Alle Akteure an einem Tisch

Landschaftspflegeverband soll Naturschutz, Kommunen und Bauern vereinen

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Pflegemaßnahmen wie Beweidungsprojekte – wie hier in den Isarauen – könnten vom Landschaftspflegeverband organisiert werden. 

Landkreis – Der Landkreis steht der Gründung eines Landschaftspflegeverbands positiv gegenüber. Diese Schaltstelle könnte so manchen Knoten lösen, den es naturgemäß zwischen Naturschutzverbänden und Landwirten gibt.

CSU-Kreisrat Michael Häsch aus Dietramszell hatte im vergangenen Jahr die Installierung des Verbandes ins Spiel gebracht – und bei Landrat Josef Niedermaier offene Türen eingerannt. Der hatte nämlich angekündigt, diese Idee voranzutreiben. Und genau dazu kam es nun im Kreistag. Denn dort stellten Experten das Konzept der Landschaftspflegeverbände vor: Wolfram Güthler als zuständiger Referatsleiter im Bayerischen Umweltministerium, Beate Krettinger, die bayerische Landeskoordinatorin im Deutschen Verband für Landschaftspflege sowie Markus Fröschl vom Landschaftspflegeverband Traunstein.

Das Thema Naturschutz habe Bayern sehr bewegt, „wie man im Zuge des Volksbegehrens Plus gesehen hat“, so der Minsteriumsgesandte. Der Landkreis sei durchaus ein Schatzkistchen. „Aber es gibt auch einige Sachen, die nicht mehr ganz so schön sind.“ Etwa Streuweisen, die immer mehr Fichtenforst entwickelt würden. „Es gibt einiges zu tun.“ Ein Landschaftspflegevereine sei an sich ein ganz einfaches Konstrukt. „Mit der Besonderheit: Der Naturschutz, die Landwirtschaft und die Kommunen arbeiten hier zusammen – mit der gleichen Anzahl an Mitgliedern. Der Verband habe keine konkrete Aufgabe. Man arbeite hier aber gemeinsam an Projekten und Ideen. So entwickle sich viel Vertrauen untereinander. Der Vorteil des Verbandes laut Güthler: Kommunen hätten feste und vor allem kompetente Ansprechpartner an einem Tisch. Die Bayerische Staatsregierung unterstützt die Verbände: Über Mittel aus den Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien, mit 40.000 Euro jährlich pro Landschaftspflegeverband sowie 70 bis 90 Prozent Projektförderungen. „Ein Landschaftspflegeverband ist kein Verband der nur Papier produziert“, sagte Güthler. Und er kann auf Erfahrung zurückgreifen. Immerhin betreut er 64 Landschaftspflegevereine, die es in Bayern mittlerweile gibt. Und womöglich werden es bald schon 65 sein. Denn im Kreistag zeichnete sich Zustimmung zu solch einer Verbandsgründung ab. 

Gelebter Solidargedanke: Kreistag zeigt sich offen für Gründung eines Landschaftspflegeverbandes

Die Kulturlandschaft erhalten und sie zu verbessern, das sei die Hauptaufgabe eines Landschaftspflegeverbandes (LPV), machte Beate Krettinger, Landeskoordinatorin im Deutschen Verband für Landschaftspflege, deutlich. Sie skizzierte die Herausforderungen für die Kreispolitiker: da seien eine ganze Menge gesetzlicher Verpflichtungen, die es einzuhalten gebe. Etwa die Wasserrahmenrichtlinie, das Bundesnaturschutzgesetz und die kommunale Bauleitplanung. „All diese Aufgaben müssen sie erfüllen“, so Krettinger, die ergänzte: „Das allein ist eine große Herausforderung, da ist man schnell überlastet.“ Dazu komme der wachsende gesellschaftliche Anspruch, nach Erholung und Naturschutz gleichermaßen. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie viele Menschen auf einmal wieder in die Natur strömen würden. Der Verband – mit seiner Gleichberechtigung der verschiedenen Interessensgruppen – habe einen ordentlichen Mehrwert. „Wir kümmern uns um die Pflege dieser schützenswerten, landschaftlichen Kulturgüter.“ Die Landwirtschaft sei ein Hauptprofiteur der Arbeit der Verbände, behauptete Krettinger. Denn mehr Flächen würden in die Pflege kommen. Und anfallende Rechnungen würde zunächst der Verband tragen. Sämtliche Maßnahmen, darunter auch Gewässerpflege, würden unter einem großen Potpourri an Förderungen laufen. Landschaftspflegeverbände seien da nämlich antragsberechtigt. LPV helfe bei der Bewältigung der Pflichtaufgaben und entlaste die Verwaltungen. Dazu würde das Verständnis gegenüber der Natur innerhalb der Bevölkerung gesteigert, etwa bei Exkursionen. „Denn wir zeigen, welche Arbeit von allen Akteuren geleistet wird.“ .

