“Erwarten höchstmögliche Sicherheit“

Nach Zugunglück in Aichach: Verkehrsministerin nimmt Bahn in die Pflicht

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Zwei Menschen starben bei dem schlimmen Zugunglück in Aichach.

Nahe des Bahnhofs Aichach (Schwaben) sind am Montagabend zwei Züge kollidiert. Zwei Menschen erlagen ihren Verletzungen. Alle Infos im News-Ticker.

  • Am Montagabend gegen 21.20 Uhr sind nahe des Bahnhofs Aichach ein Personen- und ein Güterzug kollidiert.
  • Zwei Menschen wurden bei dem Unglück getötet. Es gibt 14 Verletzte. Bei den Toten handelt es sich um den 37-jährigen Lokführer des Personenzuges der Bayerischen Regiobahn sowie eine 73-jährige Passagierin.
  • Am Montag gab es am Starnberger See ein weiteres Zugunglück. Zwei Menschen starben an einem unbeschrankten Bahnübergang, wie merkur.de berichtet.

Update vom 12. Oktober 2018: Schon wieder gab es einen Zugunfall. Ein Wagon eines ICE, der von Köln nach München unterwegs war, hat Feuer gefangen. 500 Insassen mussten evakuiert werden, anscheinend gab es keine Verletzten.

15.16 Uhr:

Nach dem schweren Zugunglück in Aichach fordert Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner von der Bahn mehr Sicherheit auf allen Strecken. „Der Schienenverkehr muss auch in einem Flächenland wie Bayern sicher bis in den hintersten Winkel sein“, sagte die CSU-Politikerin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in München.

In erster Linie sei dafür die bundeseigene DB Netz AG verantwortlich. „Allein durch die Nahverkehrsbestellungen des Freistaats fließen mehrere Hundert Millionen Euro Trassenentgelte jährlich an die DB Netz, gerade auch über die regionalen Strecken. Dafür erwarten wir höchstmögliche Sicherheit im gesamten Netz“, betonte Aigner.

12.30 Uhr: Auch der Fahrgastverband Pro Bahn glaubt, das höhere Investitionen in das Streckennetz notwendig sind. Zuvor hatte bereits ein ehemaliger Fahrdienstleiter scharfe Kritik an der technischen Ausstattung am Bahnhof Aichach geäußert (siehe Update um 9.25 Uhr). „Eine moderne Signaltechnik hätte das Unglück aller Voraussicht nach verhindert“, sagte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Heute gebe es bei elektrischen statt mechanischen Systemen sogenannte Gleis-besetzt-Meldungen. „Und es lässt sich dann auch nur mit großem Aufwand eine Einfahrt in das Gleis ermöglichen - im Fall einer Abschlepplok zum Beispiel“, sagte der Bahnexperte weiter.

Die Kripo schloss jedoch eine technische Ursache für das Unglück aus und geht von menschlichem Versagen des DB-Fahrdienstleiters aus. Die Bahn hält Stellwerke wie in Aichach für robust und verlässlich.

„Das Stellwerk in Aichach ist ja noch aus Kaisers Zeiten“, sagte der langjährige Bundesvorsitzende des Verbandes. Dort würden die Gleise noch mechanisch und nicht elektrisch gesteuert. „Wir finden solche Stellwerke noch relativ häufig. Da muss man letztlich der Politik einen Vorwurf machen, dass sie nicht gesagt hat, wir investieren das Geld in moderne Sicherheitstechnik bei der Bahn und nicht nur auf der Straße.“

Während die Modernisierung auf der Straße gut vorangegangen sei, sei das bei den Zweigstrecken der Bahn in einem sehr viel geringerem Maße passiert. „Es gibt eben noch ganz viele Strecken, die noch mit Sicherheitseinrichtungen ältester Bauart versehen sind“, sagte Naumann.

Lesen Sie auch zum Unglück auf merkur.de: Wie der BOB-Chef die Tragödie erlebte und ein Ersthelfer berichtet: „Es war gespenstisch ruhig“.

