Weber redet Klartext: "Mein letzter Tatort ist echt schlecht!"

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Gregor Weber in Aktion als Kommissar Stefan Deininger. Im Interview mit der tz feuert der Vater zweier Kinder (12 und 14 Jahre), der mit seiner Familie im Würmtal lebt, auch ordentlich los - verbal versteht sich.

München - Am Sonntag läuft die letzte Tatort-Folge mit dem Saarbrücker Ermittlerteam Gregor Weber und Maximilian Brückner. Im tz-Interview verrät Weber, warum man eigentlich nicht einschalten muss.

Nach dem Rausschmiss: Aus der Traum hieß der erste Tatort, den Gregor Weber und Maximilian Brückner als Saarbrücker Ermittler-Team gedreht haben. Im Jahr 2006 war das. Nur gut fünf Jahre und sieben Folgen später wird der Titel der Premiere noch einmal aktuell: Aus der Traum - an diesem Sonntag läuft die letzte Folge mit Brückner und Weber alias Kappl und Deininger. Der SR hat die beiden vor die Tür gesetzt (tz berichtete). Im Interview mit der tz spricht Gregor Weber (43), der schon als Assistent von Max Palu Teil des SR-Tatorts war, nun Klartext und erklärt seine Sicht der Dinge.

Herr Weber, im November gab der SR bekannt, dass Ihre Verträge nicht verlängert werden. Haben Sie den Schock inzwischen verdaut?

Gregor Weber: Also von Schock würde ich nicht reden, das wäre übertrieben. Und grundsätzlich muss man in unserem Beruf immer damit rechnen, dass Verträge nicht verlängert werden. Aber die Mitteilung kam für uns schon überraschend, das stimmt. Vor allem war das Bisschen, was an Begründung kam, seltsam.

Offiziell hieß es, die Geschichte sei auserzählt...

Weber: Das ist lächerlich. Und übrigens ein Vorwurf, den ich gar nicht auf mich beziehe. Denn es ist nicht meine Aufgabe als Schauspieler, neue Geschichten zu entwickeln. Das ist der Job der Redaktion!

Was vermuten Sie als wahren Grund für den Rausschmiss?

Die Ermittler-Teams beim Tatort

MÜNCHEN (BR): Hauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und Hauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) - 59 Fälle seit 1991. © dpa
LUDWIGSHAFEN (SWR): Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Kriminalhauptkommissar Mario Kopper (Andreas Hoppe) - 54 Fälle seit 1989. © dpa
KÖLN (WDR): Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts), Hauptkommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) - 51 Fälle seit 1997. © dpa
WIEN (ORF): Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), seit kurzem mitder Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) - 26 Fälle seit 1999. © dpa
BERLIN (RBB): Hauptkommissar Felix Stark (Boris Aljinovic, links) und Hauptkommissar Till Ritter (Dominic Raacke) - 24 Fälle seit 2002. © dpa
BREMEN (RB): Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) - 24 Fälle seit 1997. © dpa
KONSTANZ/BODENSEE (SWR): Kriminalhauptkommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und Kriminalkommissar Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) - 20 Fälle seit 2002. © dpa
MÜNSTER (WDR): Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl, links) und Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) - 20 Fälle seit 2002. © dpa
HANNOVER/NIEDERSACHSEN (NDR): Kriminalhauptkommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, linnks) vom LKA Niedersachsen - 18 Fälle seit 2002. © dpa
KIEL (NDR): - Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und Kommissarsanwärterin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) - 17 Fälle seit 2003. © dpa
LEIPZIG (MDR): Hauptkommissarin Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Hauptkommissar Andreas Keppler (Martin Wuttke) - 11 Fälle seit 2008. © dpa
STUTTGART (SWR): Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller, rechts) und Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare) - 9 Fälle seit 2008. © dpa
HAMBURG (NDR): Kriminalhauptkommissar Cenk Batu (Mehmet Kurtulus), verdeckter Ermittler des LKA Hamburg - 4 Fälle seit 2008; er hört nach seinem sechsten Fall, der 2012 gesendet werden soll, auf. © dpa
FRANKFURT AM MAIN (HR): - Hauptkommissarin Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Hauptkommissar Frank Steier (Joachim Król) - sie sind das neue Frankfurter “Tatort“-Team. Ihr erster und bislang einziger Krimi mit dem Titel “Eine bessere Welt“ wurde im Mai 2011 gezeigt. Sie haben damit Oberkommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Hauptkommissar Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) abgelöst, die seit 2002 in 18. Fällen ermittelten. © dpa
WIESBADEN/HESSEN (HR): - LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) und seine Assistentin/Sekretärin/Vertraute Magda Wächter (Barbara Philipp) - der erste und bislang einzige Fall lief im November 2010, zum 40. Jubiläum der “Tatort“-Reihe. © dpa
SAARBRÜCKEN (SR): Ein ganz neues Team. Devid Striesow (M.) spielt ab Sommer 2012 Hauptkommissar Jens Stellbrink. Ihm zur Seite stehen Hauptkommissarin Lisa Marx (Elisabeth Brück) und KTU-Leiter Horst Jordan (Hartmut Volle). © ap
LUZERN (SF): - Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) ist der Protagonist des ersten Schweizer “Tatorts“ seit 2002. Flückiger war schon in Koproduktionen von SWR und SF an der Seite von Konstanz-Ermittlerin Klara Blum zu sehen - sein bislang einziger Fall “Wunschdenken“ lief im August 2011. © dpa
DORTMUND (WDR): - Oberkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) sowie die Kollegen Martina Bönisch (Anna Schudt, rechts), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (noch unbesetzt) - Dreharbeiten für den ersten Fall beginnen im März 2012, Ausstrahlung soll der kommende Herbst sein. © dpa
WEIMAR: Nora Tschirner und Christian Ulmen sollen in einer Art "Event"-Tatort nur einmal im Jahr ermitteln. © dpa

