Hausverbot missachtet

64-Jährige wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung vor Gericht

ARCHIV - 25.01.2011, Niedersachsen, Hannover: Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen.
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Die Angeklagte muss nun 3.150 Euro zahlen.

Wackersberg – Wegen Hausfriedensbruch, fahrlässiger Körperverletzung und Sachbeschädigung musste sich eine Rentnerin jüngst vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Ende Mai 2020 missachtete sie zunächst ein Hausverbot in einem Supermarkt. Kurz darauf schlug sie eine Tür gegen den Kopf ihrer Nachbarin an die Wohnungstür.

Die Angeklagte erschien ohne Rechtsanwalt und nahm selbst zu den Vorwürfen Stellung. „Ich wusste nichts von einem Hausverbot und wollte nur einkaufen“, beteuerte sie. Als ihr die Atemschutzmaske verrutschte, sei sie von einer Verkäuferin barsch zurechtgewiesen worden. Letztere stellte den Vorfall anders dar. „Sie hatte zunächst gar keine Maske auf, suchte dann lange in ihrem Rucksack und zog sie dann nur halb übers Gesicht“, erklärte die 47-Jährige. Daraufhin habe sie die Frau gebeten, ihren Einkauf noch zu zahlen und dann nicht mehr wiederzukommen.

Nur drei Tage später widersetzte sich die Rentnerin diesem Verbot und ging erneut ohne Maske einkaufen. „Deshalb habe ich ihr die Ware nicht verkauft“, erklärte eine weitere Verkäuferin. Schließlich wartete die widerspenstige Kundin auf das Eintreffen der Polizei, die sie auf das bestehende Hausverbot aufmerksam machte.

Ein paar Tage darauf hatte die Nachbarin dann unter einem Wutausbruch der Angeklagten zu leiden. „Ich wollte ihr nicht die Tür gegen den Kopf schlagen“, behauptete die Rentnerin. Wegen vermeintlicher Ruhestörung wollte sie ihre Nachbarin zur Rede stellten. Dabei sei es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung gekommen, sodass sich die Angegriffene eine leichte Kopfverletzung zuzog.

An der Tür entstand ein Sachschaden in Höhe von 150 Euro. Seither kam es zu keinen Konflikten mehr. „Mittlerweile hat sie einen Freund, der zwischen uns vermittelt“, zeigte sich die Frau erleichtert.

Da die Rentnerin wegen Hausfriedensbruch, Beleidigung und Fahrens ohne Führerschein vorbestraft war und die letzte Verurteilung nur 16 Tage vor dem erneuten Hausfriedensbruch stattfand, sprach der Staatsanwalt von einer hohen Rückfallgeschwindigkeit und forderte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro – insgesamt 4.800 Euro. Richter Helmut Berger sprach die Frau zwar vom Vorwurf der Sachbeschädigung frei, sah aber den Hausfriedensbruch und die fahrlässige Körperverletzung als erwiesen an. Er reduzierte das Strafmaß auf 90 Tagessätze zu je 35 Euro, sodass die Angeklagte nun 3.150 Euro zahlen muss. „Ich überweise den Betrag sofort und will nur meine Ruhe haben“, gelobte die Verurteilte.

Peter Herrmann

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