Seit 50 Jahren vor der Kamera

Thekla Carola Wied: Die Rollen ihres Lebens und der Bruch mit dem Vater

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Bayerischen Hof: Thekla Carola Wied und Redakteurin Stefanie Thyssen.

Sie ist eine der ganz wenigen Schauspielerinnen, die irgendwie immer da waren. Jedenfalls gab es nie eine Zeit, in der man sich fragte – was macht eigentlich Thekla Carola Wied? Im Interview spricht sie über die Rollen ihres Lebens und einen jahrelangen Bruch mit ihrem Vater.

Vor 50 Jahren drehte sie ihren ersten Film, am Montagabend ehrt das ZDF dieses besondere Jubiläum mit einem sehenswerten Drama. Titel: Was ich von dir weiß (siehe unten). 

Im Interview erzählt die 73-Jährige, die locker auch als 60-Jährige durchgehen würde, was sie einst antrieb, Schauspielerin werden zu wollen, und wie sie zu ihrer Durchbruchs-Serie „Ich heirate eine Familie“ heute steht.

Frau Wied, Sie feiern heuer Jubiläum – seit 50 Jahren stehen Sie vorder Kamera. Was hat Sie damals angetrieben,Schauspielerin zu werden? Der Beruf ist Ihnen ja nicht gerade in die Wiege gelegt worden.

Thekla Carola Wied: Nein, ganz und gar nicht. Ich komme aus einer sehr armen Familie. Meine Kindheit – ich bin nach der Flucht aus Schlesien in Berlin aufgewachsen – war eher von Freudlosigkeit geprägt. Aus dieser Stimmung heraus habe ich mir aber meine eigene Welt geschaffen. Eine Fantasiewelt. Und als ich fünf Jahre alt war, war klar – ich will Schauspielerin werden. Ich stand oft an den Toren der berühmten Filmstudios von Atze Brauner und habe hin und wieder am Zaun gerüttelt (lacht).

Wie einst Gerhard Schröder vor dem Kanzleramt?

Wied: Ja, so ungefähr. Total süß. „Ich will da rein“, habe ich mir gedacht und immerzu gehofft: Mich muss doch mal jemand sehen…

Was haben Ihre Eltern gesagt, als Sie Ihren Berufswunsch äußerten?

Wied: Die waren damit natürlich überhaupt nicht einverstanden. Mit meinem Vater kam es deswegen zu einem jahrelangen Bruch.

Der nie gekittet wurde?

Wied: Doch – in dem Moment, als er mich als junge Schauspielerin auf der Bühne sah. Als gebildeter Alt-Philologe hatte er sich Faust ausgesucht, in dem ich das Gretchen spielte. Da war er gerührtundkonnte mir das auch zeigen

Wie sind Sie vom Theater zum Film gekommen?

Wied: Das ist eine ganz eigene Geschichte (lacht). Eigentlich war es mein Wunsch, am Theater zu bleiben. Schließlich war es bei Todesstrafe verboten, direkt nach Abschluss der Schauspielschule Filme zu drehen. Nach dem Motto: Theater ist Kunst. Der Rest ist Trallala

Aber Sie haben sich widersetzt, als das erste Angebot kam?

Wied

: Ja. Das habe ich. Allerdings habe ich mir einenanderenNamengegeben. Ich heiße eigentlich Thekla Wiedmann. Den Film habe ichdannals CarolaWiedgedreht – inder Hoffnung, dass keiner merkt, dass ich es bin (lacht). Dann bekam ich dafür den Bundesfilmpreis –unddieSache flog auf. Vonda an habe ich viel gedreht – als Thekla Carola Wied.

In all den Jahren waren Sie irgendwie immer da. Empfinden Sie das auch so, dass Sie eine Karriere ohne Knick hingelegt haben?

Wied: Es gab schon Zeiten, in denen es schwierig war, in denen ich weniger Angebote bekam. Ich war aber auch immer sehr wählerisch,habe in meiner Karriere vielleicht zwei Filme gedreht, bei denen ich heute denke: Das hätte ich nicht unbedingt machen müssen. Aber ich brauchte damals eine neue Küche. Und das, finde ich, darf auch mal ein Grund sein (lacht).

