Hauptpreis für Realschüler

17.000 Einsendungen: Geretsrieder Ethikschüler gehen als Sieger hervor

Die Zehntklässler der Geretsrieder Realschule
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Jubel des Siegerteams: Die Zehntklässler begeisterten mit ihrer Arbeit zum Thema Rassismus.
  • Franca Winkler
    vonFranca Winkler
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Geretsried – Die Ethikklasse 10 der Realschule Geretsried erhält den mit 2.000 Euro dotierten Hauptpreis des Schülerwettbewerbs zur politischen Bildung der Bundeszentrale für politische Bildung.

Über 350 Preise gehen an Schülergruppen aus der ganzen Welt. Bereits zum 50. Mal hatten alle deutschsprachigen Schulen der Welt die Chance, ein kreatives Projekt zu einem der Wettbewerbsthemen einzureichen und einen der Preise zu gewinnen.

Die Schülerinnen und Schüler können es kaum fassen, als Hans-Georg Lambertz, Leiter des Schülerwettbewerbs zur politischen Bildung, ihnen plötzlich persönlich gegenübersteht und sie mit ihrem Gewinn von 2.000 Euro überrascht. Der Besuch, der unter Einhaltung aller entsprechenden Hygienemaßnahmen stattfand, sei gerade in diesem Jahr ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung der Arbeit von den teilnehmenden Schülern. Besonders, da die Pandemie die Lernenden und Lehrenden immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, sind diese positiven Erfahrungen von immensem Wert. Die betreuende Lehrerin Helena Ketikides wurde bereits im Vorfeld informiert, die Schülerinnen und Schüler wussten jedoch von nichts.

Die Schüler der Ethikklasse 10 der Realschule nahm bereits zum zweiten Mal teil und setzten sich im Rahmen der Wettbewerbskategorie „Politik brandaktuell!“ mit der Black-Lives-Matter Bewegung auseinander und gestalteten eine Wandzeitung. Die Gewinnerarbeit, definiert nicht nur die Black-Lives-Matter-Bewegung mit ihren Forderungen und Zielen, sondern geht auch auf die Gegenspieler ein: die „White Supremacy“ und die „Proud Boys“, die den offenkundigen Rassismus in den USA nicht nur unterstützen, sondern davon auch profitieren. Ein historischer Rückblick gibt Aufschluss auf die Geschichte des Sklavenhandelns, der Rassentrennung und der Demonstrationsbewegung um Martin Luther King. Die Schüler haben sich somit mit dem Systemrassismus der USA auseinandergesetzt: ein Blick auf die Geschichte bis hin zu den jüngsten Ereignissen der in den USA Lebenden BIPoCs geworfen („BIPoCs“ steht für „Black, Indigenous und People of Color“. Die Bezeichnung bezieht sich auf Migranten und steht somit als Gegensatz zu „weiß“).

Laut Lambertz war die Jury besonders beeindruckt von dem gelungenen Transfer auf die deutsche Realität, die zeigt, dass Rassismus ein internationales Phänomen ist. Laut einer Schülerin der Ethikklasse zeigen Untersuchungen, dass in Deutschland Menschen mit ausländisch-klingenden Namen bei gleicher Qualifikation deutlich mehr Absagen auf Bewerbungen erhalten. Sie haben gelernt, dass es nicht einfach ist, Rassismus zu erkennen, da er sich oft so tief in die Köpfe der Menschen und in das System verankert hat. „Dass die Herkunft einer Person eine Einschränkung ist, finden wir bedrückend,“ so die Schüler von Helena Ketikides Klasse übereinstimmend.

Ziel des Wettbewerbes der Bundeszentrale für politische Bildung ist es, einen Anreiz zu schaffen, Felder der politischen Bildung auch außerhalb des klassischen Lehrplanes kennenzulernen. Jährlich erreicht der Wettbewerb rund 60.000 junge Menschen. Die Auswahl zwischen mehreren Themen ermöglicht, dass die Klassen sich für ein Thema entscheiden können, das sie tatsächlich begeistert. Vor allem Eigeninitiative und Kreativität sollen mit dem Erstellen des Projektes unter Beweis gestellt und gefördert werden.
Was die Geretsrieder Schüler mit dem Gewinn tun werden steht noch nicht ganz fest, aber es soll auf jeden Fall ein Teil gespendet werden.

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