Schulfenster eingeschlagen

Amtsgericht: 19-jähriger Geretsrieder rastet in Waldkraiburg aus

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Weil ein 19-Jähriger ein Schulfenster eingeschlagen hatte, musste er sich vor Gericht verantworten.

Geretsried – Wegen Sachbeschädigung und Beleidigung musste sich Marco H. (Name geändert) vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. Der junge Mann hatte im Mai 2018 das Fenster einer Mittelschule in Waldkraiburg eingeschlagen und zwei Wochen später am Münchner Hauptbahnhof eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn beschimpft.

„Ich hatte damals keinen guten Freundeskreis und erfuhr außerdem kurz zuvor, dass meine Freundin mich mit einem anderen betrogen hatte“, erklärte der Angeklagte. Am 10. Mai 2018 hatte er deshalb aus Frust reichlich Alkohol getrunken und am frühen Abend das Fenster einer Mittelschule in Waldkraiburg eingeschlagen. „Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, ob ich mit der Faust oder mit einem Stein auf die Scheibe schlug“, bedauerte Marco H. Gegenüber der Polizei verhielt er sich damals wenig kooperativ. Weil sich der Geretsrieder zuvor selbst Schnittwunden an seinen Beinen zufügte, wurde er wegen Eigengefährdung einige Tage in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. „Das war die Hölle dort: Ich wurde teilweise ans Bett angebunden“, berichtete er. Zwei Wochen später fiel Marco H. am S-Bahnsteig des Münchner Hauptbahnhofs erneut unangenehm auf. Weil er von einer Bahnmitarbeiterin eine Auskunft wollte, trommelte er zunächst mit beiden Händen gegen die Glasscheibe und bezeichnete sie kurz darauf laut als „dumme Fotze“. Weil die Frau über das Mikrofon gerade einen einfahrenden Zug ansagte, war diese Beschimpfung fast im ganzen Bahnhofsbereich zu hören. Der heute 19-Jährige versuchte, diese Angelegenheit herunterzuspielen. „Ich habe damals nicht die Frau, sondern die Deutsche Bahn gemeint“, behauptete er. Dennoch schrieb er ihr einen Brief, in dem er sich für sein Verhalten entschuldigte. Auch den an der Fensterscheibe der Waldkraiburger Mittelschule entstandenen Schaden in Höhe von 200 Euro hat Marco H. mittlerweile beglichen. Dennoch drohte ihm aufgrund von vier Vorstrafen – unter anderem wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und unerlaubten Betäubungsmittelbesitz – nun ein mehrwöchiger Arrest. Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch schlug jedoch vor, es bei 48 Sozialstunden, einem einjährigen Alkoholverbot und drei Suchtberatungsgesprächen bei der Caritas zu belassen. Richter Urs Wäckerlin folgte diesem Antrag, sprach jedoch eine deutliche Arrestwarnung aus. Marco H., der zeitweise obdachlos war und in Kürze eine neue Arbeitsstelle antritt, nahm das Urteil sofort an. „Ich sag‘ Dankeschön, Herr Richter“, verabschiedete er sich höflich. ph

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