Raub und Körperverletzung: Geretsrieder zu Haftstrafe verurteilt

Drei Jahre Knast für 22-Jährigen

Wolfratshausen/Geretsried – Zweimal musste die Verhandlung über ein Raub- und Körperverletzungsdelikt an einer Geretsrieder Bushaltestelle vertagt werden - dann gab es das Urteil.

Richterin Barbara Treeger-Huber verurteilte den 22-jährigen Hauptangeklagten Bernhard F. (Name geändert) zu einer Haftstrafe von drei Jahren und einen weiteren 19-Jährigen zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.  Die Gruppe von Wolfratshauser Jugendlichen kam aus einem Nachtlokal an der Geretsrieder Sudetenstraße und wartete an einer naheliegenden Bushaltestelle auf ein Taxi. Als der 16-jährige Jörg K. (Name geändert) einem Mädchen einen Fünfeuroschein aus seiner Geldbörse geben wollte, überschlugen sich die Ereignisse. Ein älterer Geretsrieder riss dem verdutzten Schüler die Banknote aus den Händen, drehte an seinem Handgelenk und verlangte die Herausgabe von weiteren Scheinen. Als Jörg K. seinen leeren Geldbeutel herzeigte, ließ der Täter von seinem Opfer ab und griff zwei weitere Jugendliche an. Auch hier soll er erfolglos die Herausgabe von Barem gefordert haben. Neben dem Haupttäter saß auch ein 19-jähriger Geretsrieder auf der Anklagebank, der in dem Handgemenge einen Wolfratshauser geschlagen hat. Obwohl sechs Jugendliche vor der Polizei und vor Gericht eindeutig Bernhard F. als Aggressor identifizierten, stritt dieser alle Vorwürfe ab und behauptete zur Tatzeit in einem anderen Stadtteil gewesen zu sein. Er benannte mehrere Entlastungszeugen, die das Gericht indes nicht überzeugen konnten. Die Opfer, die den Namen des Haupttäters erst über dessen Profil im sozialen Netzwerk Facebook ausfindig gemacht hatten, erkannten Bernhard F. indes vor Gericht wieder. Der in Russland geborene Geretsrieder wurde erst im Juni 2011 aus der Haft entlassen und hat bereits neun Einträge in seinem Vorstrafenregister angehäuft – unter anderem Bedrohung, Diebstahl, gefährliche Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Während sein Rechtsanwalt Burkhard Pappers auf Freispruch für seinen Mandanten plädierte, beantragte Staatsanwalt Philipp Hildebrandt eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. „Hier liegt kein minderschwerer Fall vor. Hätten die Opfer mehr Geld in ihren Taschen gehabt, hätte es der Angeklagte auch geraubt. Ferner hat er einen Jugendlichen derart gewürgt, dass dieser Todesangst haben musste“, erklärte Hildebrandt. Richterin Barbara Treeger-Huber und das Jugendschöffengericht schlossen sich der Einschätzung Hildebrandts an, verurteilten Bernhard F. aber „nur“ zu einer dreijährigen Haftstrafe. Gegen den 19-jährigen Mittäter, der ein Opfer mit der Faust schlug, wurde eine Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verhängt. Ausschlaggebend waren hier zwei weitere gravierendere Körperverletzungsdelikte, die mitverhandelt wurden. „Die lange Jugendstrafe soll Ihnen die Gelegenheit geben, in der JVA einen Schulabschluss zu absolvieren“, erklärte Treeger-Huber.

ph

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