Zu viel Müll gelagert

Amtsgericht: Verschuldeter Tiefbauunternehmer (24) muss 2.250 Geldstrafe zahlen

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Tiefbauunternehmer lagert über 6.000 Tonnen Bauschutt – erlaubt sind aber nur 100 Tonnen.

Ascholding/Dietramszell – Wer über 100 Tonnen Bauschutt oder Abfälle auf seinem Gelände lagert, muss beim Landratsamt eine Anlage beantragen. Ein 24-jähriger Tiefbauunternehmer missachtete diese Vorschrift und überschritt die zulässige Menge mit 6.650 Tonnen deutlich.

Der Angeklagte gab in der Verhandlung am Amtsgericht zu, auf einem von ihm gepachteten etwa 5.000 Quadratmeter Grundstück in Ascholding unter anderem Bodenaushub, Bruchplatten und Abfall für einen längeren Zeitraum gelagert zu haben. Dem für Abfallrecht zuständigen Landratsamt-Sachbearbeiter Benedikt Pfaller fiel der Verstoß bei einer Routinekontrolle auf. Denn ein Teil des Grundstückes sollte gewerblich genutzt werden, während der andere Bereich als Naturschutzgebiet für Reptilien erhalten werden sollte.

„Der Abfall türmte sich teilweise vier bis fünf Meter hoch“, erinnerte sich Pfaller. Er kritisierte die „Vogel-Strauß-Politik“ des Pächters, der der Kommunikation mit den Behörden immer wieder auswich. „Er war behördenrechtlich überfordert“, mutmaßte dessen Rechtsanwalt. Zudem laufe gerade das Privatinsolvenzverfahren für sein Tiefbauunternehmen. Seine Schuldenlast belaufe sich nach eigenen Angaben derzeit auf 400.000 bis 500.000 Euro.

Die finanzielle Misere verhinderte auch eine Heirat mit seiner Lebensgefährtin, die vor wenigen Monaten ein Kind gebar. Denn der gescheiterte Unternehmer möchte nicht, dass möglicherweise sie einen Teil seiner Schulden begleichen muss. Den Sachverhalt, unerlaubt eine Anlage betreiben zu haben, räumte der Mann ein. „Da war aber keine kriminelle Absicht dahinter“, beteuerte er. Sein Einspruch zielte deshalb nur auf die Reduzierung der Rechtsfolgen.

Die Staatsanwältin wertete zwar positiv, dass auf dem Grundstück offenbar keine gefährlichen oder giftigen Stoffe lagerten. Negativ sei jedoch, dass das von einem Bachlauf durchzogene Gebiet Lebensraum für seltene Reptilien und Amphibien sei. Zudem hatte der Pächter eine strafrechtliche Voreintragung wegen falscher Verdächtigung. Sie forderte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 120 Euro – insgesamt 3.600 Euro.

Rechtsanwalt Bernhard Beer bat angesichts der hohen Schuldenlast seines Mandanten um eine deutliche Reduzierung. „Das Jahr 2018 war eine komplette Katastrophe für ihn“, erklärte er. Richter Helmut Berger beließ es schließlich bei 90 Tagessätzen zu je 25 Euro, sodass der Verurteilte nun 2.250 Euro zu zahlen hat. „Sie haben den Grenzwert von 100 Tonnen mehr als deutlich überschritten“, begründete Berger. ph


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