Würden Sie unterschreiben, dass es Frauen ab einem gewissen Alter schwerer haben, gute Rollen zu bekommen? Kürzlich hat Maria Furtwängler eine Studie initiiert und gefordert: mehr Frauen im TV!

Wied: Da hat Frau Furtwängler absolut recht, das kann ich nur unterschreiben. Es ist ja gar nicht einzusehen: Alte Männer sieht man oft im Programm – aber wo sind die tollen alten Frauen? Wir haben doch so viele – warum werden die nicht besetzt?

Und warum nicht?

Wied: Ich höre von den Verantwortlichen immer: Wir wollen jüngeres Publikum erreichen. Dabei sind es doch vor allem die 50- bis 80-Jährigen, die die öffentlich-rechtlichen Sender einschalten. Ich kann diese Politik nicht verstehen. Es wäre wünschenswert, dass sich da ein Sinneswandel einstellt – und zwar bitte noch in der Zeit meiner Lebenserwartung, sonst habe ich nichts mehr davon.

Interview: Stefanie Thyssen

Die Filme ihres Lebens

Der erste Film: „Spur eines Mädchens“ (1967) 

„Ich muss zugeben, dass ich den Film nie ganz gesehen habe“, sagt Thekla Carola Wied und lacht. „Aber ich weiß noch, dass es um ein Mädchen geht, die unter Hebephrenie litt, einer Frühform der Schizophrenie. Ein harter Stoff. Aber ich habe früher sowieso viel mehr ernste Rollen gespielt und erst später entdeckt, dass ich auch ein komisches Talent habe.“

Der Wegweiser: „Collin“ (1981)

„Collin war ein Zweiteiler und einer der letzten Filme von Curd Jürgens“, erzählt Thekla Carola Wied. „Ich spielte die weibliche Hauptrolle, eine ernste Rolle – auf die hin mich der Produzent Otto Meissner für Ich heirate eine Familie engagiert hat. Insofern war dieser Film sehr wichtig für mich. Meissner sagte damals: ,Die hat so eine saubere Erotik, die will ich haben‘.“

Der Mega-Erfolg: „Ich heirate eine Familie“ (1983 bis 1986)

„Ich bin ewig dankbar dafür, dass ich diese Serie drehen konnte“, sagt Thekla Carola Wied heute. „Sie hat mir vieles ermöglicht.“ Auch wenn es in den Jahren danach durchaus schwierig gewesen sei, diesen „Stempel“ der Figur Angi Schumann wieder loszuwerden. „Ich habe immer wieder ähnliche Rollen angeboten bekommen. Aber das war okay. Ich hadere nicht damit.“

Der Lieblingsfilm: „Die Liebe kommt selten allein“ (2006)

„Dieser Film ist einer meiner Lieblingsfilme. Ich spiele eine verzweifelte ältere Frau, die allein lebt und eines Tages auf zwei Männer trifft, gespielt werden sie von dem wunderbaren Florian Martens und Peter Sattmann. Zwei tolle Kollegen! Die Geschichte, wie sich diese Frau öffnet und ihr Leben überdenkt, ist einfach hinreißend.“

Der Jubiläumsfilm: „Was ich von dir weiß“ (2017) 

„Dieser Film ist nicht leicht anzusehen“, sagt Thekla Carola Wied über die ZDF-Produktion Was ich von dir weiß, die heute um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird. „Aber sehr lohnend.“ Es geht um ein Menschheitsthema schlechthin – unseren Umgang mit Wahrheit. „Die Menschen in dem Film (als Wieds Ehemann ist Uwe Kockisch zu sehen, Anm. d. Red.) können nicht mehr miteinander reden, ihre Probleme nicht mitteilen. Und irgendwann eskalieren die Lügen“, so Thekla Carola Wied. Das Foto zeigt sie mit August Zirner.

Quelle: tz

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