9.25 Uhr: Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte ein ehemaliger Fahrdienstleiter der Bahn, der früher selbst als Fahrdienstleiter in Aichach eingesetzt wurde, dass die Technik veraltet sei, Schon vor 30 Jahren habe man  im Unternehmen darüber diskutiert, den Bahnhof mit einer sogenannten Drucktastenstellwerk auszustatten. Dadurch könnten Weichen und Signale statt mit mechanischen Hebeln per Tastendruck gesteuert werden, elektronische Sicherungen verhindern Kollisionen. Doch es wurde nicht nachgerüstet! "Wie so oft, mit ein bissle Geld hätte man es verhindern können“, so der pensionierte Bahn-Mitarbeiter Walter Greiß gegenüber der SZ. Die DB Netz AG habe am falschen Ende gespart."Mir tut der leid, der da Dienst gehabt hat. Da ist es ruckzuck passiert, dass man etwas übersieht“, so der 67-Jährige.

7.58 Uhr: Die Aufräumarbeiten sind nun abgeschlossen. Die Streckensperrung zwischen Ingolstadt und Augsburg wurde aufgehoben. Die Bayerische Regiobahn fährt wieder auf der Strecke. 

Die Meldung am Dienstag zum Zugunglück in Aichach

17.14 Uhr: Nach Abschluss der behördlichen Untersuchungen im Bereich Bahnhof Aichach ist die Unfallstelle freigegeben worden, das meldet die Deutsche Bahn. Die Aufräumarbeiten sind angelaufen. Dazu ist ein Hilfszug mit Hydraulikhebern vor Ort. Anschließend kann festgestellt werden, ob Schäden am Gleis und am Oberbau repariert werden müssen.

Der Bahnhof Aichach bleibt weiterhin gesperrt. Ein Ersatzverkehr wurde durch die Bayerische Regiobahn (BRB) eingerichtet. Mit einer Freigabe der Strecke ist nicht vor dem morgigen Tag zu rechnen.

15:58 Uhr: Der als dringend tatverdächtig geltende Fahrdienstleiter ist wieder frei. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg am Dienstag auf Anfrage sagte, wurde zwar Haftbefehl unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung gegen den 24-Jährigen beantragt und vom Ermittlungsrichter erlassen. Der Haftbefehl wurde demnach aber unter Auflagen wieder außer Vollzug gesetzt. Was genau dem Fahrdienstleiter vorgeworfen wird, wollte der Sprecher der Ermittlungsbehörde wegen der noch laufenden Ermittlungen nicht mitteilen.

13.08 Uhr: Wie die Polizei später herausfand, sollen etwa 15 weitere Passagiere, die offenbar ohne größere Blessuren blieben, nach dem Unglück den Einsatzort verlassen haben, bevor die Beamten deren Personalien feststellen konnten. Die Kriminalpolizei hofft nun, dass diese Fahrgäste sich bei der Polizei melden. Die Zeugen könnten wichtige Hinweise für das Ermittlungsverfahren geben.

11.43 Uhr: Nach BILD-Informationen soll der festgenommene Fahrdienstleiter den Güterzug 98907, der am Gleis 2 abgestellt worden war, vergessen haben. Um 21.19 Uhr fuhr dann die Regionalbahn 86696 (Augsburg-Ingolstadt) in den Bahnhof ebenfalls auf Gleis 2 ein.

10.58 Uhr: Der zuständige Fahrdienstleiter ist vorläufig festgenommen worden. Gegen den Mann bestehe der dringende Verdacht der fahrlässigen Tötung, teilte das Polizeipräsidium Schwaben Nord am Dienstag in Augsburg mit. Demnach ist der Unfall vom Montag wohl auf menschliches Versagen des 24-Jährigen zurückzuführen.

10.44 Uhr: Der tote Fahrzeugführer der Bayerischen Regiobahn war nach ersten Angaben 37 Jahre alt, er hinterlässt eine Ehefrau. Laut BOB-Chef Bernd Rosenbusch handelte es sich um einen "sehr erfahrenen und sehr netten Kollegen, den ich auch persönlich kannte". Bei der tödlich verunglückten Passagierin soll es sich um eine ältere Frau handeln.

