Amtsgericht Wolfratshausen: Wackersberger Alkoholiker wegen sexueller Nötigung verurteilt

Nach 20 Bier zudringlich geworden

Wolfratshausen/Wackersberg – Einen Kasten Bier will ein 36-jähriger Wackersberger geleert haben, bevor er einer 24-jährigen Ausreißerin anbot, bei ihm zu übernachten. In seiner Wohnung kam es daraufhin zu massiven Handgreiflichkeiten.

Am Morgen des 16. Juli gönnte sich Martin N. (Name geändert) zusammen mit einem Bekannten in der Nähe des Tölzer Bahnhofs schon am Vormittag mehrere Flaschen Bier. Schon bald bemerkte das trinkfeste Duo eine auf einer Parkbank schlafende Frau. Die 24-Jährige Lea R. (Name geändert), die an halluzinatorischer Schizophrenie leidet, war aus einer geschlossenen Psychiatrie-Anstalt in Berlin entflohen und wollte in Bad Tölz einen Bekannten besuchen. Da traf es sich gut, dass die beiden Männer die Adresse des Gesuchten kannten. Rasch kamen sie mit der Frau ins Gespräch und begleiteten sie zur Wohnung ihres Bekannten, der dort indes nicht angetroffen wurde. Lea R. wollte nun keine weitere Nacht mehr im Freien verbringen und fuhr mit Martin N. in einem Taxi zu dessen Wackersberger Wohnung. Nachdem sich die 24-Jährige geduscht hatte, bot ihr der 36-Jährige Tiefkühlpizza und ein Glas Wein an. Ein Angebot, das Lea R. noch dankend annahm. Doch dann wollte ihr Gastgeber plötzlich mehr. Er versuchte, die Frau gegen ihren Willen zu küssen und deren Hose zu öffnen. „Irgendwann lagen wir zusammen auf dem Boden und sie hat mich in den Finger gebissen. Erst in diesem Moment ist mir bewusst geworden, dass ich zu weit gegangen bin“, erinnert sich der Angeklagte. Er öffnete der Frau die Tür und ließ sie gehen. Die Polizei griff das sichtlich verwirrte Opfer später auf. „Sie schilderte die Vorgänge ohne Belastungseifer und war uns gegenüber sehr misstrauisch“, gab eine Kommissarin vor Gericht zu Protokoll. Bei einer anschließenden ärztlichen Untersuchung des Opfers wurden Hämatome und Würgemale festgestellt, die nur aus der Auseinandersetzung mit Martin N. stammen konnten. Weil der Angeklagte die Tat einräumte, blieb der mittlerweile in Norddeutschland wohnenden Frau eine Aussage vor Gericht erspart. Eine Gutachterin attestierte dem Wackersberger ein massives Alkoholproblem. Ursache war in erster Linie der Bruch einer zwölf Jahre bestehenden Beziehung sowie der Verlust mehrerer Arbeitsstellen. Mittlerweile will der Angeklagte seinen Alkoholkonsum indes völlig aufgegeben haben. Eine stationäre Entgiftung komme für ihn deshalb nicht infrage. Da Martin N. seine Tat gestand und außerdem bisher nicht vorbestraft war, beließ es Richter Helmut Berger bei der Verhängung einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die auf Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss der Angeklagte eine ambulante Entzugstherapie beginnen, die mindestens ein Jahr dauern soll. Peter Herrmann

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