Amtsgericht Wolfratshausen verurteilt Mann wegen Misshandlung Schutzbefohlener

Im Zweifel gegen den Angeklagten

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Wolfratshausen/Südlandkreis – Die Staatsanwaltschaft warf einem heute 40-jährigen Krankenpfleger aus dem Südlandkreis vor, über einen Zeitraum von acht Jahren die zwei Kinder seiner damaligen Lebensgefährtin misshandelt zu haben.

Aufgrund widersprüchlicher Zeugenaussagen und Gutachten gestaltete sich die Beweisführung langwierig, so dass das Amtsgericht Wolfratshausen den im Dezember angefangen Prozess erst jetzt abschließen konnte. Nach einer sechsstündigen Verhandlung im Dezember wurde die Verhandlung nun im Januar am Wolfratshauser Amtsgericht fortgesetzt. Karin J. warf ihrem ehemaligen Lebensgefährten Peter Z. (alle Namen geändert) vor, ihre Kinder Leon und Sophie mehrmals misshandelt zu haben. 

Mehrmals Kissen ins Gesicht gedrückt

So sagte die heute 13-jährige Sophie im Dezember aus, dass ihr der Mann mehrmals ein Kissen ins Gesicht gedrückt hat. Der mittlerweile 17-jährige Leon berichtete, wie er im Alter von fünf Jahren in einen Kellerraum gesperrt wurde und einmal von seinem Vater über die Treppe geschleift wurde. Da eine Gerichtsgutachterin am ersten Verhandlungstag die Glaubwürdigkeit der Kinder anzweifelte, musste ein weiterer Prozesstag angesetzt werden. Peter Z. blieb dabei, dass er den Kindern nie Gewalt angetan hätte. Eine Version, die sich am zweiten Verhandlungstag zu bestätigen schien. Denn eine Verhaltenstherapeutin, die Leon zwischen 2005 und 2007 behandelte, sagte aus, dass das Kind ihr gegenüber nie von Gewaltakten des Vaters gesprochen habe. Gleichwohl sei es möglich, dass der Vater Druck auf das Kind ausgeübt haben könnte. Denn bei den Therapie-Gesprächen waren meist auch Karin J. und ihr Lebensgefährte dabei. 

„Gewalt war aber nie ein Thema“

Ein weiterer Psychologe stellte bei Leon einen Loyalitätskonflikt zwischen seinem richtigen Vater und dem neuen Partner der Mutter fest. „Gewalt war aber nie ein Thema“, so der 47-Jährige. Abschließend rief Richterin Regina Zollner eine ehemalige Freundin der Mutter in den Zeugenstand. Die alleinerziehende Frau hat die Kinder oft zusammen mit ihren eigenen beaufsichtigt und ein starkes Vertrauensverhältnis zu ihnen aufgebaut. Ihr ist lediglich der strenge Erziehungsstil von Peter Z. aufgefallen. „Wenn die Kinder bei Tisch nicht still saßen, hat er das Brüllen angefangen. Die Mutter war in dieser Hinsicht großzügiger“, so die 46-Jährige. Die Kinder haben ihr gegenüber aber nie davon gesprochen, dass ihnen Gewalt angetan wurde. Mit der Mutter, die inzwischen mit den Kindern in ein anderes Bundesland weggezogen ist, habe sie heute keinen Kontakt mehr. Die Staatsanwaltschaft und der Vertreter der Nebenklage hielten die belastenden Aussagen des Geschwisterpaars vor Gericht dennoch für glaubhaft. Sie sahen es als erwiesen an, dass die beiden die Misshandlungen jahrelang verdrängt haben. Vor allem das Drücken eines Kissens auf das Gesicht des Mädchens hätte im schlimmsten Fall sogar tödlich enden können. Da der Angeklagte zudem ein massives Alkoholproblem habe und seine Sozialprognose nicht positiv beurteilt werden könne, plädierten die Staatsanwältin und der Nebenkläger für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Rechtsanwalt Bernd Dufner bat indes das Gericht, seinen Mandanten freizusprechen. 

"Das reicht juristisch nicht aus"

„Außer den zwei Kindern, denen die Antworten scheinbar vorgegeben wurden, habe ich keine belastenden Aussagen gehört. Die Staatsanwältin und der Nebenkläger nehmen nur an. Das reicht juristisch nicht aus. Entscheiden sie im Zweifel für den Angeklagten“, erklärte Dufner. Richterin Regina Zollner folgte diesem Antrag nicht und verurteilte Peter Z. wegen des Tatbestands der Misshandlung Schutzbefohlener zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Zudem muss sich der Angeklagte einer Therapie unterziehen, um seine Alkoholsucht zu bekämpfen. Anders als die Staatsanwaltschaft sah Zollner die Sozialprognose positiv. „Sie haben ein festes Arbeitsverhältnis und zu den Kindern keinen Kontakt mehr. Deshalb kann die Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden“, so Zollner. Die Aussagen der Kinder hielt sie aber für glaubwürdig. Peter Herrmann

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