Jahrelang nicht gezahlt

33-Jähriger verweigert seinen Kindern 21.567 Euro Unterhalt

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Amtsgericht: Familienvater bekommt Bewährungsauflage.

Wolfratshausen – Weil er für seine zwei Kinder seit Januar 2016 keinen Unterhalt bezahlt hatte, musste sich ein in Wolfratshausen arbeitender Lagerist vor dem Amtsgericht verantworten.

Eine Viertelstunde lang wartete Richter Helmut Berger vergeblich auf das Erscheinen des Angeklagten. Dann gab ihm die ehemalige Frau des Lageristen die Telefonnummer seiner Arbeitsstelle. Der 33-Jährige hob prompt ab und zeigte sich überrascht darüber, dass er längst im Amtsgericht erwartet wurde. Eine halbe Stunde später betrat er schließlich in Arbeitskleidung den Gerichtssaal. „Ich hab’s voll verpeilt“, entschuldigte er sich. Richter Helmut Berger konnte dies nicht nachvollziehen. „Wie kann man so was vergessen? Wenn ich böse gewesen wäre, hätte ich Sie mit der Polizei von ihrem Arbeitgeber abholen lassen“, gab er zu bedenken. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, seit Januar 2016 seiner Unterhaltspflicht für seine zwei mittlerweile sechs und vier Jahre alten Kinder nicht erfüllt zu haben. „Ich habe einfach kein Geld: Von meinem Gehalt muss ich die Miete bezahlen und Schulden tilgen“, behauptete der 33-Jährige. Weil er vor seiner Tätigkeit als Lagerist nebenberuflich als Bodenleger gearbeitet hatte und dies dem Finanzamt nicht gemeldet hatte, werden regelmäßig rund 400 Euro von seinem Monatsgehalt gepfändet.

„Warum haben Sie nicht wenigstens einen Teilbetrag des Unterhalts gezahlt?“, wollte Berger wissen. Der Angeklagte zeigte sich danach wortkarg, sodass seine ehemalige Frau in den Zeugenstand gerufen wurde. „Wir haben uns bereits im Februar 2015 getrennt. Am Anfang zahlte er noch 450 Euro für beide Kinder, ab Januar 2016 nichts mehr“, erklärte die 29-Jährige. Nichtsdestotrotz sei der Kontakt zu den Kindern gut. „Jedes zweite Wochenende sind sie bei ihm. Das funktioniert super“, versicherte die Kinderpflegerin. Der Staatsanwalt beantragte eine zehnmonatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Als Auflage solle der Angeklagte insgesamt 200 Euro pro Monat an seine Kinder zahlen. Zudem beantragte er die Einziehung von Wertersatz für den nicht gezahlten Unterhalt. Richter Helmut Berger folgte dieser Empfehlung weitgehend und reduzierte lediglich die Bewährungsauflage auf eine monatliche Zahlung von 100 Euro. „Das entlastet sie aber nicht vom Unterhalt. Sie sind als leistungsfähig einzustufen“, betonte der Richter.ph

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