Augsburg

Soll die marode Olympia-Kanuanlage abgerissen werden?

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Olympia-Kanuanlage in Augsburg. Vor 46 Jahren wurde die Anlage gebaut.

1972 fand dort der erste olympische Kanuslalom statt. Nun steht eine millionenschwere Sanierung an. Nun hat die CSU einen ganz anderen Vorschlag.

Augsburg - Bei den Spielen von 1972 konnten sich neben München noch zwei andere deutsche Städte in olympischem Glanz sonnen. Die Segelwettbewerbe fanden im hohen Norden in Kiel statt, für Kanuten wurde in Augsburg eine damals einmalige Wettkampfstrecke gebaut. Doch an der Augsburger Olympiaanlage nagt der Zahn der Zeit, sie muss für einen zweistelligen Millionenbetrag saniert werden. Denn die Stadt möchte gerne mit den Sportvereinen im Jahr 2022 - genau ein halbes Jahrhundert nach Olympia - die Weltmeisterschaft im Kanuslalom nach Schwaben holen.

Generalsanierung der Kanustrecke vom Tisch?

Mitten in die Planungen für eine Modernisierung der 46 Jahre alten Kanustrecke platzt die CSU mit einem neuen Vorschlag. Nach Ansicht der Christsozialen sollte nicht nur über eine Generalsanierung der alten Olympiaarchitektur nachgedacht werden, sondern auch über einen kompletten Abriss und Neubau. Dabei hatte der Denkmalschutz erst im April 2017 die Kanustrecke auf die bayerische Denkmalliste gesetzt. Absehbar ist daher, dass die Denkmalschützer gegen einen Abriss der Anlage Sturm laufen würden. „Die Substanz eines Denkmals ist nicht ersetzbar“, betont Dorothee Ott, die Sprecherin des Landesamtes für Denkmalpflege in München.

Bei den Spielen 1972 fanden erstmals Kanuslalom-Wettbewerbe statt. Für rund 15 Millionen Mark wurde deswegen damals der sogenannte Eiskanal in Augsburg ausgebaut, es entstand das erste Kanuslalom-Stadion der Welt. Im Dezember 1971 wurde die Anlage fertiggestellt, an den beiden Wettkampftagen Ende August 1972 feuerten 50.000 Zuschauer die Athleten auf der künstlichen Wildwasserstrecke an. Seitdem fanden etliche internationale Wettbewerbe in Augsburg statt, mehrere Olympiasieger haben die historische Anlage als Heimstrecke genutzt.

Wie sieht es um das Olympiagebäude aus

Doch die Olympiastrecke samt der dazugehörenden Gebäude ist inzwischen marode. Wie der große Olympiapark im 60 Kilometer entfernten München muss auch der kleine Olympiapark in Augsburg saniert werden. Während in der Landeshauptstadt für die seit einem Jahrzehnt bereits laufende Modernisierung mehrere hundert Millionen Euro veranschlagt sind, wird in Augsburg derzeit mit rund 18,5 Millionen Euro kalkuliert.

Ein Architektenbüro hat jüngst den Zustand der Sportstätte untersucht und ist teils auf einen „desolaten Zustand“ gestoßen. Doch nachdem die Untersuchung dem Augsburger Stadtrat vorgestellt wurde, bemängelte die CSU-Fraktion das Papier. Für eine fundierte Entscheidung müssten Alternativen geprüft werden, meint die größte Stadtratsfraktion. „Es wäre beispielsweise möglich, dass der Abriss und Neubau der Gebäude oder sogar ein Neubau auf einem Alternativstandort bezüglich der Kosten, Bauzeiten oder anderen Argumenten vorteilhafter wäre.“

Denkmalschutz oder Neubau?

Augsburgs Sportreferent Dirk Wurm (SPD) macht klar, dass solch ein Vorgehen bislang von seiner Behörde nicht in Erwägung gezogen worden sei. Wegen des Denkmalschutzes sei die Sportverwaltung davon ausgegangen, dass die Gebäude zu erhalten seien. Ob ein Neubau günstiger ist oder nicht, sei insofern „eine sehr hypothetische Frage“. Wurm ist sich sicher: „Der Denkmalschutz würde sicherlich sein Veto einlegen.“ Theoretisch könnte der Stadtrat allerdings auch gegen den Willen der Denkmalschützer einen Abriss beschließen.

Die Denkmalschutzämter betonen gerne, dass der Schutzstatus für ein Gebäude oder ein Gebiet keine „Käseglocke“ sei. „Denkmalschutz bedeutet weder, dass ein Bauwerk nicht mehr nutzbar ist, noch dass es nicht verändert werden darf“, erläutert Landesamt-Sprecherin Ott. Wichtig sei der Erhalt der „denkmalgeschützten Substanz“ - und diese könne zwar „ergänzt, verändert, modernisiert“, aber niemals durch einen Neubau ersetzt werden.

Ausbesserungsarbeiten an der Olympia-Kanuanlage in Augsburg im November.

Derzeit verhandelt die Stadt mit dem Freistaat und dem Bund über eine Beteiligung an den Sanierungskosten. Bis Mitte Februar soll es ein Ergebnis geben, sagt Wurm. Die bisher im Raum stehende Millionensumme hält er für gerechtfertigt. „Wir brauchen diese Infrastruktur, um weiterhin Bundesleistungszentrum zu sein und gleichzeitig Großveranstaltungen durchführen zu können.“

Verwunderlich ist die Initiative der CSU, die zusammen mit SPD und Grünen die Stadtregierung stellt, auch vor dem Hintergrund eines der wichtigsten Projekte der Stadt. Augsburg hofft darauf, dass die bis in die Römerzeit zurückreichende Wasserwirtschaft der Stadt von der Unesco zum Welterbe ernannt wird - die Bewerbung soll in wenigen Wochen bei der Weltorganisation in Paris eingereicht werden.

Die Kanustrecke ist pikanterweise Teil des Antrags der Stadt auf Anerkennung als Weltkulturerbe. Eine Diskussion über einen Abriss von denkmalgeschützten Bauten im Bereich des angestrebten Welterbes dürfte bei der voraussichtlich im Jahr 2019 anstehenden Entscheidung des zuständigen Unesco-Gremiums nicht förderlich sein.

dpa

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