Pascal Blenke traut es sich

21-Jähriger nimmt mit seiner Band weite Anreise für PiPaPo-Livestream auf sich

Präsentieren eine ansprechende Mischung aus Jazz, Funk, Pop und HipHop: Pascal Blenke (Mitte) und seine Band.
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Präsentieren eine ansprechende Mischung aus Jazz, Funk, Pop und HipHop: Pascal Blenke (Mitte) und seine Band.

Gelting – Rund sechs Stunden benötigten Pascal Blenke und seine Band, um die Hin- und Rückfahrt zwischen Stuttgart und Gelting zurückzulegen.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Denn der 21-jährige Sänger und seine Kompagnons wussten bei der zweiten Livestream-Aufzeichnung des diesjährigen PiPaPo-Festivals zu überzeugen.

Pascal Blenke wuchs in Augsburg auf, studierte an der Musikhochschule Stuttgart Gesang und trat 2019 bei den Jazz Open in Stuttgart bereits im Vorprogramm des bekannten Singer-Songwriters Jamie Cullum auf. Die Pop-Karriere des 21-jährigen schien steil in die oberen Regionen der Charts zu führen, als ihn coronabedingte Auftrittsverbote plötzlich ausbremsten. Durch einen Zufall entdeckte er im Internet die Livestream-Aufzeichnungen aus einem Geretsrieder Stadtteil, dessen Namen er bisher noch nie gehört hatte. Fortan bat Blenke die Betreiberin der Geltinger Kulturbühne Hinterhalt Assunta Tammelleo mehrfach um einen Konzerttermin. „Der ist mir förmlich zugelaufen und hat mir auch Songs geschickt“, verriet die Vorsitzende des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL). Nun durfte Blenke sein Können endlich im Rahmen des PiPaPo-Festivals beweisen.

Das Programm


Das PiPaPo-Festival wird am Freitag, 27. November, mit einem „Väter und Söhne“-Konzert der Geretsrieder Lokalmatadoren Roland und Marius Hammerschmied sowie Günter und Maximilian Wagner fortgesetzt. Es folgen die Aufzeichnungen der Kabarett-Auftritte von H.G.Butzko (5. 12.), Lizzy Aumeier (12. 12.) und Holger Paetz (18. 12.). Zwischendurch bestreiten die KIL-Allstars am 6. Dezember ein Nikolaus-Programm. Nach der Musical-Cabaret-Show von Liliath (22. 12.) enden die Kulturtage an Heiligabend mit einer Überraschungsbescherung. Der für den 26. 11. vorgesehene Auftritt des Musikkabarettisten Helmut A. Binser entfällt. Mit Ausnahme der Nikolaus-Matinee (11 Uhr) beginnen alle Aufzeichnungen um 20 Uhr und können auf dem YouTube-Kanal der Kulturbühne Hinterhalt angeschaut werden. ph

Bereits der erste Titel, eine schwungvolle Coverversion des Jamie-Cullum-Songs „When I get famous“, deutete das große künstlerische Potenzial des jungen Sängers an. In der folgenden Eigenkomposition „Wer traut es sich?“ schlug der Blondschopf dann ruhigere Töne an. Zeilen wie „Die Wahrheit zu sagen, die Reaktion zu ertragen“ passen gut in das von Unsicherheit geprägte Lebensgefühl junger Menschen. Da die Band seit neun Monaten nicht mehr auf einer Bühne stand, überließen die Musiker schon beim Soundcheck nichts dem Zufall. Akribisch stimmte sich das Quintett mit dem Hinterhalt-Tontechniker Hendrik Noeller und dem Filmproduzenten Thorsten Thane ab. Der Genuss von Alkohol vor dem Auftritt war ein Tabu, um die Konzentration auf die komplexen Songstrukturen nicht zu beeinträchtigen. Am Ende der rund 75-minütigen Aufzeichnung erinnerte die Stimme von Pascal Blenke in manchen Momenten an die HipHopper der „Fantastischen Vier“ und den viel zu früh verstorbenen Roger Cicero. Zudem durfte Keyboarder Daniel Weiß in der Interpretation des Jazz-Klassikers „Take Five“ seiner Virtuosität freien Lauf lassen. Mit der Ballade „7 Grad“, für die sich Blenke allein ans Klavier setzte, klang der abwechslungsreiche Abend leise aus. Peter Herrmann

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