Bildhauerin auf Erfolgskurs

28-jährige Reichersbeurerin erhält vom Landkreis Kunstförderpreis

Antonia Leitner mit ihrer Diplomarbeit „Apate“, für die ein Knochenfund Vorbild war.
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Antonia Leitner mit ihrer Diplomarbeit „Apate“, für die ein Knochenfund Vorbild war.

Reichersbeuern/Waakirchen – Im Rahmen der Kulturförderung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wurden drei Preisträger auserkoren.

Eine von ihnen ist die junge Bildhauerin Antonia Leitner aus Reichersbeuern. Sie darf sich in Zukunft Trägerin des Kunstförderpreises nennen.

Seit zehn Jahren arbeitet Antonia Leitner schon in Otto Wesendonck´s Atelier in Waakirchen. Dort fing damals alles mit einem Praktikum an. Wesendonck´s Werkstatt ist im Keller sogar mit einer Bronzegusswerkstatt ausgestattet – was eher selten der Fall auf dem Land ist. Und in Zukunft möchte die gebürtige Tölzerin als freischaffende Künstlerin ihren Lebensunterhalt verdienen, was nicht unbedingt einfach ist. „In der Akademie hieß es immer: Von 100 Künstlern schafft es maximal einer, in dem Beruf zu überleben“, erklärt die junge Bildhauerin. Mit Akademie meint Leitner die Akademie der Bildenden Künste in München. Fünf Jahre studierte sie im Fachbereich Bildhauerei bei Professor Hermann Pitz. 2018 schloss das Nachwuchstalent dann das Studium mit Diplom ab. Vor ihrem Studium noch, ebnete sich diese Laufbahn durch eine Ausbildung zur Steinmetzin bei der Tölzer Firma Ostermünchner.

Heimat-Verbundenheit

Leitner wohnt in Reichersbeuern und ist dort auch aufgewachsen. Die Verbundenheit zu ihrer Heimat und der Natur merkt man ihren Werken an. Oft sind Findlinge wie Knochen oder Feuersteine ihre Vorbilder für Bronze- und Edelstahlfiguren. „Ich verbinde gerne Strukturen der Natur mit Technik und Effekten. Mir ist wichtig, dass auch Leute, die eigentlich nichts mit Strukturen anfangen können, an meinem Objekt stehen bleiben. Das Kunstwerk soll mit dem Betrachter interagieren.“ Wer ihre Diplomarbeit „Apate“ ansieht, versteht was gemeint ist. „Apate kommt aus dem Griechischen und bedeutet Täuschung“, erklärt die 28-Jährige. Das Kunstwerk besteht aus einem gebogenen Spiegel. Davor hängt eine Figur. „Die Formen entstehen bei mir oft während der Arbeit.“ Erst da habe die junge Künstlerin die Dreidimensionalität in ihrem Werk entdeckt. „Bei dieser Arbeit war ich wirklich selbst von mir überrascht“, lacht Leitner. Der Betrachter, der vor der Abschlussarbeit steht, hat die Möglichkeit auf drei unterschiedliche Perspektiven zu blicken. Kein Objekt was man so leicht übersehen könnte. „Man soll nicht einfach nur kurz draufgucken. Ich will, dass man stehen bleibt“, sagt sie. Und stehen geblieben, das sind die Leute auch. Nicht umsonst sind Leitner´s Objekte gut im Rennen. Auf diversen Ausstellungen konnten ihre Gegenstände schon bewundert werden. Und ein paar konnte sie bisweilen auch verkaufen.

Die vielen Schritte und wie aufwendig es ist, eine Figur zu machen, dass sieht man von außen oft nicht, meint Leitner. Das Heben von den schweren Materialien, das Gießen – all das kann schon viel Zeit in Anspruch nehmen und erfordert eine körperliche Belastung. „Da braucht man schon einen ordentlichen Bizeps, aber den habe ich ja“, schmunzelt sie.

Die Verleihung des Kunstförderpreises an eine Bildhauerin ist gewisserweise schon eine Premiere. Wurde der Preis doch in den Jahren zuvor meistens an junge Musiker oder Musikgruppen verliehen.

Eine wichtige Rolle dabei, spielt auch die Künstlervereinigung Lenggries (KVL), in der Leitner seit 2019 Mitglied ist. Ihre Figuren waren während der 17. Kunstwoche in Lenggries zu sehen. Sie folgte der Einladung der Vereinigung und stellte dort ihre Objekte zur Schau. Der Beginn einer kreativen Zusammenarbeit. Die junge Künstlerin ist mittlerweile der 2. Vorstand des Vereins, nachdem die Fotokünstlerin Heidi Gohde sich von diesem Posten zurückzog.Inzwischen kümmert sich die 28-jährige verstärkt um die Social-Media-Präsenz des KVL und für heuer ist eine Kunstausstellung in der ehemaligen Lenggrieser Kaserne geplant.

„Besser als viele Jungs“

Auch wenn die aktuelle Corona-Situation eine öffentliche Verleihung unmöglich macht, freut sich Leitner sehr über den Preis. „Ich wusste zwar, dass ich vorgeschlagen wurde. Aber dass ich dann tatsächlich gewinne war schon eine Überraschung. Das freut mich auf jeden Fall“.

Auch Otto Wesendonck ist stolz auf seinen Schützling. „Sie liebt den Beruf. Und sie stellt sich besser an als viele Jungs vor ihr“. Viktoria Gray

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