728 Luxusuhren gestohlen

Vorgetäuschter Überfall auf Werttransporter - fünf Täter verurteilt

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Fünf der sechs Männer, die einen Raubüberfall auf einen Wertransporter vortäuschten wurden zu Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt.

Fünf der sechs Männer, die einen Raubüberfall auf einen Wertransporter vortäuschten wurden verurteilt. Das Gericht berichtet von dem genauen Ablauf und Hintergrund des Verbrechens.

Ulm - Wegen eines fingierten Autobahnüberfalls an der A8 mit einer Millionenbeute hat das Landgericht Ulm (Baden-Württemberg) am Donnerstag fünf Angeklagte zu Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Männer im Alter zwischen 31 und 40 Jahren aus dem Raum Stuttgart und Berlin bei dem Mitte Januar in Szene gesetzten Coup 728 Luxusuhren im Gesamtwert von rund fünf Millionen Euro erbeuteten.

Zu dem Quintett gehörten zwei Fahrer einer Werttransportfirma aus Esslingen am Neckar. Sie ließen sich laut Gerichtsurteil am Parkplatz Drackensteiner Hang an der A8 zwischen München und Stuttgart von ihren Komplizen fesseln, ehe diese mit den Luxusuhren in zwei Autos nach Berlin verschwanden. Das Gericht revidierte vorherige Schätzungen der Schadenssumme, die von rund acht Millionen Euro ausgegangen waren.

Die Angeklagten hätten sich des gemeinschaftlichen Diebstahls im besonders schweren Fall sowie der Vortäuschung einer Straftat schuldig gemacht, erklärte der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan. Die Männer hätten sich zu der Tat verabredet, weil sie dank einer erwarteten Beute von jeweils bis einer halben Million Euro hofften, „für den Rest ihres Lebens ausgesorgt zu haben“, sagte der Richter.

Der Coup, den die Männer laut Anklage bei Treffen in einem Sauna-Bordell und bei Skatrunden ausheckten, erinnert an das Drehbuch eines Gangsterfilms. Am Sonntag, dem 15. Januar 2017, geht um 20.48 Uhr beim Lagezentrum des Polizeipräsidiums Ulm ein Notruf ein. Der Fahrer eines Werttransporters meldet, er und sein Kollege seien am Drackensteiner Hang ausgeraubt worden.

Maskierte hätten sie mit einer Pistole bedroht und seien mit den in blauen Säcken verpackten Uhren - darunter Liebhaberstücke wie eine Sonderanfertigung des Modells Audemars Piguet Royal Oak im Wert von 450 000 Euro - in einen Pkw und einen Transporter verschwunden. Die Edeluhren waren zuvor auf einer Messe in München gezeigt worden und sollten nun in das Lager des Esslinger Werttransporters kommen.

An den Aussagen der Fahrer hat die Kripo jedoch von Anfang an Zweifel. Die zehnköpfige Ermittlergruppe „Scheibe“ in Ulm stößt auf Ungereimtheiten. Bald erreichen sie Hinweise einer „Vertrauensperson“ in der Berliner Unterwelt. Einige merkwürdige Uhren seien in der Hauptstadt Hehlern angeboten worden.

Im März werden die fünf Männer verhaftet. Zum Beginn des Prozesses vor dem Ulmer Landgericht legen sie im September Geständnisse zu ihren jeweiligen Rollen bei dem Millionencoup ab. Doch ein Mann fehlt auf der Anklagebank - ein ominöser „sechster Täter“. Von ihm soll ein gewichtiger Teil des Plans stammen. Bei dem „Raub“, der ja bloß eine Umladeaktion der Säcke mit den Uhren auf Fluchtfahrzeuge war, soll er sich ebenso wie zuvor bei einem „Probelauf“ im Hintergrund gehalten haben.

Zu den Merkwürdigkeiten des Falls gehört, dass nach Erkenntnissen der Ermittler Säcke mit weniger wertvollen Inhalten vor der Umladung zur Seite gestellt worden waren. Sie kommen am Parkplatz in einen PKW. Die wirklich teuren Uhren hingegen komme in den Transporter, mit dem der „sechste Mann“ davonfährt. Hat er alle anderen geleimt?

Statt der erhofften Millionenerlöse dank derer man „am Montag danach gar nicht mehr zur Arbeit gehen müsste“, wie es Richter Gugenhan ausdrückte, bekommen die fünf Mittäter nur jeweils mehrere Tausend Euro zugesteckt. 163 Luxusuhren kann die Polizei bei Hausdurchsuchungen sicherstellen, auch Bargeld und die Pistole, mit der bei dem vorgetäuschten Raub einer der Männer herumfuchtelte. Doch der Löwenanteil der Beute bleibt verschwunden - genau wie der „sechste Mann“.

Haben die Angeklagten den „Unbekannten“ gedeckt? Vielleicht in der Hoffnung, nach Verbüßung der Strafe doch noch reich entlohnt zu werden? Zumindest einer von ihnen muss sich das anders überlegt haben. Noch während des Verfahrens bekommt die Staatsanwaltschaft Ulm Hinweise eines Angeklagten auf die Identität des „sechsten Mannes“. Er sei den Ermittlern nun bekannt und werde mit internationalem Haftbefehl gesucht, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

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