Teurer als gedacht

Abrissarbeiten an der Tölzer Jahnschule um 250.000 Euro gestiegen

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Eine Hiobsbotschaft nach der anderen kommt von der Tölzer Jahnschule. Möglicherweise bei den Abbrucharbeiten im Sommer wurde die Turnhalle mit einer Schneekanone, die Wasser versprühte, um den Staub zu binden, unter Wasser gesetzt und ist derzeit nicht nutzbar.

Bad Tölz – Mehr als eine halbe Millionen Euro sind im aktuellen Haushalt der Stadt Bad Tölz für den Abbruch von ehemaligen Klassenzimmern an der Jahnschule vorgesehen gewesen. Bislang wurde noch nicht einmal die Hälfte der vorgesehenen Gebäude beseitigt, doch schon das gesamte Geld verbraucht, wie Hermann Forster ausführte. Deshalb musste der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung weiteren 250.000 Euro im Rahmen der Beratung über- und außerplanmäßiger Ausgaben zustimmen.

Dabei übte CSU-Stadtrat Anton Mayer deutliche Kritik an der Kostenexplosion, die zuvor der Kämmerer, Bauamtschef Christian Füstberger und Bürgermeister Josef Janker (CSU) mit dem Verweis auf unvorhersehbare Arbeiten verteidigt hatten. Mayer verwies darauf, dass die als Grund für die gestiegenen Kosten angeführte Trennung des Abbruchmaterials (Beton, Eisen, Holz, Glas usw.) schon seit Jahren Standard sei. Außerdem werde im Leistungsverzeichnis, das das von der Stadt beauftragte Ingenieurbüro erstellt hatte, genau festgelegt, was der Abbruchunternehmer zu tun habe. „Irgendwo ist da ein Hund begraben“, mutmaßte Mayer, der sich mit Fürstbergers Erklärung, unter den Klassenzimmern wären Betonverfüllungen von großen Hohlräumen gewesen, die man vorher nicht habe sehen können und deshalb sei es zu großen Massenmehrungen gekommen, nicht zufrieden geben wollte. 

Auch Jankers Hinweis, das man heutzutage Steine, Beton und Putzauftrag trennen und zwischenlagern müsse, ehe das Material von einem Fachmann begutachtet wird und dann endgültig deponiert werden kann, vermochte ihn nicht zu überzeugen. Das koste vielleicht ein paar 10.000 Euro, aber nicht Hunderttausende, so Mayer: „825.000 Euro für den Abbruch sind bei geplanten 434.000 Euro unverschämt.“ Letztlich einigte man sich darauf, dass das Ingenieurbüro genau aufschlüsselt, wie es zu der deutlichen Kostenmehrung gekommen ist. Auf die entsprechende Frage von Ingo Mehner (CSU) meinte der Kämmerer, die ebenfalls schon lange marode Turnhalle werde vorerst noch für den Schulbetrieb erhalten und erst im kommenden Jahr beseitigt. Bereits in der vorausgegangenen Finanzausschuss-Sitzung hatte Kämmerer Hermann Forster erklärt, dass die jetzt noch bestehenden Klassenräume in den beiden „Punkthäusern“ vorerst für den Schulbetrieb genutzt werden, damit könne man auf Container verzichten. Allerdings müssen die Gebäudeteile außen wie innen für den weiteren Gebrauch ertüchtigt werden. Man könne die Gebäude nicht einfach so stehen lassen.

Zudem sind Kosten für den Brandschutz und eine Kanalverlegung zu berücksichtigen. Sauer stieß Forster in dem Zusammenhang die Vorschrift auf, dass man neben einem zweiten Fluchtweg auch eine nächtliche Notbeleuchtung brauche: „Dabei werden die Klassenzimmer nachts nie genutzt“. Und zudem seien die „Baukosten derzeit zum Fürchten“, was eine Folge der boomenden Baukonjunktur sei. Gezeigt habe sich, dass die inzwischen beseitigten Gebäude „nie sanierbar“ gewesen. Neben den Neubauten für die Schule soll im südlichen Teil des Jahnschulgeländes ein Kindergarten für vier Gruppen gebaut werden. Auf eine Tiefgarage hat man, wie berichtet, aus Kostengründen und wegen des schwierigen Geländes im Bereich des Krottenbaches verzichtet. bo

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