Umbau oder Neubau?

Alten- und Pflegeheim Josefistift muss saniert werden / Stadtrat sucht neuen Standort

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Wohin geht bei dem seit 1752 bestehende Josefistift die Reise? Für das Tölzer Alten- und Pflegeheim muss ein neuer Standort gefunden werden.

Bad Tölz – Das Thema ist überaus emotional, verständlich, denn schließlich befindet sich das Tölzer Josefistift seit 1752 zentral an der Bahnhofstraße gegenüber der Mühlfeldkirche. Doch das Alten- und Pflegeheim muss mit der Zeit gehen, neue Vorschriften müssen umgesetzt werden. So reichen die vorhandenen Zimmergrößen nicht mehr aus, und die Nasszellen, die nur über den Gang erreichbar sind, sollen verschwinden. Zur Lösung des Problems gibt es zwei Möglichkeiten: einen Umbau oder einen Neubau an anderer Stelle.

Vor einiger Zeit hatte man bei der Stadt Bad Tölz deshalb einen neuen Standort bei der Asklepios Stadtklinik im Tölzer Badeteil ins Auge gefasst, der jedoch inzwischen obsolet ist, da die Klinik ein zweites Wohnheim parallel zum jetzigen Gebäude errichten und sich die übrigen Grundstücke für eventuelle Erweiterungen aufsparen will (wie berichtet).

Eine Alternative wäre das 4.000 Quadratmeter große Areal an der Hindenburgstraße, auf dem jetzt das Jugendcafé steht. Das ist inzwischen in die Jahre gekommen und muss irgendwann einmal saniert werden. Doch das Städtische Grundstück am Alten Bahnhof reicht für ein neues Heim nicht aus, was sich jetzt bei der Klausurtagung des Stadtrates herausgestellt hat. Wie Kämmerer Hermann Forster berichtete, seien derzeit nur wenige der insgesamt 95 Senioren im Josefistift in der Lage, allein das Haus zu verlassen und unbeaufsichtigt Spaziergänge zu machen. Für die anderen 90 müssten aber Freiflächen vorhanden sein, auf denen sie sich im Sommer sicher aufhalten können. „Sonst sind sie ja im Gebäude eingesperrt“, so Forster.

Skeptisch sieht man einen Umbau im Bestand, da es sich bei dem in den 1960er Jahren errichteten Gebäude um einen „Plattenbau“ handelt, bei dem man nicht einfach Wände herausreißen kann. „Da würde alles zusammenfallen“, so Forster, von der Belästigung der Bewohner und des Personals durch Baulärm und Staub gar nicht zu sprechen. Also müsse ein neuer Standort gefunden werden. Das zuletzt 2010 vor allem energetisch sanierte Pflegeheim erfüllt die Anforderungen des seit 2011 geltenden Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes nicht mehr. Zwar gebe es eine 25-jährige Übergangsfrist, aber bis 2021 muss die Stadt aufzeigen, wo die Reise konkret hingehen soll, so Forster. Er betont auch, dass es sich dabei um eine seit rund 275 Jahren bestehende Stiftung „Josefi-Spitalstiftung mit Darlappscher Zustiftung“, verwaltet durch die Stadt Bad Tölz, handelt. Es sei also kein städtisches Heim, wiewohl Personal und Verwaltung Sache der Stadt sind.

Viele Tölzer sind überzeugt, dass das Heim dort, wo es jetzt steht, bleiben soll. So hat Sieglinde Dorfmeister rund 500 Unterschriften gesammelt, sie fordert schlicht und einfach, dass das Stift, in dem auch heute noch überwiegend Tölzer Bürger leben, dort bleibt, mitten in der Stadt, fußläufig gut von den Angehörigen erreichbar und nicht „abseits vom Schuss“, wenn es etwa ins Badeteil verlegt würde. Dass das Haus trotz Umbaus nicht auf dem modernsten Stand ist, ist der Tölzerin, die selbst dort Angehörige über Jahre begleitete, nicht so wichtig. bo

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