„Missstand nicht hinnehmbar“

Ärztlicher Kreisverband kritisiert Mangel an Arzneimitteln

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Antibiotika und Schmerzmittel sollten ausreichend auf Lager sein - dies fordert der ärztliche Kreisverband.

Landkreis – Wenn kein Ibuprofen mehr im Haus ist, könnte dies verschmerzbar sein. Doch fehlt ein lebenswichtiges Medikament – ist das inakzeptabel. Aktuell listet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Lieferengpässe bei 259 Arzneimitteln auf (Stand: Januar). Daher fordert der ärztlichen Kreisverbandes Bad Tölz-Wolfratshausen mehr Hersteller sowie Meldepflicht bei Engpässen.

„Liefer- und Versorgungsengpässe von Arzneimitteln sind in Deutschland und in vielen anderen EU-Staaten zu einem zunehmenden Problem für Patienten, Ärzte und Apotheker geworden“, sagt Dr. med. Andreas Lang. Er ist Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Bad Tölz-Wolfratshausen.

Hierfür gäbe es viele Gründe, wie etwa die Verlagerung der Produktion von Rohstoffen und Arzneimitteln ins außereuropäische Ausland, eine Marktkonzentration auf nur wenige Hersteller, Qualitätsprobleme und unzureichende Transparenz hinsichtlich bestehender oder drohender Engpässe.

„Lieferengpässe sind einfach inakzeptabel“, so Lang weiter, egal ob sie Antibiotika, Krebs- (Zytostatika) oder Schmerzmittel, wie etwa Ibuprofen betreffen. Die Zahl der gemeldeten Lieferengpässe bei Medikamenten steige stetig. Ärzte seien zunehmend dadurch belastet, die Folgen für ihre Patienten abzufedern. Oft könne zwar auf Ersatzpräparate zurückgegriffen werden, jedoch gäbe es dann auch Probleme mit der Einnahmetreue der Patienten, der sogenannten Compliance. Gerade ältere Patienten würden verunsichert, wenn aufgrund eines Lieferengpasses die Medikation umgestellt werden müsse. Ärzte und Praxispersonal koste das zudem Zeit und Nerven. Dazu kämen die Rücksprachen mit den Apothekern, die Verordnungen nicht bedienen könnten. „Das ist ein Missstand, der nicht mehr hinnehmbar ist“, betont Lang.

Was tun? Abhilfe könne sein, die Wirkstoffproduktion auf möglichst viele Hersteller zu verteilen und auch die bestehenden Rabattverträge auf den Prüfstand zu stellen. „Außerdem sollte für die Hersteller eine Meldeverpflichtung im Fall von Engpässen bestehen“, fordert Lang. Auf EU-Ebene sollten Vorschläge erarbeitet werden, wie eine solche Verpflichtung aussehen könne. dwe

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Weitere Informationen zum Thema sowie eine Übersicht zu aktuellen Lieferengpässen für Humanarzneimittel in Deutschland gibt es online auf www.bfarm.de.

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