Am Amortplatz werden einen Monat lang

Kreative Waren in prominenter Lage

+
Gegen Leerstand: im ehemaligen „Trachten Kirner“ am Amortplatz wird für einen Monat ein „Pop-Up-Store“ eröffnen. Dies veranlassten (v.l.) Eigentümer Ingeborg und Georg Schmidt, Wirtschaftsförder Falko Wiesenhütter, Vize-Bürgermeister Andreas Wiedemann, Eventmanagerin Dorien Meima-Schmid sowie Andreas Ross vom Wirtschaftsforum Oberland.

Bad Tölz – Einen bairischen Ausdruck gibt es nicht für die Geschäftsidee: In den ehemaligen Räumlichkeiten von Rita Brauns Trachtengeschäft am Tölzer Amortplatz wird einen Monat lang ein sogenannter Pop-Up-Store aufmachen.

Die Wortherkunft "Pop-Up-Store" stammt vom englischen „to pop up“, zu deutsch „plötzlich auftauchen“. Damit fördert die Stadt Bad Tölz ein Konzept zur Zwischennutzung von leerstehenden Immobilien – in der sich Unternehmer mit kreativen Ideen ausprobieren können.

50 Jahre lang war „Trachten Kirner“ am Amortplatz eine Institution in Bad Tölz. Nach dem Tod von Ladenbesitzerin Rita Braun im Sommer 2017 ging diese Ära zu Ende (wir berichteten). Nach einem kurzzeitigen Räumungsverkauf sind nun die Schaufensterauslagen verwaist. Kabel hängen neben von der Decke neben kahlen Neonröhren, Farbeimer stehen in der Ecke und die Lüftlmalerei der Holzvertäfelungen verblasen zusehends – bis jetzt hat sich kein Nachmieter für die 168 Quadratmeter große Fläche im Erdgeschoss gefunden, auch die oberen Etagen stehen leer.

Doch nun kehrt erstmals wieder Leben in das denkmalgeschützte Gebäude zurück. Beziehen sollen sie vom 14. Juni bis 14. Juli junge Unternehmer wie App-Entwickler, Lichtdesigner oder Möbelmacher zusammen mit ihren Produkten, um sich in der freien Marktwirtschaft und dem Kundenverkehr auszuprobieren. Dafür sperrt Dorien Meima-Schmid, vom „Startup an More“-Unternehmen die Ladentüre wieder auf. „Wir suchen bis zu zehn Kreativschaffende, die einen Monat dort ihre Ware verkaufen wollen“, berichtet sie. Unterstützt wird das Projekt neben der Stadt vom Metropolregion München und dem Wirtschaftsforum Oberland. „Es ist für Leute, die sich keinen eigenen Laden oder Geschäft leisten können“, ergänzt Andreas Ross vom Wirtschaftsforum Oberland. Ein weiterer positiver Effekt: „Somit haben wir keine leerstehenden Verkaufsflächen in der Stadt.“

Die Idee leerstehende Immobilien für Unternehmer mit neuen und kreativen Geschäftsideen zu öffnen, ist nicht neu im Oberland: Meima-Schmid hatte bereits im Frühjahr 2017 in Miesbach am Stadtplatz gestartet und zum Jahresende in Geretsried für einen Monat eine leerstehende Immobilie zum Leben erweckt.

Damals mit dabei: eine Lehrerin, die mit selbst gesammelten Kräutern diverse Badesalze fertigte. Oder ein junger Mann mit eigenem Modelabel, der bedruckte T-Shirts verkaufte. Im Schnitt seien die Personen, die mitmachen zwischen 25 und 55 Jahren alt, erklärt Meima-Schmid. Der Sinn dahinter: „Selbst einmal im Laden stehen und sich ausprobieren. Aber auch Feedback zu bekommen“, sagt sie.

Meima-Schmid ist Münchnerin, aber ihre Kreativ-Läden eröffnet sie hauptsächlich rund um die Landeshauptstadt in Kleinstädten. „Hier ist es mit leerstehenden Ladenflächen schlimmer als in der Großstadt“, erklärt sie. Zudem gebe es auf dem Land auch nicht so viele „Kreativwerkstätten“.

Für den Tölz „Pop-Up-Store“ hat sich bis jetzt die Mühlfeldbräuerei gemeldet, die dort an einem Abend ihren Gerstensaft ausschenken wird. Interessierte können sich noch bis zur Eröffnung melden. Die Teilnahmebedingungen sind überschaubar. Es gilt einmal 100 Euro Unkostenbeitrag zu zahlen sowie die Bereitschaft an einem Tag selbst im Laden zu stehen, und Ware zu verkaufen – auch die der Anderen. Und: „Jeder muss sich sein Eck selber einrichten“, ergänzt Meima-Schmid. Öffnungszeiten sind von Donnerstag bis Samstag jeweils von 10 Uhr bis 18 Uhr. Für den Tölzer Wirtschaftsförder Falko Wiesenhütter ist es „das Konzept der Zukunft“. Seiner Meinung nach wird sich das Ortsbild der Innenstädte in zehn bis 20 Jahren verändern.

Verändert hat sich dagegen im ehemaligen Laden von Rita Braun noch nichts. Bis heute haben die Eigentümer Ingeborg und Georg Schmid keinen Nachmieter für das Gebäude gefunden. Sie könnten sich wieder einen Kleiderladen darin vorstellen. Das obere Stockwerk könne dagegen für Büros umgebaut werden. „Jemand, der 50 Jahre drin bleibt, den werden wir wohl nicht mehr bekommen“, sagt Ingeborg schmunzelnd.Daniel Wegscheider

_____________________________

Interessierte die beim Tölzer „Pop-Up-Store“ (Amortplatz 1) in Tölz mitmachen wollen, melden sich per E-Mail an

info@startupsandmore.de oder unter Tel: 0160/1129842.

Auch interessant

Meistgelesen

Ein Toter bei Garagenbrand
Ein Toter bei Garagenbrand
Landtagswahl: Martin Bachhuber (CSU) sichert sich Direktmandat
Landtagswahl: Martin Bachhuber (CSU) sichert sich Direktmandat
Photovoltaikanlage auf Dach der Grund- und Mittelschule Waldram
Photovoltaikanlage auf Dach der Grund- und Mittelschule Waldram
2,5 Kilometer langer Themenweg mit neun Stationen zum Literaturnobelpreisträger geplant
2,5 Kilometer langer Themenweg mit neun Stationen zum Literaturnobelpreisträger geplant

Kommentare