Schwarzfahrer muss 2.250 Euro zahlen Richter Helmut Berger verurteilt vorbestraften 29-Jährigen Asylbewerber zu hoher Geldstrafe

Richter Helmut Berger verurteilt vorbestraften 29-Jährigen Asylbewerber zu hoher Geldstrafe

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Symbolbild

Wolfratshausen – Wegen des Tatbestands der „Erschleichung von Leistungen“ in zwei Fällen musste sich ein Asylbewerber aus Nigeria vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Da der mehrfach vorbestrafte Mann zu den Tatzeitpunkten unter offener Bewährung stand, drohte ihm sogar eine Freiheitsstrafe.

Die Staatsanwaltschaft warf dem vor einem Jahr noch in Wolfratshausen lebenden Angeklagten vor, dass er am 1. August sowie am 4. Oktober 2019 in zwei Regionalzügen ohne Fahrschein angetroffen wurde.

„Beim ersten Mal sollte ich in eine andere Unterkunft überwiesen werden. Das Landratsamt gab mir jedoch kein Ticket. Sie sagten mir, ich soll nur das Formular mit der Verlegungsbestätigung vorzeigen. Das würde ausreichen“, behauptete der Nigerianer auf Englisch. Weil der seit 2015 in Deutschland lebende Mann noch über keine ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse verfügte, musste eine Dolmetscherin für ihn übersetzen. „Wenn er kein Ticket ausgestellt bekommt, kann er nicht Zug fahren“, stellte Richter Helmut Berger klar.

Die zweite „Schwarzfahrt“ am 4. Oktober gab der Angeklagte zu. „Ich wollte einen Freund in Mühldorf besuchen und hatte kein Geld“, berichtete er. Da der unter offener Bewährung stehende 29-Jährige in Deutschland bereits sechs Straftaten begangen hatte – unter anderem das Erschleichen von Leistungen, Hausfriedensbruch und Beleidigung – forderte der Staatsanwalt eine sechsmonatige Freiheitsstrafe.

Richter Helmut Berger folgte dieser Empfehlung nicht. „Wir wollen den Strafrahmen nicht ausreizen, zumal die offene Bewährung nicht einschlägig war“, erklärte er. Berger sprach schließlich eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 15 Euro – insgesamt 2.250 Euro – aus.

Dass man den Angeklagten zwei Mal ertappt hatte, sei vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. „Ich möchte nicht wissen, wie oft er wirklich schwarzgefahren ist“, betonte Berger abschließend und empfahl dem Mann, „keine Straftaten mehr zu begehen, um seine Aufenthaltsgenehmigung nicht zu gefährden“. ph

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