Shitstorm nach TV-Ausstrahlung

„Höhle der Löwen“ (VOX): Für Perioden-Handschuhe „Pinky Gloves“ hagelt es heftige Kritik

In der TV-Show „Höhle der Löwen“ stellten zwei männliche Gründer einen Perioden-Handschuh vor und bekamen dafür ein Investment. Nun sogt das Produkt vor allem bei Frauen für Unverständnis.

Update vom 14. April, 19:25 Uhr: Auch Investor Ralf Dümmel meldet sich nun mit einem Statement zum Shitstorm rund um das „Pinky Gloves“-Produkt auf seiner Instagram-Seite: „Periode ist ein politisches Thema. Und ich gebe zu, dass ich dem nicht die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet habe. Ich hielt es für einen Problemlöser, der Menstruierenden unterwegs, zum Beispiel auf Festivals, hilfreich sein würde. Das Positive ist, dass durch die hitzige Diskussion die öffentliche Darstellung der Periode viel Aufmerksamkeit bekommt. So werden diverse Positionen sichtbar und wir können alle dazu lernen, auch ich“, so der 54-Jährige.  

Erstmeldung vom 14. April, 16 Uhr: Köln - Sie sind pink, teuer und aus Plastik: Mit diesen Einweghandschuhen sollen Frauen Tampons und Binden „hygienisch, sicher und geruchsneutral“ entsorgen können. Dazu werden diese in den Handschuh eingerollt, der dann mit einem Klebestreifen verschlossen wird. Das ist die Idee hinter dem Produkt „Pinky Gloves“, das die beiden männlichen Gründer André Ritterwürden und Eugen Raimkulow am Montag in der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“ vorgestellt haben. Den Investor Ralf Dümmel konnten sie mit diesem Konzept überzeugen - zahlreiche Frauen aber nicht. Und die lassen in den sozialen Netzwerken ordentlich Dampf ab.

„Höhle der Löwen“ (VOX): Einweghandschuhe zur Tampon-Entsorgung? Diese Punkte stören viele Frauen

Starke Kritik gibt es nach der „Höhle der Löwen“ dabei gleich an mehreren Fronten. Zum einen stört viele, dass das Produkt nicht umweltfreundlich ist. Die Handschuhe sind jeweils einzeln verpackt, was bereits für Müll sorgt. Hinzu kommt, dass die Handschuhe zwar aus recyclebarem Material angefertigt werden, in der Praxis aber nicht recycelt werden können, da sie benutzte Tampons und Binden enthalten und daher vermutlich im Restmüll landen. Ein weiterer Stein des Anstoßes ist auch der hohe Preis. Denn dieser sei im Vergleich zu handelsüblichen Gummihandschuhen sehr hoch, auch wenn „Pinky Gloves“ etwas anders konzipiert sind und auch die vergleichsweise niedrige Stückzahl der Produktion den Preis in die Höhe treiben dürfte.

Wesentlich schwerwiegendere Kritikpunkte sind aber andere. Positiv bewertet wird, dass sich die beiden Männer mit dem Thema Periode überhaupt befassen und ihr Auftritt zur Primetime dem Thema Aufmerksamkeit beschert hat. Dennoch seien Produkt und Präsentation nicht gelungen, urteilen viele im Netz. Zahlreiche Frauen bemängeln, dass die „Pinky Gloves“ suggerierten, dass die Menstruation etwas Unhygienisches und Ekliges sei, das es zu verstecken gelte. Zudem löse das Produkt der beiden selbsternannten „Frauenversteher“ kein Problem, welches von Frauen als solches empfunden wird. Es gehe mehr darum, die Befindlichkeiten (männlicher) Dritter zu schützen, denen es unangenehm ist benutzte Tampons und Binden im Mülleimer zu sehen.

„Höhle der Löwen“: Vor zwei Jahren erhielten Frauen mit nachhaltigem Produkt keine Förderung

Als besonders heikel empfinden viele, dass vor zwei Jahren zwei Frauen bei „Höhle der Löwen“ ebenfalls ein Menstruationsprodukt vorstellten und ohne Investment nach Hause gehen mussten - Periodenunterwäsche. Damals wurde das Konzept von Kati Ernst und Kristine Zeller als „zu nischig“ abgelehnt. Die beiden Gründerinnen der Marke „ooia“ veröffentlichen bei Instagram am Tag nach der Sendung ein Video, in dem sie viele der Kritikpunkte aufgreifen.

Besonders ärgern sie auch Name und Farbe des Produkts, die ihrer Meinung nach nahelegen, dass Frauen am liebsten pinke Sachen kaufen. Das klingt verdächtig nach Gender-Marketing, dass vor allem auf den Geldbeutel von Frauen abzielt. Die beiden wundern sich darüber, dass nun ausgerechnet zwei Männer bei einem männlichen Investor Erfolg haben - und das mit einem Menstruationsprodukt, an dem viele Frauen einiges auszusetzen haben. Der Beitrag wurde bereits über zwei Millionen Mal abgerufen, in den Kommentaren erhalten die beiden viel Zuspruch.

Gründer von „Pinky Gloves“ mit Statement nach „Höhle der Löwen“ - ihr Podukt ist für unterwegs

Die beiden Gründer von „Pinky Gloves“ veröffentlichen auf Instagram ihrerseits ein Statement zu ihrem Auftritt bei „Höhle der Löwen“. Darin bedanken sie sich zunächst für die „zahlreichen und wertvollen Hinweise“. Die Menstruation sei „selbstverständlich etwas ganz Natürliches, für das sich niemand schämen muss oder soll“, heißt es in dem Video weiter. Die beiden wollen herausstellen, dass ihr Produkt mehr für unterwegs gedacht sei, wo es keine Mülleimer oder Toiletten gebe. Für das Badezimmer zu Hause seien sie nicht konzipiert. (mam)

Rubriklistenbild: © Vox/Höhle der Löwen/Screenshot

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