Weber: Zwischen der Redaktion einerseits und Maximilian Brückner und mir andererseits gab es immer größere Konflikte über die Auswahl der Geschichten. Wir hatten eigentlich die Verabredung - die auch so in unseren Verträgen stand -, dass wir gemeinsam an den Filmen und den Stoffen arbeiten. Sicherlich sind Max und ich keine bequemen Typen. Wir wollten mitreden. Aber unser Redakteur wollte nicht diskutieren, sondern bestimmen. Leider hatte er kein Gespür für Qualität. Es war einfach schlecht, was er angeschleppt hat.

Sie fanden Ihre eigenen Filme schlecht?

Weber: Naja, es gab auch gute. Heimatfront zum Beispeil, die Geschichte über Afghanistan-Soldaten, die vor einem Jahr lief. Das Drehbuch war in seiner Ur-Fassung auch schlecht, aber da haben wir Schauspieler uns mit dem Regisseur verbündet und uns reingehängt.

Was ist mit Ihrem letzten Fall, „Verschleppt“?

Weber: Mit dem Drehbuch war ich auch nicht glücklich. Das hatte logische Fehler und war überhaupt nicht durchdacht. Wir sollten in einer Szene zum Beispiel plötzlich in einem Keller stehen und an einem Waschbecken ein Beweismittel finden. Aber da stand nicht, wie und warum. Das war wie im Kindertheater. Wir haben uns dann noch versucht reinzuhängen, aber das hat letztlich auch nicht geholfen.

Es wird in dem Film nicht thematisiert, dass es Ihr letzter Fall ist...

Weber: Als wir gedreht haben, wussten wir ja überhaupt nicht, dass es unsere letzte Folge sein würde! Der Regisseur wusste, dass wir rausgeschmissen werden, hat aber nichts gesagt - auch toll, oder? Wir Schauspieler haben es am 25. Oktober per Telefon erfahren. So ist die Branche.

Warum wurden Sie nicht vorher informiert?

Weber: Ich vermute, sie haben uns nichts gesagt, weil die Verträge mit unseren Nachfolgern (Devid Striesow und Elisabeth Brück, Anm. d. Red.) noch nicht unterschrieben waren.

Sie reden, sagen wir, recht offen und frei. Haben Sie keine Angst, dass Sie keine Rollenangebote mehr bekommen?

Weber: Also Angst macht in meinem Beruf überhaupt keinen Sinn. Das, was dem Max und mir passiert ist, kann jedem Schauspieler, jedem Freiberufler jederzeit passieren. Das ist normal. So ist es, man muss vorher wissen, ob man das aushält. Und ich nehme mir gewisse Freiheiten.

Haben Sie schon neue Projekte in Aussicht?

Weber: Ich schreibe im Moment meinen zweiten Kriminalroman nach Feindberührung, der im vergangenen Jahr erschien. Das ist ja eh mein Hauptberuf, ich bin Autor.

Das heißt, Sie sind auf neue Schauspiel-Angebote gar nicht angewiesen?

Weber: Ich wehre mich nicht dagegen zu spielen. Aber so, wie ich mir den Beruf wünsche, so ist er eigentlich nicht. Oder jedenfalls viel zu selten.

Interview: Stefanie Thyssen

Quelle: tz

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