Fahranfänger verursacht „Horrorcrash“

Amtsgericht: Schüler wegen fahrlässiger Körperverletzung zu Sozialstunden verurteilt

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Unfall 2017: Insgesamt waren rund 100 Einsatzkräfte am Unfallort bei Bairawies, um den sechs Verletzten zu helfen.

Dietramszell – Einen Tag vor Heiligabend 2017 verursachte ein mittlerweile 19-jähriger Starnberger Schüler auf der Staatsstraße 2072 zwischen Unterleiten und Bairawies einen schlimmen Verkehrsunfall: insgesamt sechs Personen wurden zum Teil schwer verletzt. 16 Monate später musste er sich nun vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten.

Eine kurze Unaufmerksamkeit des Fahranfängers brachte seinen Golf auf die Gegenfahrbahn. Dort kam es zu einem heftigen Zusammenprall, an dem drei Fahrzeuge beteiligt waren. Sechs junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren wurden damals schwer verletzt in Kliniken gebracht. Die Staatsstraße 2072 musste sechs Stunden gesperrt werden. Insgesamt waren rund 100 Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehren und des BRK am Unfallort.

„Mir ist es unerklärlich, wie es dazu kommen konnte“, sagte der Angeklagte in der jetzigen Gerichtsverhandlung. Einen Tag vor Weihnachten unternahm er mit zwei Freunden und deren Vater einen Ski-Ausflug. Ein junger Mann, den er auf der Rückfahrt nachhause bringen wollte, saß auf seinem Beifahrersitz. Gegen 15.20 Uhr kam es dann zu dem folgenschweren Aufprall mit einem Renault Clio, in dem vier Holländer saßen.

Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragtes Gutachten schloss technisches Versagen und eine überhöhte Geschwindigkeit aus. Beide Fahrzeuge waren demnach mit etwa 100 km/h unterwegs, als sie aufeinanderprallten. Ein hinter dem Renault fahrender 26-jähriger Geretsrieder konnte in seinem 3er BMW nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr auf das vor ihm fahrende Auto auf.

„Das, was hier passiert ist, kann man als Horrorcrash bezeichnen: Das geht einem als Richter nahe“, gestand Verhandlungsleiter Urs Wäckerlin. Er verlas die umfangreichen medizinischen Atteste, die alle Frakturen und Verletzungen genau auflisteten: So musste ein Niederländer über einen Monat auf der Intensivstation des Murnau Klinikums verbringen. „Ein Besuch, bei dem ich mich entschuldigen hätte können, war deshalb nicht möglich“, bedauerte der Unfallverursacher. Stattdessen schickte er Blumen.

Da der Starnberger keine Vorstrafen hatte und kurz nach dem Unfall auch kein Alkohol- oder Drogeneinfluss festgestellt werden konnte, fiel das Urteil des Amtsgerichtes vergleichsweise moderat aus. Richter Urs Wäckerlin hielt die Ableistung von 64 Sozialstunden sowie die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining für angemessen.Peter Herrmann

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