„100 Schätze aus 1.000 Jahren“Tölzer Sänfte in Landesausstellung Regensburg ausgestellt

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Auch Ministerpräsident Markus Söder machte bei seinem Rundgang durch die Ausstellung bei der Tölzer Sänfte Station.

Regensburg/Bad Tölz – Die 100 Exponate kommen aus den bekanntesten Museen wie dem Pariser Louvre oder dem Reichsmuseum Stockholm, aber auch aus dem Stadtmuseum Bad Tölz: Zu sehen sind sie derzeit in der Landesausstellung „100 Schätze aus 1.000 Jahren“ im neuen Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Mit dabei ist die einst am Dachboden des Museums gefundene Gala-Portechaise (Sänfte), die bei der Eröffnung am vergangenen Donnerstag auch Ministerpräsident Markus Söder bei seinem Rundgang betrachtete und sich von Museumschef Richard Loibl erklären ließ.

715 und 1729 in München gefertigt wurde, konnte mit Unterstützung des Bad Tölz sehr verbundenen Münchner Kunstmäzens Dr. Kurt Kappelmaier und der Messerschmitt-Stiftung in den vergangenen Monaten für und 100.000 Euro restauriert werden und soll ab dem kommenden März, nach dem Ende der Landesausstellung, das „Highlight“ des Tölzer Museums werden. Fast 300.000 Besucher haben das im Juni 2019 am Ufer der Donau eröffnete Museum mit seiner Dauerausstellung besucht, jetzt ist Gelegenheit, bis 8. März 2020 in der Landesausstellung weitere 100 ausgewählte Exponate zu sehen, die bis zu 1.000 Jahre bayerische Geschichte repräsentieren. Unter anderem werden ein Pestkarren, mit dem während der Seuchen die Toten transportiert wurden, Lederstiefel aus dem 14. Jahrhundert, die bei Hohenpeißenberg gefunden wurden und die Gotzinger Trommel ausgestellt. 

Die Landesausstellung möchte, so Museumsdirektor Richard Loibl vor rund 400 geladenen Gästen, neben prunkvollen Exponaten auch den damaligen Alltag aus der Sicht der einfachen Menschen darstellen. Dabei zählt die Tölzer Sänfte, die von zwei Personen getragen wurde und mit der sich vermutlich der damalige Obersthofmeister des Kurfürsten Maximilian, Cajetan von Törring-Seefeld, und seine Frau Adelaide transportieren ließen, zu den eher prunkvollen Ausstellungsstücken. Das Ganze kommentierte beim Rundgang der frühere Finanzminister und heutige Ministerpräsident Markus Söder humorvoll so: „Mit dem Rokokotragsessel wurde der damalige Kämmerer klimaneutral transportiert.“ 

Als Ehrengäste bei der Ausstellungseröffnung mit dabei waren auch Helga und Dr. Kurt Kappelmaier, der die Restaurierung der Sänfte finanziell ermöglicht hatten, die Tölzer Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker, die auch für die Beschreibung im offiziellen Katalog zuständig war und Kurdirektorin Brita Hohenreiter. Kappelmaier zeigte sich sehr zufrieden über den jetzigen Zustand der einst heruntergekommenen Sänfte. Allein der handgewebte Samt und anderes benötigtes Material kosteten 20.000 Euro, dazu kamen noch 200 Stunden Arbeit für den polnischen Restaurator und Polsterer Piotr Wolski, der eigenen Angaben zufolge auch die Verleimung der hölzernen Grundkonstruktion in Leichtbauweise erneuern musste. Jetzt wird das golden schimmernde Prunkstück hinter Glas in einer Ecke im abgedunkelten Erdgeschoss des neuen Museums bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit präsentiert. 

Ganz in der Nähe findet sich die berühmte Gotzinger Trommel aus dem Miesbacher Heimatmuseum, die als ein Symbol des gescheiterten Bauernaufstandes von 1705 gilt. Zwei gute Gründe also, die 180 Kilometer lang Fahrt von Bad Tölz ins Regensburger Museum auf sich zu nehmen. Es ist täglich (außer montags) geöffnet. Karl Bock

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