Zwei sehenswerte Produktionen

ARD-Thema "Erster Weltkrieg": Tagebücher der Angst

Tagebücher des Ersten Weltkriegs
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Eine Spielszene aus dem ARD-Film "14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs": Der Schriftsteller Ernst Jünger (Jonas Leonhardi) im Schützengraben.

München - Im Rahmen des ARD-Themenschwerpunkts zum Ersten Weltkrieg zeigt das Erste zwei sehenswerte Produktionen. 14 Schicksale aus dieser Zeit werden in einem vierteiligen Dokudrama aufgearbeitet. Die tz-Kritik:

Im Sommer 1914 ändert sich das ­Leben von Künstlerin Käthe Kollwitz schlagartig. Es ist Krieg in Europa. Die überzeugte Sozialdemokratin und ihr Mann müssen mitansehen, wie ihr Sohn Peter freiwillig einzieht. Die Mutter hadert mit dem Willen des Sohnes – doch aller Zweifel und Ängste zum Trotz lässt sie sich hinreißen und unterstützt ihn. Nur zehn Tage später ist Peter tot.

Die Geschichte von Käthe Kollwitz ist eines von 14 Schicksalen, dem sich die ARD in einem vierteiligen Dokudrama widmet. 100 Jahre nach dem Ausbruch erzählen der Regisseur Jan Peter und Autor Yuri Winterberg mit "14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs" die Katastrophe aus einer neuen Perspektive. Sechs Millionen Euro hat dieses höchst ambitionierte und sehr sehenswerte Projekt gekostet. Am Dienstag und Mittwoch läuft jeweils ab 21.45 Uhr eine ­Doppelfolge.

14 Menschen aus insgesamt acht ­Nationen stehen im Mittelpunkt der Filme. Neben Käthe Kollwitz wird unter anderen ein 14-jähriges Mädchen porträtiert, das ihrem Vater in den Krieg folgt. Außerdem der Österreicher Karl Kisser, dem es wie vielen Landwirten widerstrebt, auf dem „Feld der Ehre“ zu sterben. Oder der erst zehnjährige Yves Congar, der den Krieg zunächst mit Zinnsoldaten nachspielt – und ihn dann selbst erlebt.

Grundlage für das Dokudrama waren die Tagebücher und Briefe der Protagonisten. In 71 internationalen Archiven hat das Filmteam recherchiert, über 1000 Tagebücher und Briefe gelesen. Hinzu kamen Hunderte Postkarten und Zeichnungen sowie Tausende Fotos.

Dokumentarisches und Fiktionales halten sich im Film die Waage: Zu den neu gedrehten Szenen mischen die Macher das Archivmaterial, Karten und bislang ungezeigte Filmsequenzen. Auf Historiker-Interviews oder Ähnliches wurde bewusst verzichtet. Die Geschichten, die Bilder, die Aufzeichnungen stehen für sich. So ist eine moderne Erzählform entstanden, die insbesondere jüngeren Zuschauern einen neuen Zugang zum Ersten Weltkrieg ermöglicht. Das schadet der Produktion nicht – im Gegenteil, es zeichnet sie aus.

"14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs", Dienstag und Mittwoch, 21.45 Uhr, ARD

Clara Immerwahr - Eine tragische Frauenfigur

Sie war intelligent, eine brillante Wissenschaftlerin – und endete als eine der tragischsten deutschen Frauenfiguren. Clara Immerwahr: ein Name, den nur wenige kennen. Denn sie starb und wurde von der Welt vergessen. 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs – und im Rahmen des Themenschwerpunkts (siehe oben) – hat die ARD die Geschichte der Frau verfilmt. Ihr Leben und Scheitern ist auf erschütternde Art mit den Kriegsopfern verbunden: Ihr Mann ist der Erfinder des grausamen Giftgases.

Katharina Schüttler (Unsere Mütter, Unsere Väter) spielt Clara, die 1870 in Breslau geboren wurde. Obwohl Mädchen in der Zeit kein Abitur oder Studium absolvieren dürfen, schafft es Clara doch mit Hilfe ihres Vaters, eines Chemikers. Sie macht sogar ihren Doktor, arbeitet als Wissenschaftlerin, hat geniale Ideen, wie die Chemie der Menschheit dienen kann – bis sie Fritz Haber kennenlernt. Man erkennt ihn kaum: Maximilian Brückner, mit Glatze und Oberlippenbart, spielt den Chemiker, der Clara ins Unglück führt. Als sie Fritz heiratet, 1902 Sohn Hermann auf die Welt bringt, versinkt sie in der ehelichen Unterdrückung – während Fritz die Karriereleiter aufsteigt. Er erfindet das schreckliche Chlorgas! In der zweiten Flandernschlacht kommt es zum „erfolgreichen“ Gifteinsatz. Clara, Antimilitaristin aus Überzeugung, erschießt sich.

Für Regisseur Harald Sicheritz ist die Geschichte Clara Immerwahrs zeitlos: „Noch immer sind viele Domänen des Alltags fest in Männerhand. Noch immer werden Frauen in der Wissenschaft benachteiligt. Noch immer werden Wissenschaftler vom militärisch-industriellen Komplex zur Vergewaltigung ihrer ethischen Überzeugungen gezwungen.“

Hauptdarstellerin Katharina Schüttler hat die Geschichte berührt: „Ich war erstaunt und erschüttert zugleich, dass ich noch nie zuvor von ihr gehört hatte. Trotz ihrer außergewöhnlichen Willensstärke und Kraft hat sie letztendlich ihren Platz in der Welt nicht einnehmen dürfen.“

Fritz Haber aber organisiert am Ende sogar eine Siegesfeier – um die Toten „seiner“ Gasgranaten auch noch zu feiern. Die Rolle war eine von Maximilian Brückners bisher größten Herausforderungen: „Zum einen die große Altersspanne optisch sowie körperlich überzeugend rüberzubringen, zum anderen die Widersprüche dieses Mannes in all seinen Facetten darzustellen. Ein Mensch, der um jeden Preis dazu gehören will und dafür seine Überzeugungen, seine Ehe und schließlich seine Frau opfert.“

AST

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