Beleidigend und Betrunken

Amtsgericht: 29-jähriger Lagerist verursacht Unfall im Berufsverkehr

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Amtsgericht: Richter Helmut Berger verurteilt den Angeklagten zu einem einjährigen Führerscheinverbot und einer Geldbuße.

Eurasburg/Geretsried – Mit 1,61 Promille Alkohol im Blut startete Martin L. (Name geändert) am 17. Mai auf der B11 zwischen Königsdorf und Geretsried gegen 8 Uhr morgens mehrere Überholmanöver. Seine Fahrt endete mit einem Unfall auf Höhe des Stadtteils Stein und derben Beleidigungen gegen einen Polizisten.

Bei seinem letzten Überholvorgang kam der Eurasburger mit seinem Kleinwagen nach rechts von der Fahrbahn ab, kollidierte zunächst mit einem Verkehrsschild, prallte anschließend gegen einen Baum und kam dann zum Stehen. Martin L. zog sich nur leichte Rippenverletzungen zu und konnte sich aus seinem demolierten Fahrzeug befreien.

Glück hatte auch eine junge Mutter, die ihr Kind gerade zum Kindergarten bringen wollte. „Ich musste auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Gut, dass mir da kein Auto entgegenkam“, erinnerte sich die 23-Jährige. Ihr Auto wurde von herumfliegenden Teilen beschädigt, sie selbst und ihr Kind blieben unverletzt. Der Sachschaden an ihrem Auto betrug rund 6.000 Euro.

Für die Instandsetzung des beschädigten Verkehrsschilds und anderer Schäden am Straßenrand mussten etwa 2.200 Euro investiert werden. Doch damit nicht genug: Während ein Polizist den Unfallverursacher zur Blutuntersuchung in die Wolfratshauser Kreisklinik fuhr, mussten er sich schlimme Beleidigungen wie etwa „Arschloch“ oder „Hurensohn“ anhören. „Er war sehr renitent und hörte nicht auf, mich zu beleidigen. Obwohl ich es auch schon oft mit betrunkenen Oktoberfestbesuchern zu tun hatte, habe ich so etwas in dieser Form noch nie erlebt“, sagte der Polizist aus.

Strafverschärfend sollte sich auswirken, dass der Angeklagte nur zwei Monate vor dem Unfall in Eurasburg alkoholisiert in eine Verkehrskontrolle geriet und ihm wegen dieser Ordnungswidrigkeit ein einmonatiges Fahrverbot auferlegt wurde. Da dieser „Warnschuss“ offenbar seine Wirkung verfehlte, verurteilte Richter Helmut Berger ihn zu einer siebenmonatigen Haftstrafe, die er aber auf Bewährung aussetzte. Zudem muss der Angeklagte sechs Monate nach seinem Führerscheinentzug ein Jahr ohne seine Fahrerlaubnis auskommen.

Weitere Auflagen sind die Zahlung von 750 Euro an die Caritas sowie drei Beratungsgespräche bei der Suchtberatung. Die Caritas wird dann einen Therapieplan erstellen. Aufgrund des hohen Promillewerts muss sich Martin L. auch einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) stellen, um den Führerschein zu erlangen. Dafür muss er eine einjährige Alkoholabstinenz vorweisen.

Der Eurasburger nutzte die Gelegenheit, sich bei dem Polizisten zu entschuldigen. „Ich bin eigentlich ein total friedlicher Mensch, kann mich aber an nichts mehr erinnern“, behauptete er. Richter Helmut Berger nahm ihm seine Erinnerungslücken nicht ab und zeigte sich erleichtert, dass bei dem Unfall nicht mehr passiert ist. „Es war unvorstellbares Glück, dass da auf der Gegenfahrbahn niemand entgegenkam“, so Berger abschließend. ph

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