Unterdessen gibt es neue Details zum Unfallhergang: Der leere Güterzug, der wohl Holz im kleinen Ort Radersdorf nördlich von Aichach abgeladen hatte und wohl auf der Rückfahrt war, stand auf Gleis 2. Der BRB-Zug hätte laut Fahrplanauf Gleis 1 in den Bahnhof Aichach einfahren sollen. Etwa 300 bis 400 Meter vor der Unglücksstelle ist eine Weiche. Warum der BRB-Zug auf Gleis 2 einfuhr, ist unklar. Es stellt sich die Frage, ob die Weiche falsch gestellt wurde.

+++AKTUALISIEREN+++

Beide Züge waren auf Gleis 2 unterwegs

10.27 Uhr: Wie eine Sprecherin des Augsburger Polizeipräsidiums am Dienstagvormittag sagte, ermittelt die Kripo weiterhin vor Ort. „Es wird dann noch ein externer Gutachter an die Unfallstelle kommen“, ergänzte sie. An der Unfallstelle waren insgesamt rund 170 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei im Einsatz.

9.18 Uhr: Noch ist es unklar, wieso beide Züge auf Gleis 2 unterwegs waren. Der mit Holz beladende Güterzug stand in der Nähe der Signalanlage. Die Deutsche Bahn erklärte, dass sie eng mit den Behörden zusammenarbeite, um die Umstände und Ursachen des Unglücks vollständig aufzuklären.

7.35 Uhr: Nach dem Zugunglück im schwäbischen Aichach ist die Zugstrecke Augsburg-Ingolstadt weiterhin gesperrt. Wie die Deutsche Bahn am Dienstagmorgen mitteilte, sei zwischen Radersdorf und Dasing (Landkreis Aichach-Friedberg) ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet worden. Auch der Bahnhofsbereich in Aichach sei noch gesperrt. „Wir rechnen damit, dass die Bergungsarbeiten und somit auch der Schienenersatzverkehr bis in den Nachmittag andauern“, sagte der Sprecher der Deutschen Bahn der dpa.

6.25 Uhr: Die Facebook-Seite der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), des Meridian und der Bayerischen Regiobahn, die als Tochterunternehmen zur Transdev GmbH gehören, postete am Dienstag ein Trauerbild auf Facebook. Es ist nach dem schweren Zugunfall in Bad Aibling mit zwei Meridian-Zügen ein weiterer Unglücksfall für das Gesamtunternehmen. Der Unfall im Jahr 2016 forderte zwölf Tote, darunter auch die beiden Lokführer. 

6.05 Uhr: Nach neuesten Angaben am Dienstagmorgen wurden insgesamt 14 Menschen bei dem Unglück verletzt, sie wurden teilweise in Kliniken eingeliefert. Die Bahnstrecke zwischen Ingolstadt und Augsburg wurde gesperrt. Die Sperrung des Bahnhofs in Aichach werde noch mindestens bis Dienstagnachmittag andauern, teilte die Deutsche Bahn gegenüber der Nachrichtenagentur dpa in der Nacht mit. Experten haben damit begonnen, die Unfallursache zu untersuchen. „Die Kriminalpolizei war die ganze Nacht an der Unglücksstelle“, sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstagmorgen. Wieso der Zug der Bayerischen Regiobahn mit dem stehenden Güterzug kollidierte, ist noch nicht bekannt.

Bei dem Zugunglück bei Aichach starben zwei Menschen.

0.57 Uhr: Nach Angaben des Landrats ist der Einsatz der Retter beendet. „Nun liegt es an der Kripo, die Ursache des tragischen Unfalls zu ermitteln“, so Klaus Metzger.

0.54 Uhr: Rund 150 Rettungskräfte waren laut Aichacher Zeitung im Einsatz. Das Blatt bezieht sich dabei auf Angaben des Kreisbrandmeisters Christian Happacher. Demnach sollen die Bergungsarbeiten bis in die Morgenstunden andauern.

00.30 Uhr: Bei einer Pressekonferenz zu dem Unglück gab die Polizei folgendes bekannt: Der Personenzug fuhr gegen 21.15 Uhr frontal auf den Güterzug auf. Der stand zu diesem Zeitpunkt an der Signalanlage. Noch nicht geklärt ist, warum beide Züge auf dem selben Gleis unterwegs waren. 

