Linus Förster vor Gericht

„Trophäensammlung“ - Ex-Abgeordneter spricht über Fetisch

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Prozesses gegen ex Landtagsabgeordneten Förster

Missbrauch einer benommenen Freundin, heimliche Videos beim einvernehmlichen Sex. Die Vorwürfe gegen den Ex-Landtagsabgeordneten Linus Förster wiegen schwer. Dennoch will er nicht beschönigen.

Augsburg - Es kommt in deutschen Gerichtssälen nicht häufig vor, dass ein in Handschellen vorgeführter Angeklagter als Berufsbezeichnung „Landtagsabgeordneter außer Dienst“ angibt. Wenige Monate nach dem Ende seiner politischen Karriere musste der ehemalige SPD-Parlamentarier Linus Förster am Montag seinen schwersten Gang antreten. Ihm werden etliche Sexualstraftaten an Frauen vorgeworfen - sehr schwerwiegende und weniger schwerwiegende. Aber alle sind für den 52-Jährigen und insbesondere auch die Opfer - teilweise frühere Freundinnen Försters - extrem peinlich. Zudem geht es auch noch um mehr als 1300 Kinderpornos, die die Ermittler auf Computerspeichern in Försters Wohnung und in seinem Augsburger Abgeordnetenbüro fanden.

Angeklagter kooperiert vor Gericht

Bei seiner Aussage vor dem Augsburger Landgericht gab sich Förster dennoch offen, er gab fast alle Vorwürfe zu. Förster sprach ausgiebig von psychischen Problemen, seinem „narzisstischen Ich“, seinen Schwierigkeiten mit festen Beziehungen und davon, dass er mitunter auch mal „zweigleisig“ gefahren sei. „Ich habe mir aus Sexualität Bestätigung geholt.“ Dem bereits in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Politiker, der aus der SPD ausgetreten ist und sein Landtagsmandat niedergelegt hat, droht nun eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Früher war Förster in Augsburg als lockerer Landtagsabgeordneter bekannt, der längst nicht nur im Plenarsaal im Rampenlicht stand. Mit seinen Rockbands trat er häufig auf, spielte dann bekannte Popnummern nach. Doch ein Besuch bei einer Prostituierten vor fast genau einem Jahr änderte alles. Förster wollte mal wieder ein eigenes Sex-Video drehen, aber die Frau bemerkte die von Förster heimlich platzierte Kamera. Die Prostituierte nahm den Speicherchip an sich und warf Förster raus. Hinterher erstattete sie Anzeige gegen den ihr unbekannten Mann.

Mehr als eine Million pornografische Foto- und Videodateien

Weil Förster auf dem Video erkennbar war, kam ihm die Kripo auf die Schliche. Bei einer Razzia im November 2016 in der Wohnung des Landtagsabgeordneten und seinen Büros in München und Augsburg nahm das Unheil für Förster seinen Lauf. Die Ermittler fanden eine Unmenge an pornografischen Foto- und Videodateien. Förster selbst spricht von mehr als einer Millionen Dateien.

Auf einigen davon hat Förster den sexuellen Missbrauch einer ehemaligen Freundin dokumentiert. Die damals 26-Jährige hatte Schlaftabletten genommen und deswegen allenfalls im Dämmerzustand erlebt, wie sich der Politiker an ihr vergangen hat. Am Montag musste die Studentin nun vor Publikum als Zeugin in dem Prozess aussagen und intime Fragen beantworten. Der Antrag ihres Anwalts, die Öffentlichkeit dabei auszuschließen, wurde von der Kammer abgelehnt. Die Frau ist eine von drei Nebenklägerinnen in dem Verfahren. In anderen Fällen hatte Förster heimlich die Kamera mitlaufen lassen, als er mit seinen Partnerinnen einvernehmlichen Sex hatte. Die 25 und 37 Jahre alten Frauen wussten auch in diesen Fällen nichts von den Aufnahmen.

Förster habe „keinerlei pädophile Neigungen“

„Ist das eine Art Trophäen sammeln?“, wollte der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch wissen. Der Angeklagte bestätigte - so sei es wahrscheinlich gewesen. Die Sex-Filmerei bezeichnete er als Fetisch, dabei sei es irgendwann auch zu den „Grenzüberschreitungen“ gekommen. Er habe zusätzlich auch weitere Privatpornos gedreht, die nicht Gegenstand der Anklage sind - bei denen die Frauen also zugestimmt haben.

Die Kinderpornos erklärte Förster damit, dass er exzessiv Bilder aus dem Internet geladen und gespeichert habe. „Ich habe einfach immer alles gesammelt.“ Eigentlich finde er Sex mit Kindern widerlich. „Ich habe keinerlei pädophile Neigungen“, beteuerte Förster.

Den Frauen hat Förster im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs bereits Geldzahlungen angeboten. Dies wird sich auf das Strafmaß günstig auswirken. Nach Gesprächen zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft im Vorfeld des Prozesses könnte es auf etwa vier Jahre Haft hinauslaufen. Das Gericht hat noch vier weitere Verhandlungstage eingeplant, das Urteil könnte demnach am 29. September verkündet werden.

dpa

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