mehreren Metern. Aus der Waffe werden dafür zwei kleine Pfeile an Drähten abgeschossen. Sie erzeugen einen Stromkreislauf und die Muskeln werden dadurch kurzzeitig blockiert. Der Taser-Einsatz ist umstritten. Bayerns Grüne kritisieren, dass die gesundheitlichen Risiken noch unzureichend untersucht seien. Die Polizeigewerkschaften unterstützen den Pilotversuch.

dpa

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