00.14 Uhr: Wann die Züge geborgen werden können, ist noch nicht klar. Ein Polizeisprecher sagte laut dpa: „Das wird noch Stunden dauern.“ Momentan ist die Strecke Ingolstadt-Augsburg gesperrt. Hier fahren allerdings nur Güter- und Regionalzüge und keine Fernzüge. Eventuell kann der Abschnitt über andere Gleise umfahren werden.

00.11 Uhr: Laut Polizei waren zum Zeitpunkt des Unglücks knapp 20 Menschen an Bord des Regionalzuges. 

00.05 Uhr: Mittlerweile ist klar: 14 Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, einer davon schwer und zwei mittelschwer. Die Rettungskräfte sind noch immer im Einsatz. Ein Polizeisprecher: „Die Lage ist übersichtlich.“

00.02 Uhr: BR24 hat die ersten Bewegtbilder vom Unglücksort:

00.01 Uhr: Noch ist unklar, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Doch laut Polizei soll der Personenzug auf den stehenden Güterzug aufgefahren sein. Die Strecke ist gesperrt. Wann sie wieder freigegeben wird, ist noch nicht absehbar.

Zugunglück bei Aichach: Triebwagenführer und Passagierin unter den Toten

23.59 Uhr: Bei der zweiten toten Person soll es sich laut Aichacher Zeitung um eine Frau handeln, die sich kurz vor dem Unglück zum Aussteigen am Aichacher Bahnhof bereit gemacht hatte. Sie stand im Gang des Zuges.

23.58 Uhr: Die Polizei hat mittlerweile bestätigt, dass unter den Toten der Triebwagenführer des Regionalzuges ist.

23.54 Uhr: Auch unserer Redaktion liegen mittlerweile die Bilder vom Unglücksort vor. Sie finden sie auf merkur.de*

23.41 Uhr: Der Landrat des Wittelsbacher Lands hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet. „Die Einsatzkräfte haben das Großschadensereignis am Bahnhof in Aichach im Griff“, so Klaus Metzger. Er dankt außerdem allen Rettern und Einsatzkräften: „Schon jetzt ein Vergelt's Gott an unsere Haupt- und Ehrenamtlichen, die hier wieder unglaublich vorbildlich Einsatz geleistet haben.“

23.32 Uhr: BR24 hat ein erstes Bild vom Unglücksort getwittert:

23.28 Uhr: Weiter berichtet die Zeitung, dass der Regionalzug aus Richtung Augsburg kam und gerade in den Bahnhof einfahren wollte, als es zu dem Unglück kam. Der Güterzug soll zu diesem Zeitpunkt leer gewesen sein.

23.24 Uhr: Wie die Aichacher Zeitung auf ihrer Facebook-Seite berichtet, kreisen Rettungshubschrauber über der Stadt. Es gibt allerdings ein Problem: Die Retter können laut Angaben der Zeitung nicht direkt am Unglücksort landen, sondern nur im nahe gelegenen Stadtpark, weshalb die Verletzten mit Krankenwagen zu den Rettungshubschraubern gebracht werden müssen.

23.21 Uhr: Bei dem verunglückten Personenzug handelt es sich um einen Zug der Bayerischen Regiobahn.

23.18 Uhr: Der Einsatz ist noch in vollem Gange, Rettungskräfte sind vor Ort.

23.03 Uhr: Wie die Deutsche Bahn berichtet, war es um 21.20 Uhr zu dem Unglück gekommen. Die beiden Züge waren auf der eingleisigen Strecke kollidiert.

23.01 Uhr: Das Unglück geschah auf der Strecke Ingolstadt-Augsburg.

22.56 Uhr: Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, wurden zwei Menschen getötet, zehn weitere sollen verletzt worden sein - zwei davon schwer.

Zugunglück in Aichach: Das war die Erstmeldung

Am Bahnhof Aichach (Schwaben) sind am Montagabend ein Personen- und ein Güterzug kollidiert. Laut  Bundespolizei wurden bei dem Unglück zwei Menschen getötet, mehrere Menschen wurden verletzt. 

Noch immer ist das schwere Zugunglück von Bad Aibling in den Köpfen der Bayern. Am 9. Februar 2016 waren ebenfalls zwei Züge kollidiert. Zwölf Menschen starben - 89 wurden teils schwer verletzt.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

dpa/mb

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