Folgende Arbeitsschritte stünden vor Gründung eines Landschaftspflegeverbandes an: So gilt es ein Finanzierungskonzept zu erstellen und die Ziele einer Satzung abzustecken. Danach sind die Gemeinderäte gefragt: Denn die Kommunen im Landkreis müssen zustimmen und letztlich auch die Mitgliedsgebühr im Verband tragen. Nach einer Gründungsveranstaltung könnte eine Geschäftsstelle eröffnet und erste Maßnahmen in Angriff genommen werden.

Dass sich dieser Aufwand lohnt, darauf verwies Markus Fröschl, Vorsitzender des LPV Traunstein. Der Landwirt und Kreisrat berichtete von anfänglichen Unwägbarkeiten. So manche Skeptiker habe es gegeben. Anfänglich habe es aber doch schon 22 Kommunen gegeben, die Mitglied geworden sind und mittlerweile seien alle 35 Kommunen seit über 15 Jahren mit an Bord. Recht erfolgreich sei die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Interessensgruppen. Gerade beim Thema Ausgleichsflächen nach Bautätigkeiten sei das sehr zielführend. Wichtig sei, dass der Verband nicht in Konkurrenz zu den Bauern stehe – „wir haben und pachten ja auch keine Flächen, stellen aber zu deren Pflege Geld zur Verfügung“.

Landrat Josef Niedermaier zeigte sich angetan: „Ich stehe da voll dahinter und will solche einen Verband auf den Weg bringen.“ Doch dazu brauche es Rückendeckung aus dem Kreistag.

Hans Urban (Grüne) kündigte an, das Projekt zu unterstützen. Seine Hoffnung liegt insbesondere auf einer einhergehenden Verbesserung bei der Situation um die Ausgleichsflächen. Die Kommunen sollten sich möglichst alle über eine Mitgliedschaft an dem verband beteiligen. Filiz Cetin (SPD) befürwortete die LPVs, die sie bereits aus ihrer politischen Tätigkeit in Niederbayern kenne. Auf ihre Nachfrage hin machte Beate Krettinger klar, dass auch kleinere Kommunen von den LPV-Angeboten profitieren würden. „Egal ob kleine oder große Kommune – die Beratungen stehen allen zur Verfügung“, so die Landeskoordinatorin. Der Verband sei ein gelebter Solidargedanke. Susanne Merk (FW) wollte von Fröschl wissen, ob der Dialog zwischen Naturschutz und Bauern tatsächlich immer reibungsfrei funktioniere „und wie geht man vor, wenn es mal nicht so gut klappt?“. Der Traunsteiner Landwirt konnte nur berichten: „In den 19 Jahren unseres Bestehens hat es noch nie eine Situation gegeben, dass einer aufgehört hätte.“

Michael Häsch (CSU) erinnerte daran, dass der 92 Prozent der Rinderhalter sowie 98 Prozent der Schweinehalter hätten inzwischen das Handtuch geworfen, dazu wurde die Landwirtschaftsschule aufgegeben. Um so mehr sei es wichtig, dass die Landwirtschaft als gleichwertiger Verhandlungspartner bei Projekten im Naturschutz mitentscheiden könne. „Lasst uns deshalb als Landkreis ein Zeichen setzen, dass wir hinter den Bauern stehen und die Landschaft erhalten wollen.“ Und das signalisierte das Gremium an Landrat Niedermaier, der nun vorbereitende Schritte zur Gründung einer Arbeitsgruppe gehen will.

Thomas Kapfer-Arrington

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