Bedarf nicht gedeckt

Haupt- und Finanzausschuss: 770 Quadratmeter zu fairen Mietpreisen reichen noch nicht für Wohnbedarf

Neubau an der Königsdorfer Straße
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Mit dem 3,8 Millionen Euro teuren Neubau an der Königsdorfer Straße schafft die Stadt Bad Tölz weiteren Wohnraum.

Bad Tölz – Fast vier Millionen Euro wendet die Stadt Bad Tölz aktuell auf, um weiteren Wohnraum zu schaffen, der Bürgern zugute kommen soll, die mit den Preisen auf dem freien Markt nicht mithalten zu können.

An der Königsdorfer Straße wird aktuell ein Neubau mit 770 Quadratmetern Wohnfläche weitgehend in Holzbauweise fertiggestellt. Noch sind zwar die Handwerker zugange, aber in seiner jüngsten Sitzung legte der Haupt- und Finanzausschuss schon einmal die Mietpreise für die Wohnungen fest. Dabei wolle man, wie Kämmerer Herrmann Forster sagte, „ein flexibles Mietpreismodell zur Anwendung bringen“. So hatte man es bei der vor einigen Jahren fertiggestellten Wohnanlage an der Osterleite beim ehemaligen Krankenhaus auch gemacht.

Die Vorberatung dazu war bereits in der Arbeitsgruppe Wohnen erfolgt, dennoch gab es noch einige Diskussionen. Der Mietpreis wird pro Quadratmeter (qm) auf 9,50 Euro festgesetzt, wobei Wohnungen mit 77 qm und 89 qm zur Verfügung stehen. Die kleineren sollen an Drei-Personen-Haushalte gehen, die größeren an Vier-Personen-Haushalte, also an Familien mit zwei Kindern.
Im Gegensatz zur Osterleite, wo man die dortigen kleineren Wohnungen vorwiegend Rentnern zugeteilt hat, will man an der Königsdorfer Straße Familien einquartieren. Bei Kindern unter 13 Jahren verringert sich die Miete um zwei Euro pro qm auf 7,50 Euro, bei einem Kind um einen Euro auf 8,50 Euro pro qm.

Vor allem Johanna Pfund (Grüne) wollte die Staffelung nicht gefallen, sie konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Willi Streicher (SPD) meinte, das Projekt sei zwar erfreulich, aber nicht ausreichend, um den Bedarf in Tölz zu decken. Wann die Stadt ein weiteres Wohnprojekt starten werde, wollte er wissen. Dazu meinte der Kämmerer, dass jedes Haus der Stadt Millionen koste und erst einmal finanziert werden müsse. Im Fall des aktuellen Projektes erhalte man bei kalkulierten 3,8 Millionen Euro Baukosten einen Staatszuschuss von 1,5 Millionen, für eine Million Euro werde ein Darlehen aufgenommen und 1,3 Millionen Euro würden aus einer Sonderrücklage finanziert.

Einig waren sich die Stadträte, dass der angesetzte Mietzins angesichts der Preise in Bad Tölz „günstig“ sei. Forster erwähnte noch, dass die Miete bei sozial schwachen Familien vielfach vom Landratsamt übernommen werde. Erhöhungen werde es erst geben, wenn man renovieren müsse, was bei einem Neubau natürlich vorerst nicht anstehe. Auch werde keinem Mieter gekündigt, wenn die Kinder erwachsen werden oder ausziehen.

Karl Bock

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