Alltagsheld auf vier Pfoten

Therapiehunde erfreuen monatlich Senioren im Tölzer „Haus am Park“

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Auf den Hund gekommen: die Vierbeiner wecken die Lebensgeister der Senioren durch Berührung und Nähe. Einmal im Monat schauen Therapiehunde wie hier Wunjo im Tölzer Seniorenwohnen vorbei.

Bad Tölz/Gaißach – Tierpsychologin Stephanie Lang von Langen bildet in ihrem Ausbildungszentrum „Wunjo-Projekt“ in Gaißach Therapiehunde mit ihren Besitzern aus. Rund 28 Teams schickt sie jährlich nach einer zehnmonatigen Ausbildung in den Einsatz in soziale Einrichtung. Zwei dieser Mensch-Hund-Teams zauberten nun den Bewohnern des Tölzer Seniorenwohnen „Haus am Park“ ein Lächeln ins Gesicht.

„Im Umgang mit Hunden zählen die körperlichen Defizite nicht. Das ist, was die Begegnung zwischen Menschen und Tier besonders macht“, berichtet Stephanie Lang von Langen. Die Einsätze in Seniorenheimen, psychiatrischen Einrichtungen oder Schulen, stellen eine Abwechslung zum Alltag dar. Lang von Langen bezeichnet dies als „ein bisschen Natürlichkeit von draußen.“

Voraussetzung für erfolgreiche Einsätze seien die passenden Charakterzüge und die entsprechende Ausbildung, für Hund und Mensch. Wichtig sei es, dass die Besitzer lernen zu erkennen, wann es ihrem Vierbeiner zu viel ist. „Und die Hunde lernen, wie sie auf rutschigen Böden laufen, sich auch mal zurückzunehmen, wenn jemand ängstlich ist, wie sie sich sicher verhalten, neugierig sind und gehorchen“ sagt die Verhaltenstrainerin. Die Hunde würden weder während der Ausbildung noch im Einsatz, zu etwas gezwungen. Vielmehr entscheiden sie selbst über ihre Grenzen und würden nach ihren Vorlieben gefördert.

„Durch den Kontakt mit dem Hund kommen die Senioren zur Ruhe“

Alle vier Wochen besuchen abwechselnd zwei Hundeführer mit ihren Tieren das Tölzer Seniorenwohnen nachmittags für eine Stunde. Dann zeigen die Hunde ihr Können: sie führen Tricks und kleine Kunststücke auf. Auch das Streicheln und Kuscheln im Anschluss ist für beide Parteien ein Highlight. „Durch den Kontakt mit dem Hund kommen die Senioren zur Ruhe“, erklärt Lang von Langen. Vor allem das Streicheln der flauschigen Freunde lockt demenziell veränderte Menschen aus der Reserve. „Personen, die sonst auf keinerlei Reize der Außenwelt reagieren, scheinen wie aufgewacht, sobald die Hunde den Raum betreten.“ Viele Senioren hatten früher selbst Hunde und der tierische Besuch weckt Erinnerungen: „So kommt es vor, dass die Senioren zwar nicht die Begleiter, aber den Hund wiedererkennen“, berichtet sie weiter. Doch nicht nur bei demenzieller Veränderung kann sich ein Besuchshund als hilfreich erweisen. Auch für Bewohner mit körperlichen Defiziten bringen die Therapeuten auf vier Beinen Lebensfreude: „Die Hunde haben gelernt beim Spazierengehen im passenden Tempo und mit Rücksicht auf Rollator- oder Rollstuhlfahrer zu gehen.“ Der tierische Besuch fördert also auch die Mobilität der Senioren. „Außerdem lösen sie ein vielleicht verloren gegangenes Fürsorgegefühl bei den Bewohnern aus. Sie fühlen sich gebraucht.“

„Tiere haben einfach eine besondere Wirkung auf Menschen“, betont die Tierpsychologin. Speziell Hunde seien geeignet, Menschen zu therapieren. „Sie kommunizieren gerne mit Menschen und sind anpassungsfähig“, erklärt Lang von Langen. Dabei eigne sich fast jede Rasse und Größe, wenn der Hund am Kontakt mit Menschen interessiert und freundlich sei. „Dann sind Besuche eine große Freude.“ dwe

Informationen zum Wunjo-Projekt finden sie Online auf www.das-wunjo-projekt.de/informationen.

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