Amtsgericht: Stellvertretender Filialleiter bedrängt Mitarbeiterin

Verbotene Küsse im Supermarkt

Lenggries/Wolfratshausen – Weil er eine seiner Mitarbeiterinnen gegen ihren Willen zweimal küsste und in einem Fall gewaltsam festhielt, wurde der stellvertretende Filialleiter eines Lenggrieser Supermarktes vom Wolfratshauser Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten verurteilt.

Zudem wurde dem 63-Jährigen eine Geldbuße von 3.000 Euro auferlegt. Kurz nachdem Maria K. (Name geändert) im November 2011 ihre Stelle in einem Lenggrieser Supermarkt antrat, wurde sie von Ludwig S. (Name geändert) fortwährend im Nacken gekrault oder leicht betätschelt. Die 29-Jährige nahm diese Belästigungen – wohl aus Angst um den Stellenverlust – widerstandslos hin. Am Vormittag des 11. Juni ging ihr Vorgesetzter indes noch einen Schritt weiter und küsste sie auf den Mund. Doch damit nicht genug: Als Maria K. um 14 Uhr Dienstschluss hatte, bat sie Ludwig S. ins Büro. Dort riss er die Frau an sich, hielt sie fest und gab ihr erneut einen Kuss. Zwei Hämatome am Gesäß der Frau rechtfertigten zudem den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung. Selbst als sich die Lenggrieserin am nächsten Tag für mehrere Wochen krankschrieben ließ, war sich der Angeklagte keiner Schuld bewusst. Eine Woche später erstattete sein Opfer Anzeige wegen Beleidigung, sexueller Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung. „Das war ein Riesenschmarrn von mir“, räumte der Angeklagte vor Gericht ein. Richter Helmut Berger sah dies genauso: „Wenn ich am Vormittag merke, dass mein Kuss nicht willkommen ist, mache ich am Nachmittag doch nicht einfach mit dem nächsten Kuss weiter.“ Die polizeiliche Vernehmung ergab, dass der Lenggrieser auch zwei andere Mitarbeiterinnen des Öfteren tätschelte. Der Mann wurde nach der Tat vom Supermarktleiter zur Rede gestellt, aber vorerst noch nicht entlassen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, dass er seine Machtposition ausgespielt hat und beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die aufgrund des leeren Vorstrafenregisters des Angeklagten auf Bewährung ausgesetzt werden sollte. Richter Helmut Berger reduzierte die Bewährungsstrafe auf ein Jahr und zwei Monate. Er rechnete dem Täter positiv an, dass er sofort geständig war und seinem Opfer damit eine Aussage vor Gericht ersparte. Zudem muss Ludwig S. 3.000 Euro an den Beratungsverein „Frauen helfen Frauen“ zahlen. „Sie haben ein sehr seltsames Verhältnis zum Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen. Man könnte auch sagen, sie haben ihre Fürsorgepflicht als stellvertretender Filialleiter verletzt“, mahnte Richter Berger abschließend.

Peter Herrmann

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