Abschied vom Banana Joe

Ende einer Tradition: Lokal in der Egerlandstraße schließt nach 23 Jahren

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Die ehemaligen „Banana Joe“-Betreiberinnen Resi Knoll (2. v. l.) und Margit Klier (3 v. r.) feierten mit Stammgästen wie SPD-Stadtrat Wolfgang Werner (r.) und Ulrike Sixt (2. v. r.) eine Abschiedsparty.

Geretsried – Zu einem traurigen Anlass trafen jüngst die Stammgäste der Kneipe „Banana Joe“ zusammen. Das seit 23 Jahren bestehende Lokal ist nun geschlossen. Ob das Lokal von einem anderen Pächter übernommen wird, ist derzeit nicht abzusehen.

Im Jahr 1997 gestaltete Josef Amler einen ehemaligen Gemüse- und Obstladen in der Egerlandstraße 82 zu einer Kneipe um. Zehn Jahre später übernahm Theresia Knoll, genannt Resi, das Lokal. Zusammen mit ihrer Kollegin Margit Klier lud sie ihre Stammgäste – darunter auch SPD-Stadtrat Wolfgang Werner – zu einer Abschiedsparty ein.

„In den letzten Jahren war hier leider zu wenig los“, bedauerte Knoll im Gespräch mit dem Gelben Blatt. Trotz günstiger Bier- und Brotzeitpreise vermissten einige Gäste Dartspiele und Fußballübertragungen. Junge Leute traf man in der Kneipe, deren Name an einen Bud-Spencer-Film erinnert, eher selten. Und von den älteren Besuchern seien einige mittlerweile gestorben.

„Schade, das war eine Arbeiterkneipe, in die jeder reinkommen konnte, ohne auf seine Kleidung oder sein Äußeres zu achten“, bedauert Stammgast Ulrike Sixt. Die 55-Jährige schätzte vor allem den kleinen Biergartenbereich hinter der Kneipe. Umgeben von Bäumen, ließ dieses Areal vergessen, dass das Lokal mitten im Stadtzentrum lag. Der schon angelaufene Umgestaltungs- und Modernisierungsprozess an der Egerlandstraße sei laut Knoll zwar kein Grund für die Schließung. Dennoch schien der „Banana Joe“ bis zu seiner Schließung ein aus der Zeit gefallenes ursprüngliches Lokal zu sein.

Musiker wie Willi Sommerwerk haben hier schon spontan zur Gitarre gegriffen. Und SPD-Stadtrat Wolfgang Werner hörte bei seinen zahlreichen Besuchen ganz genau zu, was den einfachen Bürgern am Herzen liegt. Probleme mit rabiaten Gästen klärte Resi Knoll meist verbal. Die „Hausordnung“ – ein an der Wand hängendes abgesägtes Tischbein – hatte nur Drohfunktion und kam nie zum Einsatz.

Dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwei Mal in den „Banana Joe“ eingebrochen wurde nahm Resi Knoll gelassen hin. „Damals wurden nur Spielautomaten aufgebrochen“, berichtete sie. Pläne für die Zukunft hat die 61-Jährige noch nicht geschmiedet. „Ich bleib jetzt erst mal daheim und schau, ob sich was Neues ergibt“, kündigte sie an. Nur der Gedanke an ihre Gäste, die teilweise aus Südafrika und Namibia kamen, bereitet ihr Wehmut. „Das ist nun ein neuer Lebensabschnitt: Viele Gäste sind für mich zu Freunden geworden“, so Knoll. Peter Herrmann

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